Kinostart „Swimming with Men“

Die welkende Blume vorführen

Oliver Parkers Film „Swimming with Men“ behandelt synchronschwimmende ältere Männer. Die Komödie kommt ohne allzu viele Stereotype aus.

„Swimming with Men“: sechs Männer unter Wasser

Die Synchron-Schwimmer wie sie Eric (Rob Brydon) unter Wasser entdeckt Foto: Alamode

Wenn die Freiheit „über den Wolken“ grenzenlos ist, dann wird das unter Wasser ähnlich sein. Und „alle Ängste, alle Sorgen“ würde Eric (Rob Brydon) gern einmal vergessen: Eric ist ein Buchhalter in der Midlifecrisis und vereint die dementsprechenden Klischees (penibel, lethargisch, unzufrieden) in einem missmutig-schiefen, von Routine ausgelaugtem Körper.

Seine Frau macht Karriere als Lokalpolitikerin und hat immer wieder Abendtermine mit attraktiven Kollegen, was Eric mit einer Mischung aus Neid und Ohnmacht ignoriert; sein pubertierender Sohn sieht im Vater nur eine Witzfigur.

Eines Tages taucht Eric in der lokalen Schwimmhalle, in der er seinen Frust ab und an in Bahnen pflügt, unter. Und trifft auf dem Beckenboden eine Gruppe mittelalter, um die Hüften etwas weich gewordener Männer, die ihm freundlich zuwinkt. So lernt Eric ein Synchronschwimmerteam kennen, das sich aus Lust am Schwimmen, aus vorsichtigem Eskapismus, und aus Freundschaftsgründen regelmäßig im lokalen Schwimmbad trifft, das Näschen zuklammert und in Formationen wie dem Stern oder dem Rad rotiert.

Erics erwachender Ehrgeiz

Nach obligatorischen Annäherungszweifeln ist Eric, dessen mathematisches Talent sich als wichtiger Aspekt für die wackeligen „Choreos“ erweist, bald Feuer und Flamme. Und während die Männer immer anmutiger und selbstbewusster synchronplantschen, erwacht Erics Ehrgeiz auch in anderen Bereichen seines ermüdeten Lebens.

„Swimming with Men“. Regie: Oliver Parker. Mit Rob Brydon, Adeel Akhtar u. a. Großbritannien 2018, 94 Min.

Synchronisiertes Schwimmen ist in Oliver Parkers Komödie „Swimming with Men“ als Sporttherapie zu verstehen – der Erbsenzähler Eric lernt Achtsamkeit und Vertrauen; für einige der Teammitglieder, die mit inneren wie äußeren Dämonen zu kämpfen haben, wirkt das Wasser ebenfalls wie eine Reinigung. Dabei ist es nicht Parkers vorhersehbarer Witz oder der erwartbare Plot, der die typische Brit-Komödie trotz Schwächen sympathisch machen.

Es ist die liebevolle Inszenierung der ganz normalen Männerkörper, die durch gegenseitige Berührungen, durch gemeinsames Floating und eine ulkig-nasse Nähe in Kontakt mit einer Seite von sich kommen, die verschüttet war: Trotz manch inszenierter Albernheit ernsthaft und ohne zu viele Vorurteile wiederzukäuen, erzählt Parker die Abkehr von klassischen Männerbildern und zeigt zugleich, wie viel Druck auf einen normativ erzogenen Mann wirkt, der keine Schwäche zeigen darf.

Der Synchronschwimmwettbewerb

Dieser tröstliche Effekt wird durch die Rahmenhandlung mit einem Synchronschwimmwettbewerb, bei dem die Briten antreten (und die wunderbare, selbst ausgedachte „welkende Blume“ vorführen), noch verstärkt.

Politisch, denn dass die Olympia-Teilnahme männlicher Synchronschwimmer noch immer verboten ist, und der Sport oft eh als „Wasserballett“ für aufgetakelte Frauen abgetan wird, hängt sich Parker leider kaum aus dem Fenster – seine Geschichte bleibt eine persönliche und verfehlt so, auf einer globalen Ebene Relevanz zu entwickeln.

Aber das Thema scheint in der Luft – oder im Wasser – zu liegen: Zehn Jahre nach dem ersten Synchronschwimmer-Film „Männer im Wasser“ von Måns Herngren thematisieren nun zur selben Zeit gleich zwei Werke den Sport aus Männersicht. Neben Parker feierte der französische Regisseur Gilles Lellouche soeben in einer Nebenreihe des Cannes-Festivals Premiere mit dem harmlosen Feel-good-Film „Le Grand Bain“, in dem acht enttäuschte Männer sich ebenfalls durch Flamingoformationen wiederentdecken.

Lellouche verlässt sich dabei aber mehr als Parker auf eine Komik, die allein durch den Anblick behaarter Männerbeine entstehen soll – und scheitert so an der eigenen Konventionalität. Seit Peter Cattaneos Amateurstripperkomödie „The Full Monty“ sind eben doch zwanzig Jahre vergangen. Und Männerkörper sind nicht per se komisch, nur weil sie nicht zu Models gehören.

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