Mit einer Kunstaktion machen Anwohner auf die unerträglichen Zustände im Niebuhr-Hochaus aufmerksam. von Kai von Appen

Warnung vor dem Ernstfall: Kunstaktion vor dem Niebuhr-Hochhaus. Bild: Kai von Appen
Qualm dringt am Freitag Morgen aus dem Hausflur des 15-stöckigen Appartementhauses mit der Adresse Reeperbahn 157. Ein Trupp in weißen Schutzanzügen riegelt das Terrain vor dem Hauseingang mit rot-weißen Sperrbändern ab und fordert über Megafon die schaulustigen Kiezbesucher auf, die Reeperbahn zu verlassen. Ein Fass mit giftigen Stoffen wird aus dem Gebäude geborgen. Giftalarm! Das Haus wird evakuiert.
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Die Szene, die an diesem Morgen nur eine Kunstaktion der Initiative "S.O.S. - St. Pauli" ist, weißt auf ein reales Problem hin, das die BewohnerInnen des Niebuhr-Hochhauses haben.
Das Haus wurde 1971 mit damals "modernen Baustoffen" gebaut. Seit der neue Eigentümer, die Excelsior Immobilien GmbH & Co. KG, 2011 mit der Modernisierung und dem Umbau der 150 Wohneinheiten zu Eigentumswohnungen begonnen hat, sind die Mieter immer wieder einem gesundheitlichen Risiko ausgesetzt gewesen. (taz berichtete). So wurden bei den ungeschützten Arbeiten giftige Asbestfasern freigesetzt, künstliche Mineralfasern und Polychlorierte Biphenyle (PCB) gefunden und Schwermetalle im Farbanstrichen festgestellt.
Die Bewohner fordern daher vom Bezirksamt-Mitte, dass es den Eigentümer verpflichtet, ein Gefahrstoffkataster zu erstellen, bevor die Arbeiten fortgesetzt werden. "Wir haben schon vieles über das Maß des Möglichen verfügt", sagt Sorina Weiland, Sprecherin des Bezirksamts-Mitte. "Es ist eine unendliche Geschichte."
Es sei allerdings nicht alles über das Baurecht zu regeln. "Die Verpflichtung zur Erstellung eines Gefahrstoffkatasters muss über den zivilrechtlichen Weg eingeklagt werden", sagt Weiland. Das sehen die Bewohner anders: "Unwissenheit über Gefahrstoffe und deren gesundheitliche Auswirkungen entbindet nicht den Eigentümer, Baufirmen, Polizei und Behörden vor der Verantwortung, die Bewohner vor belastenden Baumaterial zu schützen", sagen die Mieter. "Die Situation für die Menschen im Haus Reeperbahn 157 ist weder zu ertragen noch hinzunehmen". In der kommende Woche wird sich daher die Bezirksversammlung mit der Niebuhr-Baustelle befassen.
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