Die staatliche Netzagentur Norwegens will Daten von Stromnutzern speichern um Smart Grids effizienter zu machen. Doch Datenschützer haben Bedenken.von Reinhard Wolff

Das ist noch ein altes, nicht besonders schlaues Netz. Bild: dapd
STOCKHOLM taz | Smart Grids, intelligente Stromnetze, gelten als Voraussetzung für eine effektive Nutzung regenerativer Energiequellen – und damit als unerlässlich für die „grüne Wende“. Doch wie „intelligent“ dürfen die Netze sein, damit sie nicht die Persönlichkeitsrechte des Einzelnen über Gebühr verletzen? Diese Frage wird gerade in Norwegen diskutiert, wo die staatliche Netzgesellschaft Statnett eine gigantische nationale Datenbank schaffen will, in der die Stromverbrauchsdaten des einzelnen Abnehmers gespeichert werden sollen – jahrelang, im Viertelstundentakt.
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Die „smarten“ Stromzähler, die den Verbrauch jedes Haushalts laufend messen und die Daten per Mobilfunk an die Netzgesellschaften übertragen, sind schon da – in spätestens vier Jahren soll sie jeder norwegische Haushalt haben. Doch wie lassen sie sich optimal nutzen? Wenn alle messbaren Daten in einer gemeinsamen Datenbank landen und die verschiedenen Stromproduzenten und -händler darauf Zugriff bekommen, meint Statnett.
Diese könnten dann mithilfe der Daten beispielsweise anhand langjähriger detaillierter Verbrauchsmuster die Stromproduktion vorausschauend planen und so Investitionen in den Netzausbau optimieren. Aber auch den „effektiven“ Stromkunden mit Zugriff auf ausgefeilte Steuerungssysteme – wie die Fernsteuerung von Geräten – schaffen.
Doch Datenschützer protestieren. Was genau soll gespeichert werden? Nach den jetzigen Vorschriften dürfen die Stromgesellschaften Daten mit stundengenauem Verbrauch bis zu 15 Monate speichern, kürzere Zeiträume nicht. Monatliche und jährliche Daten dürfen bis zu drei Jahren gespeichert werden. Nicht lange genug, meinen die Smart-Grid-Planer, dann würden sich die Milliardeninvestitionen nicht rechnen.
Weder reiche das als Grundlage zu Analysen für einen optimalen Netzbetrieb, noch bekomme der Kunde dann die Daten, um seinen Stromverbrauch effektiver gestalten zu können. Für aussagekräftige Konsummuster müssten die Daten mindestens zehn Jahre gelagert werden, meint der Branchenverband Energi Norge.
„Nicht mehr Daten als unbedingt notwendig“, meint dagegen Atle Årnes von der Datenschutzbehörde Datatilsynet. Aus detaillierten Daten lasse sich nämlich ablesen, wann wer schläft, den Fernseher anstellt – oder überhaupt zu Hause ist. Informationen, auf die nicht nur Kriminelle scharf sein könnten, sondern auch Versicherer, Polizei oder Finanzamt. Nicht nur die Frage der Weitergabe an Dritte müsste lückenlos geregelt werden, Stromkunden müssten auch die Möglichkeit haben, sich gegen jede Datenspeicherung zu wehren, soweit diese nicht für Abrechnungszwecke nötig sei.
Ein freiwilliges System und eine vollständige Kontrolle des Einzelnen über seine Stromverbrauchsdaten sei das Ziel, meint die staatliche Energiebehörde NVE. Beschränkungen, mit denen sich die Strombranche womöglich etwas schwer tun werde, glaubt NVE-Abteilungsleiter Thor Erik Grammeltvedt: „Man ist es dort nicht gewohnt, die Kunden für so etwas erst um Erlaubnis zu fragen.“ Gäbe es allerdings zu viel Datenverweigerer, dürfte das auf die Intelligenz der Smart Grids negative Auswirkungen haben.
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Leserkommentare
16.07.2012 12:28 | Bertram in Mainz
Das ist eine Entwicklung von der Energieverschwendung über eine an sich sinnvolle intelligentere Nutzung hin zu einer dikta ...
16.07.2012 12:17 | Der Querulant
Wozu das Ganze? Anonymisierte Daten liegen Energieerzeugern und Netzbetreibern doch sowieso vor. Und mehr braucht es nicht, ...
16.07.2012 10:22 | Ben
Einfach krank. Ich hoffe es werden genug BürgerInnen gegen diese Überwachung auf die straße gehen!