Isfahan und Teheran im Ramadan

Programm der Reise

vom 9. bis 18. Juni 2018

Theologische Debatten haben in Iran eine lange Tradition Bild: Hartmut Niemann

Nächte des Ramadan in Isfahan und Teheran

Seit Sommer 2016 können wir in Iran keine gezielten Treffen in Projekten bzw. mit Schriftstellern, Künstlern oder Wissenschaftlern mehr anbieten; nur "übliche touristische Kontakte" sind noch erlaubt.

1. Tag

Die Reisenden fliegen von verschiedenen deutschen Flughäfen mit Turkish Airlines nach Istanbul, wo sich die Gruppe am Abflugschalter des Turkish-Airlines-Fluges nach Isfahan trifft. Im Flugzeug werden alle Frauen vor der Ankunft in Isfahan ein Kopftuch anlegen. Obwohl Ramadan ist (auf Persisch übrigens ‚Ramazan‘ gesprochen), wird im Flugzeug Essen serviert, denn für Reisende gelten Sonderregelungen. Ankunft in Isfahan spät in der Nacht –  wir fahren vom Flughafen schnell zum Hotel und gehen schlafen.

Isfahan: Lotfallah-Moschee am zentralen Platz "Meydan-e Emam" Bild: Thomas Hartmann

2. Tag

Vormittags schlafen wir aus. Nach einem späten Frühstück, das wir als Nicht-Muslime in einem Extra-Raum im Hotel erhalten, lernt sich die Reisegruppe kennen und die Reiseleiter erläutern das Programm. Auf der gesamten Reise erhalten wir (bis zum letzten Ramadan-Tag) beim Frühstück auch ein Lunch-Paket für später, das jeder unterwegs - nur nicht in aller Öffentlichkeit - essen kann.

Am Nachmittag spazieren wir durch das Zentrum von Isfahan, das von den Safawiden-Herrschern Anfang des 17. Jahrhunderts zur Hauptstadt ausgebaut wurde: zunächst besuchen wir in einer Gartenanlage den „Tschehel Sotoun“ (Vierzig Säulen) - Palast von Shah Abbas I, der mit außergewöhnlichen Wandgemälden im Stil der Miniaturen-Malerei sowie europäischer Künstler aus Venedig geschmückt ist. Weiter geht es durch den Basar zum zentralen Platz der Stadt, dem Meydan-e-Emam. Diese beeindruckende Anlage aus der Safawiden-Zeit ist einer der größten Plätze der Welt.

Das Fastenbrechen bei Sonnenuntergang („Iftar“ genannt, heute um 20.16 Uhr) werden wir gemeinsam mit vielen Familien in einem Restaurant erleben. Für Muslime ist es der Beginn der nächtlichen Phase, in der sie essen und trinken dürfen nach Herzenslust, bis zum Sonnenaufgang am nächsten Morgen (um 4:11 Uhr).

Isfahan: eine der alten Brücken über den Fluss Zayandeh-Rud Bild: Jens Heuermann

Wer nach dem Abendessen noch unternehmungslustig ist, kann zum nahen Fluss spazieren, in dessen Uferanlagen viele Isfahaner die warme Nacht zum Bummeln und Picknicken nutzen und in den Bögen der großen, alten Brücke genießen Gruppen von Jugendlichen die Anonymität der Nacht, singen und machen Musik.

3. Tag

Wir gewöhnen uns an den neuen Rhythmus des Ramadan: Am Vormittag können wir  ausschlafen und spät frühstücken: das Frühstücks-Büfett steht (wie an allen weiteren Tagen) für uns bis 13 Uhr im Hotel bereit. Wer schon früh auf den Beinen ist, kann sich individuell in der geschäftigen Umgebung des Hotels umsehen.

