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Kirchen und AfDAmen und Alerta

Die AfD zeigt sich mittlerweile offen kirchenfeindlich, die Geistlichen selbst reden jetzt Klartext. Besonders der neue deutsche Oberoberhirte.

Die AfD sei nachweislich völkisch, sagt Heiner Wilmer, pinkes Mützchen, pinke Bauchbinde, am Mittwochabend in Berlin – er sagt es ruhig und gelassen, als sei eine solche Deutlichkeit selbstverständlich für den obersten der deutschen Bischöfe. „Für dieses völkische Gedankengut ist weder in noch außerhalb von Gotteshäusern Platz“, sagt Wilmer. Applaus.

In den Katholischen Höfen in Berlin-Mitte fand am Mittwoch der Jahresempfang der katholischen Kirche in Deutschland statt, ein paar hundert Menschen aus Wirtschaft und Politik sind gekommen und die Stimmung ist gedrückt – trotz der Tortellini in Käsesauce und des Weißweins.

Wenige Stunden zuvor, wenige Gehminuten von hier, im Reichstagsgebäude, hatte Alice Weidel über den „Hass gegen Christen“ in Deutschland geschimpft. Nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt aber haben die Vertreter der Christen im Land eher Angst vor dem Hass Alice Weidels und ihrer Partei.

„Wir werden nicht wegsehen, wenn Menschenwürde verletzt und der Rechtsstaat angegriffen wird“, sagt Heiner Wilmer, den die deutschen katholischen Bischöfe erst im Februar zu ihrem Vorsitzenden gewählt haben. Bundesfamilienministerin Karin Prien von der CDU sitzt dabei direkt vor dem Rednerpult, zu ihren Seiten hören Ex-Minister:innen (Gröhe, Hendricks, Paus, Karliczek) dem Oberoberhirten zu, Ex-Parlamentspräsidenten (Lammert, Thierse) und Abgeordnete verschiedener Couleur (Frei, Miersch, Ramelow).

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Eine neue Klarheit

Wenn eine Partei einzelne Religionen angreife, sagt Wilmer und nimmt nicht nur die jüdische Familienministerin, sondern auch die Vertreter des Islams und der Bahai-Religion im Raum in den Blick, „dann stehen wir zusammen“. Wieder Applaus.

Noch am Wahlsonntag hatte sich der katholische Bischof von Sachsen-Anhalts Hauptstadt Magdeburg, Gerhard Feige, gegen die Wahl der AfD ausgesprochen und bei einer Wallfahrt dazu aufgerufen, „dem nationalistischen und fremdenfeindlichen Ungeist zu widerstehen“. Dennoch gaben nahezu 44 Prozent der Wahlberechtigten der rechtsextremen Partei ihre Stimme, sie verpasste nur knapp eine absolute Mehrheit.

Vor der Wahl hatte Oberbischof Wilmer zusammen mit der Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Kirsten Fehrs, sowie dem Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland, Reverend Christopher Easthill, geäußert: Die Sorge der Kirchen gelte vor allem dem Zusammenleben und Miteinander der Menschen in Sachsen-Anhalt. „Sie gilt aber auch der freiheitlich-demokratischen Grundordnung in Sachsen-Anhalt.

Darin lässt sich eine neue Klarheit der Kirchen der AfD gegenüber erkennen. Bislang warnten die christlichen Ver­tre­te­r:in­nen eher abstrakt vor Menschenfeindlichkeit, bis vor zwei Jahren waren AfD-Vertreter:innen auch beim Jahresempfang der katholischen Kirche noch willkommen.

Doch das Wahlprogramm der AfD Sachsen-Anhalt legte in diesem Jahr endgültig offen, dass die Partei kirchenfeindlicher ist als jede zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik. Seit die eigene Organisation selbst in den Fokus der AfD gerät, fällt es den Geistlichen leichter, sich ganz konkret gegen die Partei auszusprechen.

Auch AfDler in den Gemeinden

Das wird in den demokratischen Parteien mit Applaus aufgenommen, nicht nur beim Empfang in den Katholischen Höfen, doch was ist mir jenen Gemeindemitgliedern, die selbst die AfD gewählt haben oder sie in Zukunft wählen wollen?

