Die Einkommen sind gestiegen, doch die Einkommenskluft wächst weiter rasant. Der Großteil der Bevölkerung hat nichts von den Einkommensteigerungen. von Nicola Liebert

Gegen Banken und Spekulationen: Occupy-Demonstration in Los Angeles. Bild:
BERLIN taz | Die da oben von der Wall Street, die bereichern sich immer weiter, während der Großteil der Bevölkerung von der Krise gebeutelt wird. Dieses Gefühl, das viele der Protestierenden in New York und anderen US-Städten antreibt, trügt nicht. Die USA sind ein Land der Ungleichheit. Und die Ungleichheit wächst rasant.
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Nur auf den ersten Blick sieht die Entwicklung ganz gut aus. Vor Ausbruch der Finanzkrise, von 2006 auf 2007, stiegen die Einkommen durchschnittlich um ordentliche 3,7 Prozent. Doch das ist eben nur der Schnitt. In Wirklichkeit gingen die Zuwächse zum allergrößten Teil an diejenigen, die ganz oben auf der Einkommensleiter stehen.
An die Konzernvorstände zum Beispiel, deren Bezüge das 185-Fache eines durchschnittlichen Arbeitnehmerlohns ausmachen. Das oberste eine Prozent der Haushalte erzielte ein Plus von fast 7 Prozent und erhält damit 24 Prozent des gesamten von US-Amerikanern erarbeiteten Einkommens.
Aber selbst bei den Bestverdienern machte nur eine kleine Gruppe den großen Reibach. An die Top 0,01 Prozent - 15.000 Haushalte mit einem Jahreseinkommen von über 11 Millionen US-Dollar - gingen mehr als 6 Prozent des Gesamteinkommens. Selbst 1928, als die Ungleichheit scheinbar einen Höhepunkt erreicht hatte, waren es nur 5 Prozent gewesen.
Der US-Ökonom und Nobelpreisträger Paul Krugman warnte schon vor Jahren vor Zuständen wie in den 1920er Jahren, die in den USA als "Gilded Age", als goldenes Zeitalter, bekannt sind. Im New York Times Magazine berichtete er von gigantischen Villen, die er als Teenager auf Long Island bestaunt hat, und stellte sich den Reichtum vor, den man allein für die nötigen Heerscharen von Dienstboten benötigte.
Das goldene Zeitalter endete bekanntlich mit dem Crash von 1929 und der darauf folgenden Weltwirtschaftskrise. Erst mit dem Boom der 1990er Jahre und dem Immobilienboom, der sich dem Dotcom-Crash anschloss, erreichten die USA erneut ein "Gilded Age" - das wiederum in der Krise endete. Eine weitere Parallele: Auch in den 20ern gab es eine sich radikalisierende Protestbewegung, mit Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti als bekannten Vertretern.
Zum Teil infolge der hohen Einkommen an der Spitze driften auch die Vermögensverhältnisse immer weiter auseinander. 34,6 Prozent des gesamten Vermögens von US-amerikanischen Privathaushalten - Geld, Aktien, Häuser - konzentrieren sich allein beim reichsten Hundertstel der Bevölkerung. Während auf die unteren 90 Prozent der Amerikaner nur 27 Prozent des Gesamtvermögens entfallen, verfügen die obersten zehn Prozent laut dem Washingtoner Institute for Policy Studies über 73 Prozent. In Deutschland sind es dagegen "nur" 61 Prozent des Vermögens.
Die neuesten verfügbaren Daten stammen allerdings aus dem Jahr 2007. Das Platzen der Immobilienblase dürfte seither vor allem bei den weniger Begüterten, deren einziges Vermögen oft aus dem Eigenheim besteht, noch weiter an der Substanz gezehrt haben.
Das sind die Eltern derer, die jetzt am Liberty Plaza kampieren. Die Superreichen hingegen, das geht aus weltweiten Daten der Beratungsfirma Capgemini und der Investmentbank Merrill Lynch hervor, haben nach einem kurzen krisenbedingten Einbruch 2009 ihre Vermögen wieder kräftig steigern können.
Kleine Korrektur: Die Übersetzung von "Gilded Age" ist falsch - "gilded" heißt nicht "golden", sondern "vergoldet", korrekt ...
Kleine Korrektur: Die Übersetzung von "Gilded Age" ist falsch - "gilded" heißt nicht "golden", sondern "vergoldet", korrekt ...
Wie soll es denn auch anders sein? Irgendwer sitzt immer an den Trögen und bedient sich selbst, während alle anderen von ih ...
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