Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung

Jerusalem aus der Perspektive von Infrastruktur

14.11.2017, 19:00 Uhr - 14.11.2017, 22:00 Uhr

Die Stadt Jerusalem ist politisch und religiös so umkämpft wie keine andere Stadt. Sie ist das Herz des Nahostkonflikts und ihre Zukunft ein zentraler Streitpunkt zwischen Israelis und PalästinenserInnen - auch aufgrund der immensen religiösen Relevanz der "heiligen Stadt" für Juden, Christen und Muslime gleichermaßen. Nach dem sogenannten Sechstagekrieg 1967, in welchem die israelische Armee den arabischen Ostteil der Stadt von Jordanien eroberte, "vereinte" die israelische Regierung Jerusalem nach eigener Lesart. Aus palästinensischer Perspektive trennte Israel mit der Annexion der Stadt Ostjerusalem Schritt für Schritt vom umgebenden palästinensischen Westjordanland ab.

Jerusalem heute, 50 Jahre nach der umstrittenen Wiedervereinigung der Stadt durch Israel, ist noch immer eine geteilte Stadt: die Konfliktlinien zwischen Israelis und PalästinenserInnen, Säkularen und Religiösen, Arm und Reich durchziehen sichtbar und unsichtbar die Stadt.

Der Vortrag widmet sich dem Thema der Urbanität aus der Perspektive von Infrastruktur. Das Wort "Infra" bezeichnet das Drunterliegende, das Unsichtbare. Zusammen mit dem Wort "Strukturen" steht es für das Zusammenwirken von sozialen Prozessen und Technologien, die gesellschaftliche Abläufe und Routinen erst möglich machen. Infrastruktur, so soll in diesem Vortrag deutlich werden, ist jedoch weit davon entfernt, unsichtbar zu sein. Infrastrukturen sind sichtbar wirksam: ihre Anwesenheit polarisiert - ebenso ihre Abwesenheit. Sie verbinden und trennen und sind aus urbanen Räumen nicht mehr wegzudenken. In einer Stadt wie Jerusalem kommt Infrastruktur eine besondere Bedeutung zu: Urbane Infrastruktur wie die jüngst gebaute Straßenbahn, Busnetze und neue Autobahnen verbinden politisch umstrittenes Territorium. Die territoriale Kontinuität, die dabei geschaffen wird, wird von palästinensischer Seite stark angefochten. Damit wird Infrastruktur in Jerusalem nicht selten zum Schauplatz von verschiedenen Formen von Widerstand und kann somit als Aushandlungsplatz politischer Forderungen verstanden werden.

Der Vortrag geht auf ausgewählte Infrastrukturen in Jerusalem ein und beleuchtet deren Bedeutung für die politischen und sozialen Aushandlungen in der Stadt. Am Beispiel der neu gebauten Straßenbahn wird der Vortrag verständlich und anschaulich in die aktuelle urbane Situation in Jerusalem einführen.

Veranstaltungsort: Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung ; Sebastianstr. 21, 10179 Berlin. Kooperationspartner: Alsharq e.V. Referentin: Amina Nolte (International Graduate Centre for the Study of Culture, Justus Liebig Universität Gießen; Alsharq e.V.) Datum: 14.11.2017 ; 19:00-22:00 Uhr

Die Veranstaltung wird mit Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin realisiert.