Anne Gidion trägt einen schwarzen Gehrock und ein großes goldenes Kreuz darüber. Gidion ist die Bevollmächtigte der Evangelischen Kirche bei der Bundesrepublik Deutschland und wechselt gleich nach Heiner Wilmers Rede ein paar Worte mit dem katholischen Kollegen, dann mit der Ministerin und einigen Abgeordneten. Dass es auch AfD-Mitglieder und Wäh­le­r:in­nen der Partei in den katholischen und evangelischen Kirchengemeinden gibt, sei ihr selbstverständlich klar, sagt Gidion der taz bei einem Glas Wein, das bedeute es eben, „Volkskirche“ zu sein.

Auch sie sehe eine neue Klarheit der Kirchen der AfD gegenüber. „Und es braucht diese fundamentale Klarheit“, sagt Gidion. Gleichzeitig müsse man als Kirche in Verbindung bleiben mit den Sym­pa­thi­san­t:in­nen der AfD. Und man müsse die Gemeinden machen zu „Orten für das Ringen um die Wahrheit“.

„Wahrheit“, das war auch das Leitmotiv der Rede Heiner Wilmers kurz zuvor. „Nicht Technik und Wachstum macht frei“, sagte der neue Bischofsvorsitzende mit einem Seitenhieb auf Peter Thiel und Elon Musk, „nicht einmal Mehrheiten machen frei“. Die Wahrheit sei es, die frei mache, zitierte Wilmer das Johannesevangelium. Die Kirche stehe ein für das Evangelium und die Würde jedes Menschen, sagt der Bischof, sein Blick hebt sich, „und ja, da dürfen und müssen wir auch manchmal anecken“.

Dann folgt Musik, von einem Streichensemble, in dem Menschen mit und ohne Behinderung zusammenspielen. Es trägt den Namen Utopia.

Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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48 Kommentare

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  • Alex_der_Wunderer

    Also bei uns in der Firma ist kein offen bekennender AfD Sympathisant mehr beschäftigt. Ich brauche saubere Luft.



    Auch der Vatikan trennt sich ja fix von diesen rechtsextremistischen Unmenschen, passt ja auch absolut nicht mit den Doktrin der Kirchen überein, die insgesamt unhumanistischen Idologien der AfD. Interessant in dem Link nachzulesen ist auch, wie AfD ler sich von NPD-Rechtsanwälten vertreten lassen.



    share.google/bHMWHucwb1TzHyyPh

  • Ricky-13

    „Für dieses völkische Gedankengut ist weder in noch außerhalb von Gotteshäusern Platz“, sagt Bischof Wilmer. Das ist doch schon einmal erfreulich, besonders wenn man sich den taz-Artikel vom 18.09.2023 anschaut.

    ***Kirche beim „Marsch für das Leben“ - Der Bischof marschiert mit Rechten*** taz.de/Kirche-beim...as-Leben/!5958080/

  • Martin Rees

    Vielleicht ist für den Bischof von Münster, Dr Heiner Wilmer, auch ein Ansporn, dass er einer der Nachfolger des "Löwen von Münster" ist, der mit Mut agierte und im Münsterland einen enormen Rückhalt hatte, wie noch die Generation der Großeltern den Boomer*innen auf den Weg gab.



    Der Einsatz gegen Rechtsradikale ist nicht nur Erbe, sondern Auftrag.



    Heutzutage brauchen wir ein neues Netzwerk gegen die Zerstörung unserer Demokratie und Zivilgesellschaft. In Münster ist die AfD übrigens besonders klein, das hat Gründe.



    ms-aktuell.de/unca...en-das-ns-regime/#



    /



    "In Münster und dem Umland erzielt die AfD seit jeher schwache Ergebnisse. Universitätsstadt, wohlhabend, wenig Abstiegsängste - das sind einige Erklärungen. Aber das kann doch nicht alles sein."



    b. tagesschau.de



    Weiter:



    "Stolz"Markus Lewe ist CDU-Politiker und Oberbürgerbürgermeister der Stadt. Er nennt es einen "bürgerschaftlichen Stolz", eine Schnittmenge zwischen einer gewachsenen sozialen Verantwortung, die es schon durch das Stiftungswesen im Mittelalter in der Stadt gibt und alternativen christlichen Gruppierungen aus der Friedensbewegung"

    • Bernardo Januar

      @Martin Rees:

      Jenseits der katholischen Propaganda, war der "Löwe von Münster", Bischof Graf von Galen, ein Nazi-Kollaborateur, der wie alle deutschen Prälaten, Hitler über den grünen Klee lobte.



