Nach Experimenten mit dem Bezahldienst „OnePass“ startet Google nun einen neuen Versuch. Man will Verlagen und anderen Anbietern den Content-Verkauf erleichtern.von Ben Schwan

Googles Bezahldienst „OnePass“ kostete die Verlage nur 10 Prozent des Umsatzes pro Artikel, Apple dagegen verlangt 30 Prozent. Bild: reuters
Google hat mit „Wallet for Content“ einen neuen Bezahldienst für Web-Inhalte gestartet. Der Dienst ersetzt ein Vorgängerangebot namens „OnePass“, das im April nach knapp einem Jahr Laufzeit offiziell eingestellt worden war. Bislang ist „Wallet for Content“, das Konten des bestehenden mobilen Bezahldienstes Google Wallet nutzt, in Deutschland noch nicht verfügbar. In den USA experimentieren aber bereits drei Kunden mit dem Verfahren.
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So kann man sich beim Verlag Dorling Kindersley für 49 US-Cent erklären lassen, wie man strickt, Peachpit Press verkauft Tipps zur Software Photoshop Elements (99 US-Cent) und der Lexikonverlag Oxford Reference will Informationen zum Rückgang der arktischen Eisbedeckung loswerden (ebenfalls 99 US-Cent).
Googles Konzept setzt dabei auf eine Kombination aus Vorschau und Verlockung: Unter dem Bezahlfenster, das über die reguläre Web-Seite gelegt wird, finden sich verdeckte Textpassagen, die man gegen Geld „entschlüsseln“ kann. Auch die enthaltenen Bilder werden nur pixelig dargestellt. Um das Geschäft zu befördern, bietet der Netzriese eine Geld-zurück-Garantie: Gefällt der gekaufte Content nicht, soll man ihn noch eine halbe Stunde später mittels „Instant Refund“ virtuell zurückgeben können.
Inhalteanbietern verspricht Google, Vorkehrungen gegen den eventuellen Missbrauch dieser Funktion getroffen zu haben. Aussagen zu Partnerschaften mit europäischen Verlagen oder überhaupt zu einer Strategie, ob und wie „Wallet for Content“ hierzulande umgesetzt werden soll, machte Google bislang noch nicht - eine Anfrage von taz.de blieb mehrere Tage unbeantwortet.
Auch der Verband deutscher Zeitschriftenverleger VDZ gab zunächst keine Stellungnahme ab. Georg Wittmann, Experte für Bezahldienste bei der Forschungsstelle ibi der Universität Regensburg, meinte im Gespräch, „Wallet for Content“ sei im Großen und Ganzen zunächst „nichts Neues“. Man führe bestehende Dienste mit einem neuen Namen zusammen und kombiniere diese mit Googles Versuchen, Handy-Bezahldienste zu offerieren.
Er rechne deshalb nicht mit großen Auswirkungen für die Endkunden im Vergleich zu „OnePass“, so Wittmann. Das Problem sei stets, Nutzer dazu zu motivieren, überhaupt zu zahlen. Inhalte, die es überall gibt, könne man so nicht vermarkten. Einzigartiger Content sei leichter verkaufbar. Wittmann nannte als Beispiel die Angebote der Stiftung Wartentest, die Ergebnistabellen zum Einzelabruf anbietet.
„Das funktioniert bereits komfortabel.“ Das es auf den Inhalt ankommt, der verkauft werden soll, scheint sich Google mit seinen drei Beispielangeboten tatsächlich zu Herzen genommen zu haben: Diese sind eher zeitlos oder versprechen zumindest Nutzwert. „Nutzer müssen bereit sein, zu zahlen. Bei qualitativ hochwertigen Inhalten ist man das eher“, sagt Wittmann.
Beim „Wallet for Content“-Vorgänger „OnePass“ hatte Google den Verlagen einen Bezahldienst angeboten, der sie nur 10 Prozent des Umsatzes pro Artikel kostete – Apple verlangt für Apps und Content in seinem Online-Laden dagegen konstant 30 Prozent.
Im Frühjahr 2011 machten gleich drei Großverlage mit: Sowohl Burda (Focus Online) als auch Axel Springer (Bild.de) und Gruner+Jahr/Bertelsmann (Stern.de) lieferten Inhalte für „OnePass“ und bauten entsprechende Bezahlschranken in ihre Angebote ein. Damals hieß es von Google, der Dienst solle sich „baldmöglichst als einheitliche Plattform für ein einfaches Payment sowohl im Web- als auch im mobilen und App-Bereich“ etablieren, damit er zu einer „vollwertigen Alternative zu bestehenden Systemen“ werde.
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Leserkommentare
12.10.2012 17:24 | Jörg
Ich finde es gut, dass die taz über solche Themen berichtet. Ich selber beschäftige mich beruflich damit und habe in meinem ...