Hertha und Union in der 2. Liga

Huch, da sitzt uns wer im Nacken!

Hertha spielt heute gegen Paderborn, Union am Montag in Kaiserslautern. Die Frage dieser Spielzeit: Erlebt Berlin einen Machtwechsel auf dem Rasen?Ost und im West im taz-Check

Herthas neuer Coach soll den richtigen Weg weisen.  Bild: dpa

Die erste Elf

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Union: Das Stammteam ist gut, am zweiten Anzug mangelt’s. Nach derzeitigem Stand hat Union genau eine Elf, die oben mitspielen könnte. Das wird nicht reichen: Sobald sich zwei, drei Leistungsträger verletzen, sieht es dünn aus. Die Defensive (um den neu verpflichteten Fabian Schönheim) machte in der Vorbereitung einen guten Eindruck. Nach vorn harmonierte das Mittelfeld um Torsten Mattuschka, Michael Parensen und Markus Karl gut mit Silvio und dem starken Simon Terrode im Sturm. Hertha: Vom Spielerpotenzial her erstklassig. Selbst eine B-Elf der Hertha könnte in der zweiten Liga konkurrenzfähig sein. Wenn Hertha komplett ist, spielen Leute wie Thomas Kraft, Lewan Kobiashwili (beide noch gesperrt), Änis Ben-Hatira, Sami Allagui, Marcel Djeng und Neuzugang Ben Sahar in Liga Zwei – eigentlich sind sie alle zu gut für diese Spielklasse.

1:0 Hertha

 

Die Übungsleiter

Union: Uwe Neuhaus verdient jetzt schon ein kleines Eisernen-Denkmal. Der 53-Jährige hat den Verein von der Regionalliga in die dritte Liga geführt, dann in Liga zwei etabliert. Er würde wohl auch bei der sportlichen Misere bleiben. Derweil arbeitet er aber eher an einem größeren Denkmal.

Hertha: Jos Luhukay ist der vierte (offizielle) Trainer innerhalb eines Jahres – hoffentlich die langfristige Lösung. Die fachliche Kompetenz des Mannes mit dem opulenten Schnauzbart ist unumstritten. Er ist mit Mönchengladbach und Augsburg aufgestiegen – besser noch: mit den bayerischen Schwaben in Liga eins geblieben. Bekommt ein Schnäuzerdenkmal, falls er mit Hertha wieder aufsteigt.

1:1 Remis. 2:1 Hertha

 

Die Stadien

Wie wird sich Union schlagen?  Bild: dpa

Union: Die Alte Försterei, in der derzeit die neue Haupttribüne entsteht, ist eines der atmosphärischsten Zweitliga-Stadien. Jetzt soll es auch noch zum Schmuckstück werden. Durch den Umbau wird an Stimmung nichts verloren gehen – ein Unioner brüllt für drei.

Hertha: Der letzte Zweitligaaufenthalt vor zwei Jahren tat der Party keinen Abbruch: Im Schnitt kamen 46.000 Zuschauer ins Olympiastadion – Rekord. Zur Aufstiegsparty gegen Augsburg kamen gar 75.700, wieder Rekord. Klappt das noch mal? Wenn sich das Team in einen Wiederaufstiegsrausch spielt, ja.

Trotzdem Punkt für Union. 2:2

 

Die besten Fangesänge

Union: „Auf einer grünen Wiese zwei Tore aufgestellt / und zwischen diesen Toren der schönste Platz der Welt / Angriff – Unioner stürmen vor den Ball hinein ins gegnerische Tor / Hey, hey, hey, Union“.

Hertha: „BSC / wir sind da / jedes Spiel / ist doch klar / zweite Liga / tut so weh / scheißegal / BSC!“

Union mit stärkeren Defiziten im Versmaß, Treuepunkt für Hertha. 2:3

 

Das Geld

Union: 18 Millionen Euro sind für die Köpenicker der höchste Etat der Klubgeschichte, davon werden 8 Millionen Euro für Spielergehälter verwendet. Über die genaue Verschuldung macht der Verein keine Angaben.