      -



      "Der Graf, der sich rühmte, «kein Tropfen fremdrassigen Blutes» rinne in den Adern seiner Familie «nachweislich seit mehr als siebenhundert Jahren», legte 1933 als erster deutscher Bischof vor Göring den Treueid auf die neue Regierung ab, sah durch Gott selbst «die höchsten Führer unseres Vaterlandes erleuchtet und gestärkt»



      ...



      Der «Löwe von Münster» versicherte, «die Christen werden ihre Pflicht tun», die deutschen Soldaten «wollen für Deutschland kämpfen und sterben» ... ja, rückte die für Hitler Gefallenen in die Nähe von Märtyrern.



      ...



      Kurz, die «Symbolfigur» des katholischen Widerstandes verstieg sich zu Phrasen, die die Nazis benutzten, um Freiwillige für die SS zu gewinnen! Aber gleich nach dem Ende der hochgelobten Herrlichkeit, 1945, sprach der Bischof, der wohl ein-, zweitausend Geisteskranke vor dem Tod gerettet, doch Millionen andere Deutsche für Hitler in den Tod getrieben hatte, vom «Gift der nationalsozialistischen Irrlehre».

      K. Deschner, "Oben Ohne" (1994) Seite 207ff

      • Martin Rees

        @Bernardo Januar:

        Die Erinnerungen meiner Großeltern waren eher ab 1941 geprägt von einer anderen Wahrnehmung:



        Auszug aus Bischof von Galens Predigt; Regierungskorrespondenz im Zusammenhang mit Galens Rede und Strafanzeige (August 1941), veröffentlicht in: German History in Documents and Images, [05.06.2026].



        ?Vielleicht gibt's auch einen Wandel der Gesinnung und der Rezeption...



        Bei spiegel.de:



        "Bischofsprotest gegen NS-Euthanasie



        Brandpredigt des "Löwen von Münster"



        NS-Größen waren entsetzt, die Alliierten druckten Flugblätter dazu, und Roosevelt bekam eine Mitschrift ins Weiße Haus: Mit einer Predigt gegen Nazi-Gräuel sorgte Bischof Clemens A. von Galen 1941 für Aufsehen."

        • Martin Rees

          @Martin Rees:

          Die Details:



          www.kirche-und-leb..._Galen_Deutsch.pdf

          • Bernardo Januar

            @Martin Rees:

            Unter dem Link wird Bischof Galen kontrafaktisch zum Widerstandskämpfer stilisiert. Das ist typische katholische Propaganda, die seit je die Wirklichkeit so zurechtlügt, wie es gerade passt. Die Beweislast für die Nazi-Kollaboration, des GESAMTEN deutschen Episkopats, ist erdrückend. In Predigten, Hirtenbriefen und Bistumsblättern, wird unisono der Krieg verherrlicht. Alle bliesen ins gleiche Horn und folgten doch nur ihren Vorgesetzen bis zum Kopf des Fisches:



            -



            "Papst Pius XII., der sämtliche Faschisten — Hitler, Mussolini, Franco, Pavelic — entschieden gefördert, der insbesondere auf Nazi-Deutschland gesetzt und 1939 erklärt hatte, daß der Führer das legale Oberhaupt der Deutschen sei und jeder sündige, der ihm den Gehorsam verweigere"



            -



            "Doch als alles vorbei, als alles ausgestanden, nein ausgesessen war, beschimpften sie den vordem Gottgesandten und renommierten mit ihren Märtyrern. Was für ein heuchlerisches Pack!"



            Zitate aus "Oben Ohne", S. 206

            • Martin Rees

              @Bernardo Januar:

              Die Bewertung durch Dr Lettmann war nicht der Punkt, sondern die zig Seiten Predigttexte ab 1936.



              Das Flugblatt der Alliierten hatte ja eine längere Vorgeschichte u. Goebbels Plan, den Bischof ermorden zu lassen, wurde nur vertagt, nicht verworfen.



