Kevin Rowland über One-Hit-Wonder

„Die Musik macht mich nicht glücklich“

Mit „Come On Eileen“ und seiner Band Dexys Midnight Runners landete Kevin Rowland 1982 ein One-Hit-Wonder. Im sonntaz-Gespräch redet er über seinen Absturz danach.

Hat ein Comeback in Frauenkleidern versucht: Kevin Rowland.  Bild: imago/HRSchulz

Kevin Rowland war einmal der größte Popstar der Welt. Man schrieb das Jahr 1982 und „Come On Eileen“ von seiner Band Dexys Midnight Runners stand überall ganz oben in den Charts. Aber Rowland fühlte sich nicht wie ein Star, sondern war todunglücklich. Er fürchtete zu versagen, als Hochstapler entlarvt zu werden. Die Folge: Drogen, Absturz, Armut, Wohnungslosigkeit. Der tiefe Fall eines Stars, der an seinem eigenen musikalischen Genie verzweifelte.

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Heute, dreißig Jahre später, gelten die Platten der Dexys Midnight Runners allesamt als Meilensteine der Popmusik und Rowland ist zurück. Seine Band nennt er nur noch Dexys, sein neues Album „One Day I’m Going To Soar“ ist ein erneutes Meisterwerk und er sagt im großen sonntaz-Gespräch: „Die Musik macht mich nicht glücklich.“

Nun erzählt er, wie sich der große Erfolg als große Enttäuschung entpuppte: „Ich hatte die Vorstellung: Wenn ich erst einmal Erfolg hätte, wird alles einfacher. Aber als ich Erfolg hatte, stellte ich fest: Mein Leben wurde noch viel komplizierter.“ Der mittlerweile 59-jährige Rowland berichtet, wie er sich nach seinem Absturz über Wasser gehalten hat und ein versuchtes Comeback in Frauenkleidern fürchterlich scheiterte: „Ich hatte erwartet, dass sich ein paar Leute aufregen würden. Aber dass ein Mann in einem Kleid solch einen Hass auslösen würde, das hat mich vollkommen überrascht.“

Aber er erzählt auch, was ihn immer wieder zurück zur Musik treibt: „Wenn man Glück hat, dann passiert etwas Großartiges: Die Angst verschwindet und alles scheint perfekt. Ich kann nichts falsch machen, denn die Musik fließt durch mich hindurch, ohne eigenes Zutun, wie in einem Zustand der Gnade. Dieses Gefühl ist besser als alle Drogen. Ich wünschte, ich könnte es in Flaschen abfüllen.“

Mit dem Image als One-Hit-Wonder kann er heute, drei Jahrzehnte nach dem großen Erfolg, leben: „Ich finde das nicht schlimm. Ich weiß ja, dass ich noch ein paar andere Songs geschrieben habe, die ganz in Ordnung sind.“ Sogar mit „Come On Eileen“, dem Song, der ihm das alles eingebrockt hat, hat er sich wieder angefreundet: „Ich mag den Song. Nicht nur, weil er heute meine Miete zahlt.“

 

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