Etliche Arbeitnehmer sind weit unterhalb ihrer Qualifikation beschäftigt. Eine neue Studie sagt, dass so Verdienst und Lebenszufriedenheit sinken.von Nadine Michel

Ob diese Azubis bei Deutz in Köln später ihrem Qualifikationsniveau entsprechend beschäftigt sein werden? Bild: dpa
STUTTGART taz | Die Geschichte von einem Philosophiestudenten, der Taxifahrer wird, kennt jeder. Doch das Problem der unterwertigen Beschäftigung betrifft nicht nur Philosophen.
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Der Bezirksleiter der Gewerkschaft IG Metall in Baden-Württemberg, Jörg Hofmann, spricht vielmehr von einem „breiten Massenphänomen“. Zu diesem Urteil kommt er angesichts einer am Montag in Stuttgart vorgestellten Studie, die die Universität Hohenheim im Auftrag der IG Metall erstellt hat.
Demnach ist fast jeder fünfte Erwerbstätige in Deutschland mit abgeschlossener Berufsausbildung oder Hochschulstudium unterhalb seiner erworbenen Qualifikation beschäftigt. „Die Zahl hat uns sehr überrascht“, sagte Hofmann.
Die Untersuchung weise auf „beträchtliche ungenutzte und damit gefährdete Qualifikationsreserven“ hin. Dies sei vor allem mit Blick auf den wachsenden Fachkräftemangel nicht zu akzeptieren. „Da liegt ein Potenzial brach, mit dem ein großer Teil der Facharbeiterlücke geschlossen werden könnte.“
Besonders kritisch sieht Hofmann, dass aus der Studie „Risikogruppen“ hervorgehen, die besonders stark von einer unterwertigen Beschäftigung betroffen sind. Dazu zählen unter anderem Frauen, Erwerbstätige mit Migrationshintergrund oder Teilzeitbeschäftigte.
Die Untersuchung beruht auf den Zahlen des Sozio-oekonomischen Panels, das eine regelmäßige repräsentative Befragung von über 10.000 deutschen Haushalten mit über 20.000 Befragten ist. Sie wird vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung durchgeführt.
Der Autor der Studie, Ralf Rukwid von der Uni Hohenheim, betonte die „weitreichenden Folgen“ einer dauerhaften Unterforderung: zum einen die Tatsache, dass aus volkswirtschaftlicher Sicht wertvolle Ressourcen nicht ausgeschöpft würden, zum anderen aber auch die persönlichen Folgen. Es gebe in der Regel erhebliche Verdiensteinbußen. Außerdem sinke die persönliche Lebenszufriedenheit, so Rukwid.
Gewerkschafter Hofmann fordert deshalb bessere Karrierechancen für Frauen und ein Ende der Diskriminierungen von Beschäftigten mit Migrationshintergrund. „Die Beschäftigten müssen stärker als bisher die Chance erhalten, ihre Fähigkeiten bei der Ausübung ihres Berufes auch tatsächlich einzubringen“, sagt Hofmann. Zudem mahnte er Weiterbildungsanstrengungen bei den Firmen und eine bessere Berufsorientierung an.
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