• 02.08.2009

Hanfparade

Entspannter Protest für Cannabis

Kiffen soll endlich legal werden, fordern die rund 1.000 Teilnehmer der diesjährigen Hanfdemo.von NORA GROSSE-HARMANN

Für die 13. Hanfparade hat sich Emmanuel etwas ganz besonderes ausgedacht. Der junge Mann mit den kurzen Haaren und dem Strass-Stein auf der Stirn trägt eine Kulturbeutel-ähnliche Tasche um den Hals. "Das ist mein Drogenfachgeschäft", behauptet er grinsend und zeigt auf einige Produkte: "Herbal Ecstasy, Magic Mushrooms, Herbal Speed - das hab' ich alles übers Internet bestellt." Warum er heute hier sei? "Es gibt keine Droge auf der Welt, die keine positiven Eigenschaften hätte", findet der 26-Jährige.

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Den Ansichten Emmanuels zum Trotz geht es an diesem Sonntag aber vor allem um eins: Die Legalisierung von Cannabis-Produkten als Genussmittel und zum Gebrauch in der Medizin. Mit Schildern und Transparenten mit der Aufschrift "Jugendschutz, Verbraucherschutz, Legalisierung", "Mein Gehirn gehört mir" und "Kein Kampf ohne Hanf" demonstrieren rund 1.000 Menschen für freies Kiffen und den legalen Anbau der Hanf-Pflanze. Die Parade startet gegen 14 Uhr vom Fernsehturm in Richtung Hackescher Markt.

Die Demonstranten, ein bunter Mix aus Ökos, Punks, Normalos und Dreadlockträgern, akzeptieren, dass lauter Polizisten anwesend sind - nur hier und da macht ein Joint die Runde. "Das Polizeiaufgebot ist aber relativ bescheiden", bemerkt Hans Cousto, Mitorganisator der Parade. "Letztes Jahr haben sie sogar die Taschen der Damen kontrolliert."

Cousto ist von der Notwendigkeit der alljährlichen Demonstration überzeugt. Die Öffentlichkeit müsse darauf aufmerksam gemacht werden, dass die Informationspolitik zu Cannabis völlig einseitig sei und in den Interessen der Regierung stünde, so der Aktivist. "Und in den Medien wird das Thema viel zu wenig diskutiert."

Auch Barbara Seid von den Linken in Friedrichshain-Kreuzberg unterstützt die Forderung der Hanfparade. Bei ihrer Rede plädiert sie für das sogenannte "drug-checking" in Berliner Kneipen und Clubs, eine Aktion, bei der Fachleute auf Anfrage der Clubbesucher ihre soeben erworbenen Rauschmittel auf deren Inhaltsstoffe hin untersuchen. "Der Gast kann daraufhin selbst entscheiden, ob er die Droge konsumiert oder nicht", erklärt Seid das Konzept. "Drug-checking" gebe es schon in Österreich und in der Schweiz; in Deutschland sei es bisher verboten.

Indes betont Steffen Geyer vom Deutschen Hanf Verband, dass sich die zwölf vorherigen Hanfparaden nicht folgenlos geblieben seien: "Die kleinen Parteien setzen sich bereits für die Legalisierung ein", sagt er. Trotzdem sei es schwierig, etwas auf politischer Ebene zu bewirken. "Das ist genau so, als würde man versuchen, mit einem kleinen Bohrer ein dickes Brett zu durchschneiden."

Gegen 15 Uhr nähert sich der Zug unter monoton-wummernden Elektro-Beats dem Hackeschen Markt. Während ein Demonstrant, der sich "Windo" nennt, davon schwärmt, wie schön es wäre, mit Hilfe von Hanf Kleidung oder Treibstoff für Autos herzustellen, lässt sich ein weiterer stolz mit einem selbst-gebastelten Riesen-Joint aus Tapete und angekokelten Schwämmen fotografieren.

Kurz vor dem Brandenburger Tor schiebt eine Demonstrantin, die sich als "Brigitte" vorstellt, geduldig ihr Fahrrad durch die Menge. Sie erzählt, dass die Behörden ihre Wohnung durchsucht hätten, weil sie Cannabis-Pflanzen angebaut habe. "Ich leide unter einer chronischen Krankheit", sagt sie. "Sogar meine Ärztin hat mir bestätigt, dass Cannabis da schmerzlindernd wirken kann." Die 51-Jährige plant, nach Spanien auszuwandern. Denn dort sei, so die Demonstrantin, der Konsum zu medizinischen Zwecken erlaubt.

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