Hertha: Hertha hat 36 Millionen Euro Schulden. Der Etat wurde auf 45 Millionen Euro gesenkt, in der 1. Liga waren es noch 57,6 Millionen. Dennoch: Höchster Zweitliga-Etat. Für die Profis gibt der Klub 13 Millionen Euro aus, halb so viel wie letzte Saison. Der Schuldenberg wächst nach jüngsten Angaben um rund 13 Millionen Euro, man rechnet derzeit nur mit Einnahmen von rund 32 Millionen Euro.

Punkt für keinen. 2:3

 

Die Transfers

Union: Einer der Top-Käufe bisher ist Torwart Daniel Haas. Wenn er nach der Meniskus-Operation wieder fit wird: eiserner Rückhalt zwischen den Pfosten. Der kroatische U-21-Nationalspieler Roberto Puncec (von Maccabi Tel Aviv ausgeliehen) könnte in der Innenverteidigung zur zweiten Kraft neben Schönheim werden. Im Sommerschlussverkauf sollte Union noch ein, zwei Hochkaräter für die Offensivabteilung verpflichten. Kreativspieler Chinedu Ede ist weg (zu Mainz 05), was nun? Immerhin konnte man noch Stürmer Adam Nemec vom FC Ingolstadt unter die Fittiche nehmen.

Hertha: Klotzt. Für einen hochverschuldeten Verein nicht so schlecht, was da an neuem Personal aufgefahren wird. Mit den wichtigsten Neuzugängen – Peer Kluge (Mittelfeld), Sami Allagui (Sturm), Marcel Ndjeng (Mittelfeld), Sandro Wagner (Sturm), Ben Sahar (Sturm) und Elias Kachunga (Sturm) besteht nun ein Überangebot im Angriff. Dort wird es einen harten Konkurrenzkampf geben. Wer den Abgang von Raffael kompensieren soll, ist noch unklar. Allagui könnte seine Position spielen, vielleicht sollen es auch der in der Vorbereitung nach Belieben treffende Kachunga und der Exmainzer Allagui zusammen richten.

Punkt für Hertha. 2.4

 

Die Capitanos

Union: Torsten Mattuschka. Der Unioner schlechthin. Seit der Aufstiegssaison 2005/2006 ist der 31-Jährige bei den Köpenickern, damals schoss er sie in die Regionalliga hoch. Seit 2010 Kapitän. Genießt unumstrittene Autorität innerhalb seines Teams.

Hertha: Peter Niemeyer. Es war nicht überraschend, dass Luhukay den 28-jährigen einistigen Bremer zum Kapitän berief. Er war die Konstante im Team der Herthaner, das Vorbild auf dem Platz. Ob er das runderneuerte Team an Spitzenspielern zusammenhalten kann, wird sich aber erst zeigen müssen.

Punkt für Union. 3:4

 

Der Dress

Union: Daheim schlicht in Rot-Weiß, auswärts noch schlichter in Schwarz mit leichtem Blautouch. Ohne große Überraschungen.

Hertha: Noch unspektakulärer. Gab’s das blau-weiß gestreifte Heimtrikot nicht schon ein paar mal? Aufbruch zu neuen Zielen sieht anders aus. Das Auswärtstrikot in Rot-Schwarz erinnert an den AC Mailand.

Punkt für keinen. 3:4

 

Das sagen die anderen

Union: Dreimal wird Union bei einer Umfrage unter Zweitligatrainern genannt, wer aufsteigt.

Hertha: Aufstiegskandidat Nummer eins! Hertha rangiert in ebendieser Umfrage mit 17 Nennungen ganz oben.

Punkt Hertha. Endstand 3:5

 

Fazit: Hertha gewinnt den taz-Check verdient. Alles andere als der Aufstieg wäre für den Verein zu wenig. Union wird sicher unter den ersten zehn sein – wenn sie um den Aufstieg mitspielen wollen, brauchen sie aber noch Offensivverstärkungen. Dann könnten sie Hertha gefährlich nahekommen.

 

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