              "Von Galen, 1878 im katholisch geprägten Oldenburger Münsterland geboren, hatte sich erstmals 1936 im „Oldenburger Kreuzkampf“ gegen die braunen Machthaber positioniert. Seither galt er als Landesverräter und Staatsfeind. In drei weltberühmten Predigten in Münster hatte er dann im Sommer 1941 die Nationalsozialisten angeklagt und dabei die Gestapo namentlich genannt. Die schärfste und und schockierendste Ansprache war die dritte. Von der Kanzel herab gab er bekannt, dass er von der Ermordung und Einäscherung geistig Behinderter an einem abgelegenen Ort des Reiches erfahren und bei der Staatsanwaltschaft Anzeige gegen die Verbrechen erstattet hatte."



              deutschlandfunk.de



              "In der Bischofskonferenz dagegen sah sich von Galen weitgehend isoliert. Der damalige Vorsitzende, Kardinal Adolf Bertram, befand über sein Vorgehen:



              „Der Bischof von Münster ist ein Elefant im Porzellanladen.“



              Das ist der Punkt:



              "Er zeigte, dass Widerstand () möglich war"

              • Bernardo Januar

                @Martin Rees:

                Vor dem Hintergrund der altehrwürdigen Tradition der frommen Lüge und der beeindruckend langen Liste erfundener Märtyrer und Heiliger besitzen kirchliche Veröffentlichungen zur eigenen Vergangenheit nur eine begrenzte historische Glaubwürdigkeit. Aber selbst wenn einzelne Elemente davon zutreffen sollten, bleiben die oben von Deschner gebrachten Zitate des „reinrassigen“ Bischofs – und viele weitere in Oben ohne dokumentierte – bestehen. Diese Äußerungen sind unmissverständlich Ausdruck von Kriegstreiberei und Loyalitätsbekundungen gegenüber dem NS‑Regime.

                Eine nüchterne Feststellung in "Abermals krähte der Hahn", S. 541:

                "Rennomieren die Katholiken doch seit dem deutschen Zusammenbruch mit Hunderten von bischöflichen Beschwerden bei Partei und Regierung, mit der Verhaftung von einigen tausend Geistlichen und sogar Blutzeugen. Kein deutscher Bischof, beiläufig bemerkt, wurde damals Märtyrer oder saß auch nur in einem Konzentrationslager. Dafür waren geringere Geistliche gut genug. Im übrigen aber verschleiert man mit Hilfe der tatsächlich ... "

                Hier das ganze Zitat: taz.de/Der-Vatikan...bb_message_4572871

  • Bernardo Januar

    "Doch das Wahlprogramm der AfD Sachsen-Anhalt legte in diesem Jahr endgültig offen, dass die Partei kirchenfeindlicher ist als jede zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik."



    -



    Na klar, wenn's an die Pfründe geht, werden die Jungs im Episkopat sofort aktiv.



    -



    "Denn stets stand die Kirche auf seiten der Sklavenhalter, der Ausbeuter, die christliche Kirche jeder Konfession: die katholische, die schon in der Antike durch Augustin das Ideal der «arbeitsreichen Armut» pries, die Sklaven mit der Gottgewolltheit ihres Loses tröstete, ihren Herren aber den Nutzen vorstellte, der ihnen aus solcher Beeinflussung der Sklaven erwächst; die Kirche Luthers, der selber sogleich in der pfäffischsten Weise die fürchterlich geschundenen Bauern an die Fürsten verriet, deren Macht dadurch bis ins 20. Jahrhundert stärkend; die Englische Hochkirche, die das entsetzliche Elend der englischen Landund Fabrikarbeiter — in vielem schlimmer als die antike Sklaverei — noch während des ganzen 19. Jahrhunderts völlig kalt gelassen und die eher noch, wie Marx schreibt, «den Angriff auf 38 von ihren 39 Glaubensartikeln als auf 1/39 ihres Geldeinkommens» verziehen hat"

    K.Deschner in "Opus Diaboli" (1987), S.120

    • O.F.

      @Bernardo Januar:

      Nun ist es erst einmal das Recht jedes Vereins, sich gegen Parteien zu positionieren, die an seine Pfründe wollen. Hier greift das allerdings auch zu kurz – denn was diese Haltung zur AfD wird ja nicht nur von Bischöfen geteilt, um deren Pfründe es tatsächlich geht, sondern auch von einem erheblichen Teil der Gläubigen: denen geht es nicht um Geld, sondern – horribile dictu – schlicht und ergreifend um ihre Werte. Freuen Sie sich doch, dass es auch außerhalb der gefühlslinken Kreise gibt, die nicht zur AfD überlaufen, auch wenn Sie deren religiöse Überzeugungen nicht teilen.