Gegen Mittag beginnt das Programm mit einer Busrundfahrt durch die Stadt. Wir überqueren den Fluss und fahren ins armenische Viertel Dschulfa (Djolfa) mit einigen alten Kirchen, die orthodoxe Ikonen-Malerei mit safawidischer Fliesenkunst kombinieren. Wir fahren auch zum großen Platz zurück und besichtigen seine prächtigsten Gebäude: den Ali Qapu wie die „hohe Pforte“ der Safawiden-Herrscher in Iran genannt wird, die kleine Lotfallah-Moschee (einst Privatmoschee der Shah-Familie) sowie die große Imam Moschee und Medresse von Abbas I. Dort besteht Gelegenheit, mit einem Geistlichen zu diskutieren.

Isfahan: Geschäftsstrasse in der Nähe des Basars Bild: Thomas Hartmann

Nach dem Fastenbrechen werden wir wieder ein Gartenrestaurant aufsuchen und anschließend das nächtliche Treiben in den Straßen und Parks der Stadt erleben.

4. Tag

Das Frühstück ist ausnahmsweise für alle schon um 10 Uhr – denn wir verlassen Isfahan und brechen noch am Vormittag nach Teheran auf. Dafür können wir an diesem Tag in einer Raststätte der Autobahn  in einem öffentlichen Restaurant zu Mittag essen: auch reisende Iraner sind ja vom Fasten ausgenommen.

Nach etwa 6 Stunden kommen wir im Süden Teherans an und besuchen dort drei sehr populäre Stätten: zunächst den großen Märtyrer-Friedhof Behesht-e Zahra, der für die Opfer aus dem Iran-Irak-Krieg der 1980er Jahre angelegt wurde. Anschließend fahren wir weiter zum Grabmal von Ayatollah Khomeini. Die riesige Anlage ist immer noch nicht fertig, aber ihre Dimensionen sind deutlich zu erkennen und der zentrale Shrine mit Khomeinis Grab kann bereits besucht werden, auch von Nicht-Muslimen.

Im Gebetsraum des Schreins von Shah Abdol Azim in Shahr-e Rey Bild: Archiv

Dann geht es zum Vorort Shahr-e Rey. Diesen Ort gab es schon lange vor der Gründung Teherans. Hier liegt eine der wichtigsten schiitischen Pilgerstätten Irans, mit deren Bau im 9. Jahrhundert begonnen wurde: die weitläufige Anlage um das Grabmal von Schah Abdol Azim. Bei Sonnenuntergang werden wir dort erleben, dass viele Familien in den Höfen der Anlage ihr Picknick mitbringen und das Fasten brechen.

Auch wir können jetzt in einem einfachen Restaurant neben der Pilgerstätte zu Abend essen. Anschließend fahren wir noch eine gute Stunde durch belebte Straßen bis zu unserem Hotel im Zentrum Teherans.

5. Tag

Ein ‚Frühstücks-Büfett‘ steht für Langschläfer wieder bis 13 Uhr zur Verfügung, aber gegen 12 Uhr empfehlen wir einen Orientierungs- spaziergang im Viertel unseres Hotels. Da werden Sie u.a. die nahe Metro-Station kennen lernen, von der aus Sie in den kommenden Tagen vormittags individuell die Stadt erkunden können.

Teheran: in einer Geschäftsstraße in der Nähe des Bazaars Bild: Joachim Wieshofer

Nach dem Spaziergang erläutert unser iranischer Reiseleiter im Hotel das Programm der kommenden Woche. Diese Besprechung ist viel wichtiger als bei anderen Reisen. Denn das hier folgende Programm wird nicht das endgültige sein. Welche Kulturveranstaltungen in den Ramadan-Nächten wo stattfinden, wird erst wenige Wochen, gar Tage vorher bekannt. Die folgenden Ausführungen orientieren sich am Programm der letzten Reise.

Am Nachmittag tauchen wir dann mit unserem klimatisierten Bus in das Teheraner Verkehrsgewühl ein und fahren bis zu den Hängen des Elburs-Gebirges im Norden. Wir werden rund eine Stunde benötigen, ehe wir an der großen Palast-Anlage von Saadabad ankommen. Herrscher der Qadscharen-Dynastie erbauten im 19. Jahrhundert die ersten Gebäude hier in den kühlen Hängen als Sommerresidenz. Anschließend können wir noch am deutlich weniger prunkvollen Wohnhaus von Ajatollah Khomeini vorbeifahren.

