Umbruch bei der HSH-Nordbank

Der mächtige Peanuts-Mann

Er fackelt nicht lange. Hilmar „Peanuts“ Kopper schmeißt den nächsten HSH-Nordbank-Chef raus. In Hamburg und Kiel wächst die Angst vor einer Bankenpleite.

Hilmar Kopper. Würden sie diesem Mann ihr Geld anvertrauen?  Bild: dpa

Schon zum zweiten Mal in seiner kurzen Amtszeit als Kapitän der HSH Nordbank wechselt Hilmar Kopper die Mannschaft bei voller Fahrt: Nach dem schrulligen Mathematiker Dirk Jens F. Nonnenmacher im März 2011 traf es nun den danach aus der Frührente gelockten Wunschkandidaten Paul Lerbinger.

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Der überraschende Rückzug des HSH-Nordbank-Chefs zeigt erneut, dass die Bank keineswegs vor dem Untergang gerettet ist. Wegen der hohen Risiken aus spekulativen Altgeschäften und abgesoffenen Schiffskrediten soll ein ausgewiesener Finanzcontroller das Ruder übernehmen, um zu retten, was zu retten ist.

Damit wächst die Furcht in Hamburg und Kiel, dass die Hansestadt und Schleswig-Holstein doch noch für die Garantien geradestehen müssen, mit der sie ihre Landesbank über Wasser halten. Mit bis zu sieben Milliarden Euro haften die Länder für Verluste der HSH.

Vor allem dem finanzschwachen Nordstaat droht dann eine „Saarlandisierung“ – aus eigener Kraft nicht überlebensfähig. Um dies zu verhindern, wurde 2009 vom Hamburger Senat der frühere Deutsche-Bank-Boss Hilmar Kopper als graue Eminenz an die Spitze des Aufsichtsrates geholt.

Ole und Harry: der Kopper-Coup

Ausgeheckt hatten den umstrittenen Kopper-Coup der Hamburger Bürgermeister Ole von Beust und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen, beide CDU. Die Koalitionspartner SPD in Kiel und die grüne GAL in Hamburg legten kein mögliches Veto ein.

Aus den Doppeltürmen von Europas größter Bank brachte Kopper den Risikomanager Constantin von Oesterreich mit, den er nun an die Spitze der HSH setzte. Joachim Bischoff von der Linksfraktion deutete die Entscheidung für den „Erdnuss-Experten“ schon damals als „Ausdruck tiefster Verzweifelung“.

Der in der Öffentlichkeit oft unbeholfen wirkende Kopper hatte in den Neunzigern offene Rechnungen über 50 Millionen Mark, die Baulöwe Jürgen Schneider Handwerkern schuldete, als „Peanuts“ (Erdnüsse) bezeichnet.

Noch bei der Deutschen Bank hatte Kopper die Klage der privaten Großbank gegen die öffentlichen Landesbanken vor der Europäischen Kommission mitzuverantworten. Dadurch fiel die öffentliche Gewährträgerhaftung, und der Weg wurde frei für wilde Finanzspekulationen einiger Landesbanken wie der HSH.

 

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