      Und ein kleiner Tipp: Deschner ist unterhaltsame Lektüre, aber kein seriöser Historiker, sondern ein Publizist, der sein Werk vor allem durch private Förderer und Buchverkäufe finanziert hat – was erklären mag, warum die reißerische These manchmal wichtiger ist als das historisch adäquate Urteil.

      • Bernardo Januar

        @O.F.:

        Die historischen Werke Deschners, wie die "Kriminalgeschichte des Christentums" oder "Abermals krähte der Hahn", folgen einer klaren, quellengesättigten, nachprüfbaren Arbeitsweise, die alle Kriterien historischer Seriosität erfüllt. Mithin ein Historiker, den man nicht widerlegen, sondern nur diffamieren kann - was die in dieser Sache geübte Catholika ausgiebigst versucht hat, getreu dem alten Motto: Beim Anschwärzen nur nicht schüchtern! Etwas bleibt immer hängen! Die Gegner kritisieren den Ton, weil sie die Fakten nicht kritisieren können (nicht eine einzige der abertausend Quellenangaben könnte widerlegt werden). Wer Deschner die Seriosität abspricht, verrät mehr über seine eigenen Interessen als über Deschner.

        Wer "Abermals krähte der Hahn" als polemisch abtut, hat es nicht gelesen. Das Buch ist eine historisch exakte Demontage kirchlicher Selbstmythologie, und genau deshalb wurde Deschner diskreditiert – nicht weil er ungenau war, sondern weil er zu genau war.

        Deschner ist ein Vorbild im Kampf für Wahrheit und Menschenwürde gegen einen übermächtigen Gegner.

        • O.F.

          @Bernardo Januar:

          Wer Deschner die Seriosität abspricht, verteidigt vor allem Mindeststandards historischen Arbeitens. Seine Kritiker waren ja keineswegs allesamt kirchennah, sondern zu einem erheblichen Teil Historiker, die an seiner Arbeitsweise Anstoß nehmen – und das aus guten Gründen: Deschner geht extrem selektiv mit Quellen um und interpretiert diese ohne Gespür für historische Kontexte. Ohnehin sei es dahingestellt, ob einem Historiker die Rolle des Anklägers ansteht: das Ziel historischer Forschung ist es, Geschichte aus ihrer eigenen Logik heraus zu verstehen, nicht über sie zu Gericht zu sitzen. Dass Deschner in den Geschichtswissenschaften schlichtweg keine Rolle spielt, ist doch ein Indikator. Ob man in der Kirchenkritik heute noch einen Kampf um Menschenwürde sehen will, sei dahingestellt (mir macht Musk mehr Sorgen als der Papst), aber in diesem Fall ist die Kritik deplatziert: der Mann hat sich von der AfD und anderen voelkischen Ideologen distanziert. Damit kann ich zumindest leben.

          • Bernardo Januar

            @O.F.:

            Auf die Frage nach der Vereinbarkeit von Menschenwürde und Religion, wie sie z.B. der alleinseligmachende Katholizismus vorstellt, gibt es eine glasklare Antwort: Sie ist es nicht! Und zwar, weil Dogma und individuelle Autonomie im logischen Widerspruch stehen. Wo Dogmen gelten bzw. Macht haben, ist es um Autonomie und Selbstbestimmung schlecht bestellt. Deshalb stand der linke Befreiungsgedanke stets in Fundamentalopposition zu den Religionen. Das "Opium des Volkes" ist keine Floskel, sondern strukturelle Diagnose. Glaubt hier wirklich jemand, die Päpste seien nach dem Weltkrieg fromm geworden? Linke wo bist du?

            • O.F.

              @Bernardo Januar:

              Das ist historisch schlicht und ergreifend falsch: Menschenwürde hat als philosophisches Konzept Wurzeln teilweise in der christlichen Theologie und auch zu ihren praktischen Verteidigern haben immer wieder religiöse Menschen gehört (Martin Luther King, anyone?). Das die Linke stets in Fundamentalopposition zur Religion stand, ist ebenfalls nicht richtig: es gab zu allen Zeiten religiöse Linke – von den Fruehsozialisten bis zur Befreiungstheologie. Marx hat an der Religion im übrigen nicht das Dogma, sondern die Jenseitigkeit kritisiert (natürlich – seine Geschichtsphilosophie hat die Heilsgeschichte ja säkularisiert – erwischt!).