Vor Beginn der Abenddämmerung erreichen wir den Milad-Tower, den Fernsehturm der Stadt, von dessen Spitze aus man die Ausmaße der Metropole überblicken kann: vom Khomeini-Mausoleum im Süden bis zu den Hängen des Elburs-Gebirges im Norden liegen rund 35 Kilometer.

In einem Gartenrestaurant in Nord-Teheran, im Hintergrund die Hänge des Elburs-Gebirges Bild: Archiv

Zu Abendessen wir in einem Familienrestaurant im populären Park „Abo-o-Atash“ im Anblick der ungewöhnlichen Fußgänger-Brücke 'Torbiat'. Bei der Rückfahrt ins Hotel kommen wir an der neuen „Mousalla” vorbei, einem weitläufigen Moschee-Komplex für über zehntausend Gläubige, und können eine nächtliche Koran-Lesung erleben, der auch ganze Familien mit Kindern im großen Innenhof zuhören.

6. Tag

Ein ‚Frühstücks-Büfett‘ steht für Langschläfer wieder bis 13 Uhr zur Verfügung, aber gegen 11 Uhr fahren diejenigen, die bereits gefrühstückt haben, mit dem Bus zur Teheran-Universität im Zentrum der Stadt. In den umgebenden Straßen besteht Gelegenheit, in mehreren Buchläden nach englisch sprachigen Büchern (vor allem zu Kunst, Dichtung und Geschichte Irans) oder auch nach Karten zu stöbern. Anschließend holen wir diejenigen im Hotel ab, die erst später gefrühstückt haben, und setzen unsere Sightseeing-Tour zum Nationalmuseum sowie später zum großen Basar fort.

Einfaches Garten-Teehaus für Wanderer im Elburs-Gebirge nördlich von Teheran Bild: Michael Schulte

Das Nationalmuseum zeigt die größte archäologische Sammlung Irans mit Exponaten aus vorislamischer Zeit und bietet praktisch eine Einführung in die über viertausend jährige Geschichte des Landes. Anschließend fahren wir in das nahe gelegene Basar-Viertel, bleiben aber nur kurz, gerade lange genug, um Sie mit der Lage des Basars vertraut zu machen. Dann geht es mit der Metro in nur 15 Minuten direkt zu unserem Hotel – und das können Sie an einem „Vormittag zur freien Verfügung“ problemlos wiederholen und den Basar individuell oder in kleinen Gruppen erkunden.

Gegen 18 Uhr fahren wir wieder nach Nord-Teheran bis in die Täler des Elburs-Gebirges, nach Darakeh. Die Täler und Hänge des bis über 5.000 m hohen Gebirges sind gerade im Sommer ein beliebtes Ausflugsziel der Teheraner. Viele Teehäuser und Restaurants bieten Wanderern und Freizeit-Sportlern Rast und Erholung (im Ramadan natürlich erst nach dem Iftar).

An diesem Abend wird es besonders voll sein: denn nach den derzeitigen Vorhersagen endet in  dieser Nacht der Ramadan, das große Fest beginnt – aber definitiv wird dies erst kurz vorher geklärt (möglicherweise verlängert sich der Ramadan um einen Tag).

Golestan Sommerpalast in Teheran Bild: Wolfgang Zügel

7. Tag

Für unser Frühstück ist dies unwichtig:  wie gewohnt steht es bis 13 Uhr im Hotel bereit, doch einige aus der Reisegruppe werden sicher schon vorher das Hotel verlassen und z.B. mit der Metro auf eigene Faust zum Basar fahren oder den Golestan-Palast besuchen.

Das gemeinsame Programm beginnt um 13 Uhr: wir fahren zu einem der großen Parks im Zentrum von Teheran, zum Laleh-Park. Auf dessen Gelände sind zwei interessante Museen: das Teppichmuseum mit exquisiten Beispielen traditioneller persischer Teppich-Kunst aus allen Regionen des Landes und das Kunstmuseum. Dieses einst von Farah Diba initiierte Museum  ist architektonisch interessant gebaut und besitzt die größte Sammlung moderner Malerei und Grafiken außerhalb Europas und der USA.

