Jürgen Klopp gegen Pep Guardiola

Angst vor dem Überfall

Gegen niemanden hat Manchester Citys Pep Guardiola so oft verloren wie gegen Jürgen Klopp. Nun könnte er die Meisterschaft an Liverpool verlieren.

Pep Guardiola umarmt Jürgen Klopp

Kontaktaufnahme: Pep Guardiola beim Premier-League-Duell von Manchester City und Liverpool im Oktober 2018 Foto: reuters

MANCHESTER taz | Wahnsinnig viele Erkenntnisse hat die Amazon-Dokumentation über Manchester Citys abgelaufene Meistersaison nicht gebracht, sie war eher ein auf Hochglanz getrimmter Imagefilm. Man musste schon genau hinsehen und hinhören, um gewinnbringende Einblicke zu bekommen.

Da gab es zum Beispiel diese eine Szene im Vorlauf auf das Treffen mit dem FC Liverpool im Viertelfinale der Champions League. Josep Guardiola unterhielt sich mit zwei seiner Assistenten und wirkte dabei so, wie man ihn nur selten erlebt, nervös und verunsichert. „Sie machen mir Angst“, sagte er über die Mannschaft des deutschen Übungsleiters Jürgen Klopp und ihre Angriffsreihe mit Sadio Mané, Roberto Firmino und Mohamed Salah.

Kein Wunder: in der abgelaufenen Spielzeit kassierte seine Mannschaft 3 ihrer 7 Pflichtspiel-Niederlagen gegen Liverpool, 1 in der Liga (3:4) und 2 im Champions-League-Viertelfinale (0:3 und 1:2). Der einzige Klub, den Manchester City in der Meistersaison zu fürchten hatte, war Liverpool – und der einzige Trainer, den Guar­diola fürchten muss, ist weiterhin Klopp. Das war in der Bundesliga so, als sie mit dem FC Bayern und Borussia Dortmund gegeneinander antraten, und das ist auch in England so.

Vor dem Topspiel der Premier League am Donnerstag zwischen Spitzenreiter Liverpool und dem Tabellendritten Manchester City sieht die Bilanz der beiden Trainer gegeneinander folgendermaßen aus: In 15 Aufeinandertreffen gab es 8 Siege für Klopp, 2 Unentschieden, zuletzt beim 0:0 im Hinspiel an der Anfield Road im Oktober, und 5 Siege für Guardio­la. Gegen keinen anderen Widersacher hat der Spanier eine so schlechte Bilanz. Sein auf Ballbesitz ausgelegtes Spiel kommt nicht mit Klopps Überfallfußball zurecht.

Hochachtung auf beiden Seiten

Anders als bei vielen anderen Rivalitäten im Sport ist das Verhältnis der beiden Trainer nicht von Feindseligkeit und Missgunst geprägt, sondern von gegenseitiger Hochachtung. Klopp preist Guardiola immer wieder als besten Trainer der Welt.

Guardiola hat seinen Respekt vor Klopp in der Vergangenheit auch dadurch ausgedrückt, dass er sein Spiel umstellt. In seiner Münchner Zeit waren gegen Dortmund sogar die von ihm sonst wenig geschätzten langen Bälle erlaubt. Beim torlosen jüngsten Treffen in der Premier League spielte Manchester City ungewohnt defensiv, um nicht wieder von Liverpools Gegenstößen überrascht zu werden.

Bisher gelang es Klopp immer nur punktuell, Guardiola wehzutun – mit einzelnen Siegen. Über die gesamte Spielzeit gesehen lag Guardiola immer vor Klopp. Mit dem FC Bayern wurde er in beiden Saisons Meister, in denen sich die Trainer in der Bundesliga gegenüberstanden. Auch in der Premier League landete Guardiolas City zweimal vor Klopps FC Liverpool.

Pep Guardiola, City-Trainer

„Liverpool ist das im Moment vielleicht beste Team der Welt“

In dieser Saison könnte sich das Machtverhältnis verschieben. Klopp könnte die von Manchester City geplante Ära der Alleinherrschaft im englischen Fußball schon wieder beenden, bevor sie so richtig begonnen hat. Tabellenführer Liverpool ist in der Liga noch ungeschlagen und hat vor dem direkten Duell sieben Punkte Vorsprung auf Manchester City, das sich im Dezember gleich drei Niederlagen geleistet hat.

Für Guardiola hat das erste Spiel des Jahres deshalb schon finalen Charakter. Er lobt Liverpool als „das im Moment vielleicht beste Team Europas oder der Welt“ und sagt über die Bedeutung der Partie für das Titelrennen: „Wenn wir Punkte liegen lassen, dann war es das, dann ist es vorbei.“

Einerseits sind solche Einschätzungen natürlich Strategie, um dem Gegner die Favoritenrolle zuzuschieben. Klopp selbst behauptet ja beharrlich, dass der aktuelle Tabellenstand „nichts bedeuten“ würde. Andererseits hätte Liverpool bei einem Sieg schon zehn Punkte Vorsprung auf Manchester City. Man braucht schon viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass Klopps Mannschaft eine solche Führung noch aus der Hand gibt.

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