              • Bernardo Januar

                @O.F.:

                Dass Menschenwürde in christlicher Tradition wurzele, ist ein Running-Gag, unter Klerikern und Theologen, und natürlich lachhaft, weil Menschenwürde älter als Christus und jedweder religiöse Hokuspokus ist, oder sagen wir: älter als die Erfindung Gottes. Menschenwürde ist ein Begriff für die anthropologische Konstante, die im Streben des Individuums nach Autonomie und Selbstbestimmung liegt. Diese Freiheit zu ermöglichen, ist die originäre Aufgabe der Menschenrechte.







                Ja, es gibt religiöse Linke aber das heißt nicht dass es kein Widerspruch ist. "Links" als Label für Aufklärung und Befreiung aus der Unmündigkeit, steht aber ganz klar gegen Religion oder genauer gegen dogmatische Denkverbote. Das lässt sich logisch nicht zusammenbringen. Man könnte es so sagen: Ein Religiöser, der von Hause aus kognitive Dissonanzen (die Dogmen naturgemäß erzeugen) gewöhnt ist, kann "links werden" und mit dem Emanzipationsgedanken liebäugeln, aber ein rational denkender Mensch kann niemals religiös werden. Oder wie es Deschner wieder mal so schön gesagt hat: "Wenn ein Christ wirklich kritisch ist, ist er kein Christ mehr."

          • Martin Rees

            @O.F.:

            "mir macht Musk mehr Sorgen als der Papst"



            Der Papst ist doch eine Zentralfigur im Kampf gegen Musk:



            www.welt.de/wirtsc...infach-absurd.html

          • Bernardo Januar

            @O.F.:

            Ihr Einwand wiederholt im Grunde nur die alte, längst ermüdende Diffamierungskampagne gegen Deschner – gähn. Diese Vorwürfe wurden über Jahrzehnte erhoben, ohne dass auch nur eine seiner abertausend Quellenangaben widerlegt werden konnte. „Selektivität“ und „Kontextlosigkeit“ gehören zu diesem bekannten Muster: Wenn man die Fakten nicht angreifen kann, kritisiert man den Ton.







            Bezeichnend sind die Fürsprecher: Jan Philipp Reemtsma, Hans Albert, einer der wichtigsten Vertreter des Kritischen Rationalismus, sowie der Philosoph Wolfgang Stegmüller, der Deschner als "den bedeutendsten Kirchenkritiker dieses Jahrhunderts" bezeichnet hat. Auch unter Theologen finden sich positive Rezensionen – ein Blick in den Wikipedia‑Artikel genügt.







            Und noch etwas: Der Feind meines Feindes ist nicht automatisch mein Freund. Wer so argumentiert, dürfte sich kaum scheuen, zum Mittel der Diffamierung zu greifen, um seine Ziele zu erreichen.

            • O.F.

              @Bernardo Januar:

              Ich habe nicht seinen Ton kritisiert, sondern seine Methodik (das ist etwas anderes!), die im Grunde einen Rückfall hinter Herder darstellt. Dass meine Einwände keineswegs neu sind, entwertet sie nicht, im Gegenteil: Wenn man immer weder auf denselben Fehler aufmerksam gemacht wird, wäre es an der Zeit sich zu fragen, ob man wirklich etwas falsch macht, statt sich einzureden, das alle anderen dumm sind. Übrigens habe ich auch nirgendwo geschrieben, dass der Feind meines Feindes mein Freund wäre, sondern lediglich, dass ich im Moment größere Sorgen als den Vatikan habe. Ein minimaler Wille, andere Foristen auch zu verstehen, hilft in Diskussionen ungemein.

              • Bernardo Januar

                @O.F.:

                Die von ihnen vorgebrachten Einwände — „kein seriöser Historiker“, „reißerisch“, „ohne Gespür für historische Kontexte“, „Rückfall hinter Herder“ — sind keine Argumente, sondern unbelegte Werturteile. Sie ersetzen Begründung durch Etikettierung und bleiben vollständig ohne Nachweis.

                Wer Deschner kritisieren möchte, muss konkret werden: Welche Quellenarbeit soll mangelhaft sein? Welche historischen Kontexte wurden angeblich verfehlt? Welche methodischen Standards wurden verletzt? Ohne solche Angaben handelt es sich nicht um Kritik, sondern um rhetorische Abwertungsmarker, die lediglich Seriosität simulieren.