Am Nachmittag besuchen wir das Garten-Café der „Book-City Ferechte“, einer Art Kultur-Kaufhaus, das auf 2 Etagen Bücher, Musik-DVD’s, Postkarten, edles Papier und allerlei mehr anbietet. Vor dem Abendessen kommen wir am Tajrish-Platz vorbei, dem zentralen Verkehrsknotenpunkt Nord-Teherans. Dort können wir eine bedeutende Pilgerstätte Teherans, das Imamzadeh Saleh, sowie einen überschaubaren Stadtteil-Basar besuchen.

Ein Zur-Khaneh (wörtlich "Krafthaus") ist eine traditionelle Sportstätte, in der auch soziale und ethische Werte gepflegt werden. Bild: Joachim Wieshofer

8. Tag

Am Vormittag fahren wir nördlich von Teheran mit einer der längsten Seilbahnen der Welt (7,5 km) auf den Tochal. Bei der Fahrt auf den fast 4.000 Meter hohen Hausberg Teherans erwartet Sie ein herrlicher Blick über die ganze Stadt - soweit der Smog es zulässt.

Wir gelangen in kühle Gefilde knapp unterhalb des Gipfels; in einer Baude können wir zu Mittagessen und in einer Senke gemütlich zwischen Schneefeldern spazieren gehen - auch viele Iraner werden die klare, frische Luft genießen und sich von der Hektik der Stadt erholen.

Wieder zurück in Teheran besuchen wir das „Qasr“: auf dem ehemaligen Militärgelände aus der Qadscharen-Zeit gab es ein berüchtigtes Gefängnis. In ihm waren unter dem letzten Schah auch berühmte Oppositionelle inhaftiert. 2008 ist das Gefängnis in ein Museum für die politischen Gefangenen der Schah-Zeit und die gesamte Anlage in einen Kultur-Komplex umgewandelt worden.

Zum Kultur-Komplex gehört ein „Zur-Khaneh“, wörtlich „Krafthaus“, eine Art traditionelles Fitness-Studio. Hier werden traditionelle Sportarten wie das Schwingen von bis zu 40 kg schweren Holzkeulen, aber auch soziale und ethische Werte gepflegt (seit 2010 gehören die Zur-Khane-Rituale zum Immateriellen Kulturerbe der UNESCO). Diese sehr populären Sportstätten gibt es in allen Stadtvierteln.

Am diesem (oder einem anderen) Abend besuchen wir eine Theateraufführung und und werden den Tag danach in einem populären Restaurant ausklingen lassen.

Teheran/Schahr-e Rey: Eine entspannte Athmosphäre herrscht im Innenhof der Pilgerstätte Imamzadeh Schah Abdol Azim Bild: Thomas Hartmann

9. Tag

Der letzte Tag steht für individuelle Interessen zur Verfügung; natürlich geben die Reiseleiter gerne Hilfestellungen: der Basar oder weitere interessante Museen (z. B. das Juwelen-Museum oder das Musikinstrumenten-Museum) sowie moderne Kunstgalerien sind gut mit der Metro erreichbar, ebenso moderne Shopping-Malls, eine Art Schaufenster des Alltagslebens.

Nach dem Ende des Ramadans sind auch wieder schicke Cafés geöffnet,  in denen sich Schriftsteller und Künstler treffen; mehrere sogar in Fußnähe unseres Hotels.

Zum letzten gemeinsamen Abendessen besuchen wir ein Restaurant, das von Künsterlinnen in einem ehemaligen Qadscharen-Palast betrieben wird. Nicht allzu spät geht es ins Hotel – die Nacht ist nur kurz.

10. Tag

Frühstück ist bei Sonnenaufgang im Hotel. Kurz vor 5 Uhr bereits fährt unser Bus zum Flughafen. Der Turkish-Airlines-Flug startet circa 8 Uhr. Gegen 14 Uhr kommen alle Reisenden in verschiedenen deutschen Flughäfen an.

Umstellungen und Änderungen im Detail möglich. Stand: 30. Nov. 2017

Der Rückflug kann individuell auch später erfolgen. Näheres beim Veranstalter.