Die Kieler Landesregierung will den Bahnverkehr ausbauen. Unklar ist, ob dabei die S-Bahnen 4 und 21 oder die Stadtregionalbahn um Kiel Vorrang haben.von Esther Geisslinger

Soll mehr werden: Bahnverkehr in Schleswig-Holstein, hier auf der Eisenbahnbrücke Hochdonn. Bild: dpa
HAMBURG taz | Rund 150.000 Pendler schieben sich morgens Stoßstange an Stoßstange von Schleswig-Holstein nach Hamburg und abends zurück. Ein Teil von ihnen könnte auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen, wenn die besser vertaktet wären und weit genug ins Umland führen.
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Bereits seit Jahren wird über den Bau der S-Bahn 4 von Bad Oldesloe über Ahrensburg nach Hamburg diskutiert. Ebenfalls sinnvoll für die Bewohner des Speckgürtels um die Metropole wäre ein Ausbau der regionalen AKN-Bahn Hamburg-Kaltenkirchen, die als S 21 bis zum Flughafen Fuhlsbüttel weitergeführt werden könnte. Beide Projekte hat die schleswig-holsteinische Regierung als vorrangig in ihren Koalitionsvertrag aufgenommen. Aber dort steht auch die Stadt-Regionalbahn (SRB), die Kiel mit den Mittelzentren Eckernförde, Rendsburg, Neumünster und Preetz verbinden soll. Angesichts der hohen Kosten versuchte die Landtagsoppostion bei der gestrigen Sitzung, die Regierung zu einer Festlegung zu bringen, welche Schienen ihnen die wichtigste seien. Konkret beantragten CDU und FDP, den Ausbau der S 4 zum Leitprojekt zu machen. SPD, Grüne und SSW stimmten dagegen: Sie erklärten, dass alle drei Bahnstrecken „große Bedeutung“ und „gleich hohen Stellenwert besitzen“.
Hans Jörn Arp (CDU) sprach von einer „verkehrspolitischen Geisterfahrt“, wenn der Ausbau der Schienenwege in der Metropolregion in finanzielle Konkurrenz zu der „ideologisch überfrachteten, verkehrstechnisch überflüssigen Stadtregionalbahn“ gesetzt werde: „Es gibt nicht genug Geld, um auch die Stadtregionalbahn zu bauen.“
Laut dem Wirtschafts- und Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) wird der Weiterbau der S 4 rund 350 Millionen Euro kosten. Für den Umbau der AKN veranschlagt er 50 Millionen Euro. Die Stadtregionalbahn würde nach jetzigem Stand etwa 382 Millionen Euro brauchen. Die Bahn ist auch in Kiel selbst umstritten; vor allem die Grünen setzen sich dafür ein. Meyer hatte im Sommer die Debatte angestoßen, in dem er klar machte: „Es wird einen Wettbewerb zwischen den Projekten geben.“
In der Landtags-Debatte erklärte Flemming Meyer (SSW): „Es gibt für alle drei Projekte gute Gründe, daher werden wir hier nicht den Strecken-Contest ausrufen.“ Einig waren sich die Koalitionäre darin, dass die Baupläne unterschiedlich weit gediehen seien. Der Lauenburger SPD-Abgeordnete Olaf Schulze machte klar: „Die S 4 hat Vorrang.“ Den Ausbau habe der Landtag bereits vor zwei Jahren einstimmig beschlossen. Aber den anderen Projekten gebühre ebenfalls „angemessene Aufmerksamkeit“. S 4, S 21 und Stadtregionalbahn würden ja nach Entwicklungsstadium zu unterschiedlichen Zeitpunkten realisiert.
„Bei der Stadtregionalbahn zum Beispiel wird es erst einmal darum gehen, mit allen Akteuren zu sprechen, und dazu gehören die Umlandkreise“, so Schulze weiter.
Welche Vorteile eine Umlandbahn hätte, wird an diesem Wochenende in Rendsburg getestet: Anlässlich des Stadtfestes „Rendsburger Herbst“ bieten Land und DB Regio kostenlose Sonderfahrten vom Rendsburger Bahnhof in den Rendsburger Stadtteil Seemühlen an. Diese führen über zum Teil stillgelegte Gleise, die in den nächsten Jahren in die neue Vorortbahn Kiel–Rendsburg integriert werden könnten, so das Verkehrsministerium.
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