                Solange keine Beispiele genannt werden, bleibt diese „Kritik“ eine methodische Leerformel: Sie behauptet viel, zeigt nichts und vermeidet jede Auseinandersetzung mit dem eigentlichen Argument.

              • Martin Rees

                @O.F.:

                Anschlussfähig formuliert 👍🏻

  • Joachim Petrick

    Schon nach 9/11 verabschiedete Rot-Grün erste Sicherheitspakete auf dem Weg zum permanenten Ernstfall:



    Das Religionsprivileg fiel, auch Kirchen Vereine können verboten werden. Die Kirchen schwiegen damals im Geist „uneingeschränkter Solidarität“. Heute drohen sie mit Aufstieg der AfD in Ostdeutschland selbst zum Opfer einer Neurechten Corporate Identity zu werden. Die AfD nutzt die Erregungsökonomie – wie Ulrich Siegmund, der mit der Forderung nach Abschaffung der Schulpflicht Aufklärungsstandards attackiert, um Tumult-Schlagzeilen zu erzeugen. Hinter dem Raunen steht das MAGA-Konzept von Vance und Musk: der Abbau des Staates und die Privatisierung des Sozialraums. Die AfD will Staatsleistungen von 660 Millionen €/anno kappen evtl. für US-evangelikale Kapitalgesellschaften öffnen, die über das Subsidiaritätsprinzip Staatsgelder abschöpfen, Geld, Erbschaften einsammeln. Wenn Deutsche Bischofskonferenz nun AfD zur Treue zur FDGO mahnt, macht sie sich unglaubwürdig. Als privilegierte „Tendenzbetriebe“ verweigern Bistümer Transparenz bei Vermögensbilanzen und nutzen eine klerikale Paralleljustiz. Wer Demokratie laut einfordert, muss selbst vollständig in ihr ankommen. Nämlich Sofort !

    • Moon

      @Joachim Petrick:

      Parteien u. Trennung von Kirche u. Staat:



      Ich treffe eine Unterscheidung zweier Sachverhalte. Einer betrifft die Frage nach der Verfassungstreue einer Partei. Der andere die Frage nach der verfassungskonformen Konstitution der Kirchen als Körperschaften des öffentlichen Rechts. Das letztere lässt bestimmte Sonderregelungen für die Kirchen zu, gilt als mit dem GG im Einklang u. unterliegt zuletzt der staatl. Rechtsprechung. Ob diese Regeln tatsächlich eine Trennung von Kirche u. Staat gewährleisten, kann natürlich sowohl grundsätzlich als auch mit Blick auf ihre möglichen gegenläufigen Folgen hinsichtlich einer evtl. als illegitim zu wertenden Einflussnahme und Machtausübung der Kirchen in der Gesellschaft diskutiert werden. Ein Hinterfragen dieser Regeln begründet insofern m. N. n. aber nicht ein in Frage stellen legitimer Kritik der Kirchen an der begründet ganz zweifelhaften pol. Haltung einer Partei gegenüber dem GG. Auch da nicht, wo für die Kirchen ein Eigeninteresse hinsichtlich ihrer subsidiären Rolle gegenüber dem Staat „im sozialen Raum“ hineinspielt. Die Frage der Privatisierung sozialer Infrastruktur in kirchlicher Trägerschaft bleibt eine sachlich andere.

  • DerBlondeHans

    Seit wann so kirchenfreundlich, taz?

    • Nachtsonne

      @DerBlondeHans:

      Der Gegner meines Gegners ist mein Freund, solange es nützlich erscheint.

  • Il_Leopardo

    Der Bischof trägt kein Mützchen, sondern ein Pileolus und nicht in der Farbe pink, sondern violett.



    Ansonsten finde ich es toll, dass sich die Kirchen so deutlich gegen den „nationalistischen und fremdenfeindlichen Ungeist" stellen.

    Hut oder Pileolus ab!

    • Martin Rees

      @Il_Leopardo:

      Chapeau 🎩❗

  • Petzi Worpelt

    In der guten alten Zeit war man als Linker kirchenfeindlich. Man fand es Religion eh verlorgen, Die Institution fürchterlich und den ganzen Rest scheinheilig. Komplett war man auch gegen die Verstrickung von Kirche und Staat.



    Inzwischen findet man als Linker die Kirche klasse und huldigt der SPD und den Grünen, wenn die in der Regierung sind. Ich versteh die Welt nicht mehr.

