Gegen Polens gewalttätige Fans vorzugehen, ist schwierig. Sie werden von den Rechtsnationalen und der Staatsanwaltschaft geschützt.von Gabriele Lesser

Polnische Fans in Warschau. Bild: dapd
WARSCHAU taz | Fußball-Hooligans wurden in Polen lange nicht weiter ernst genommen. Sie galten als „margines“, als gesellschaftliche Randgruppe, die Hassparolen grölte wie „Juden ins Gas“ oder Affengesänge gegen dunkelhäutige Spieler anstimmte.
Ist Ihnen dieser Artikel etwas wert?
Polens von Korruptionsaffären geplagter Fußball galt bislang kaum als „Nationalsport“. Vielmehr stand er im Ruch, von Funktionären beherrscht zu sein, die in die eigenen Taschen wirtschaften, statt Talente zu fördern oder gute Fußballer im Verein zu halten. Die Hooligans sind nur ein Teil des „Problems Fußball“ in Polen.
Als kurz vor Beginn der EM in Polen der Ukraine die BBC den Dokumentarfilm „Stadien des Hasses“ ausstrahlte und der britische Fußballer Sol Campbell davor warnte, zur EM zu fahren, empörten sich viele Polen über die angebliche Einseitigkeit der BBC.
Dabei waren weder die Prügelexzesse der Hooligans inszeniert, noch die zum Hitlergruß gerechten Arme, der Marsch der „arischen Horde“ ins Stadion von Rzeszow oder die dort aufgehängte Riesenkarikatur, die aus dem Nazihetzblatt Der Stürmer stammen könnte und zum Mord aufforderte: „Tod allen Krummnasen!“ Statt sich endlich des Problems anzunehmen, protestierte Polens Innenminister Jacek Cichocki offiziell gegen den Film der BBC.
Anders Außenminister Radoslaw Sikorski. Der Katholik, der mit der jüdischen Historikerin und Pulitzer-Preisträgerin Anne Applebaum verheiratet ist, geht offensiv gegen Rassismus an. Allerdings verpassten ihm die Gerichte schon einen schweren Dämpfer: Als Nichtjude sei er von antisemitischen Drohungen nicht betroffen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nur selten, weil sie gegrölte Parolen wie „Juden – euer Zuhause ist Auschwitz“ für „gesellschaftlich wenig schädlich“ oder gar für polnische „Folklore“ hält.
Als vor einem Jahr Polens liberalkonservativer Premier Donald Tusk die Bekämpfung der Hooligans zur Chefsache machte, verhöhnte ihn die rechtsnationale Oppositionspartei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) und gab den „Jungs, die ihren Spaß haben wollen“ eine Art Freibrief.
Fortan sah man bekannte Hooligans bei PiS-Veranstaltungen als Bodyguards auftreten. Als die „kibole“, wie Hooligans in Polen oft genannt werden, skandierten: „Tusk, du Depp, die Kibole stürzen deine Regierung“, klatschen PiS-Politiker begeistert Beifall.
Doch nicht nur Anhänger der PiS-Partei verteidigen die angeblichen „Patrioten“, auch rechtskatholische und -nationale Medien nehmen die polnischen Hooligans gegen „Westeuropa“ und deren „Linksradikale“ regelmäßig in Schutz. Und selbst liberalen Medien passiert dies. So bot der Radiosender Zet dem PiS-Abgeordneten Adam Hofman vor dem „roten Marsch“ der russischen Fans in Warschau ein Forum. „Man stelle sich nur mal vor, dass die Deutschen ihren Feiertag in Tel Aviv mit Flaggen und Hakenkreuzen abhalten würden. Denn genau das ist die Analogie.“
José Mourinho verlässt nach drei Jahren Real Madrid und geht wohl zurück zu Chelsea. Bei Medien und Fans war er unten durch. Einen Nachfolger soll es auch schon geben.

Unser Programm: taz.de begleitet die Fußball-EM 2012 in den Schwerpunkten „Aufm Platz“ mit allen Spielberichten und Analysen, „Mixed Zone“ mit allem, was in Sachen Fußball eben nicht auf dem Spielfeld passiert und „Tribüne“, der die Perspektive von außen aufs Geschehen einnimmt.
***
Exklusiv auf taz.de: Lesen, was Sie verpasst haben - verstehen, was Sie gesehen haben: Alle Spielberichte kurz nach Abpfiff auf taz.de/em. Mit dem entscheidenden Moment, dem Spieler und der Pfeife des Spiels und der Schlussfolgerung.
***
Facebook: Leibesübungen – taz.sport ist jetzt auch hier.
***
Das Team: Aus den Stadien und dem Quartier der deutschen Mannschaft berichten die taz-Sport-Redakteure Andreas Rüttenauer und Markus Völker. In Warschau beobachten Gabriele Lesser und Uli Räther das Geschehen, in Kiew Juri Durkot. In Berlin sind dabei: Svenja Bednarczyk, Frauke Böger, Michael Brake, Jan Feddersen, Enrico Ippolito, Johannes Kopp, Katerina Mishchenko, Barbara Oertel, Erik Peter, Jan Scheper und Deniz Yücel.
David Beckham beendet seine Fußballer-Karriere. Wird er jetzt etwa Vollzeitpapa, Model oder Frührentner? Ach, uns fallen da noch ein paar andere Sachen ein...

Ein echt fieser Augapfel, ein Harley-Davidson-Skelett, Buddha hat Geburtstag und jede Menge Quallen. Unsere Bilder der Woche.

14 Jahre war Thomas Schaaf Trainer bei Werder Bremen – genug Zeit, seinen trockenen Humor in vielen Interviewantworten unter Beweis zu stellen.

Am Samstag ist es wieder so weit: Im schwedischen Malmö kämpfen 39 Länder um den ersten Platz beim ESC. Wir wissen, auf welche Teilnehmer Sie besonders achten können.


Leserkommentare
14.06.2012 03:10 | @ grzegorz
scheinbar fühlt sich hier ein mensch in seiner ach so wichtigen nationalehre gekränkt. ich kenne weder die autorin, noch ih ...
14.06.2012 00:36 | kowalski
Wie wäre es mal mal mit einem Artikel über die Stimmung jenseits des Russlandspiels, jenseits der Holligans. Berichten sie ...
13.06.2012 20:30 | grzegorz
Frau Lesser hat, wie immer, einen einseitigen und antipolnischen Text geschrieben. Mein Gott, sie muss ein schreckliches Le ...