    • Nachtsonne

      @Petzi Worpelt:

      Die Symbiose zwischen evangelischer Kirche und den Grünen ist in der Tat bemerkenswert und für nicht wenige abschreckend. Die kath. Kirche mag Linke jenseits der SPD aus guten Gründen unverändert nicht - allerdings Nazis noch weniger.

    • Bernardo Januar

      @Petzi Worpelt:

      Ja, gell, das ist aberwitzig – als ob man nicht schon immer sehr, sehr gute Gründe gehabt hätte, gerade die katholische Kirche als das genaue Gegenteil von links zu sehen.

      • Martin Rees

        @Bernardo Januar:

        Das ist eine reine Perspektivfrage:



        www.herder.de/comm...hann-baptist-metz/

        • Bernardo Januar

          @Martin Rees:

          Gute Gründe sind keine Perspektivfrage.

          Zu dem unter ihrem Link gefeierten T. v. Aquin schrieb Bertrand Russell in "Philosophie des Abendlandes" (1950):

          "Von echtem Philosophengeist findet sich bei Thomas von Aquino wenig. Im Gegensatz zu dem platonischen Sokrates verfolgt er einen Gedanken nicht ohne Rücksicht darauf, wohin ihn die Argumentierung führen mag. Auf Untersuchungen, deren Ergebnisse im voraus unmöglich bekannt sein können, läßt er sich nicht ein. Bevor er zu philosophieren beginnt, kennt er bereits die Wahrheit; sie ist im katholischen Glauben geoffenbart. Wenn er einleuchtende rationale Beweise für manche Glaubensbestandteile erbringen kann, um so besser; andernfalls braucht er nur auf die Offenbarung zurückzugreifen. Die Suche nach Beweisen für einen bereits gegebenen Schluß kann man aber nicht als Philosophie bezeichnen, sondern nur als eine besonders geartete Verteidigung. Für mein Empfinden verdient er daher nicht, den besten griechischen oder modernen Philosophen gleichgestellt zu werden."

          • O.F.

            @Bernardo Januar:

            Erstaunlicherweise wird Thomas von Aquin (genau wie andere mittelalterliche Denker) aber weiterhin an Philosophie-Instituten rund um die Welt studiert. Möglichweise lag also Russell, der sich nur oberflächlich mit Thomas beschäftigt hat und ohnehin zu ahistorischen Urteilen neigt, einfach falsch? Wenn ich Ihnen einen Lektüre-Tipp geben darf: Lesen Sie doch einmal Eco's Laudatio des Heiligen Thomas. Eco gelingt es den (für das 13. Jahrhundert) radikal modernen Thomas zu würdigen und sich zugleich von seinem Denken zu distanzieren (er behauptet, Thomas hätte ihn durch ein Wunder von Glauben geheilt). Darin äußerst sich ein historisches Urteilsvermögen, das Russell fehlt.

            • Bernardo Januar

              @O.F.:

              Sie präsentieren drei steile Behauptungen ohne jeden Beleg: Russell habe sich „nur oberflächlich“ mit Thomas beschäftigt, er „neige zu ahistorischen Urteilen“ und ihm fehle „historisches Urteilsvermögen“. Das sind keine Argumente, sondern Abwertungen.







              Russells Kritik hingegen ist klar und methodisch: Er zeigt, dass Thomas von Aquin nicht ergebnisoffen philosophiert, sondern ein dogmatisch vorgegebenes Resultat rationalisiert. Die Frage, ob das im 13. Jahrhundert „modern“ war, ist sekundär – entscheidend ist, dass es keine Philosophie im modernen Sinn ist.







              Aus der Perspektive des 21. Jahrhunderts ist das Werk von Thomas von Aquin philosophisch überholt und primär historisch interessant. Seine Argumentationsweise, sein Erkenntnismodell und seine Dogmenbindung gehören einer vormodernen Rationalität an, die heute nicht mehr als philosophisch produktiv gilt, sondern als historisches Dokument (und dennoch der Catholika als Gipfel der Gelehrsamkeit und als Quelle innerer Wahrheit gilt)







              Und wenn der Doctor Angelicus Umberto Eco „vom Glauben geheilt“ hat, dann spricht das nicht wirklich für Thomas von Aquin – dessen erklärtes Ziel war schließlich das Gegenteil.

          • Martin Rees

            @Bernardo Januar:

            Als in Münster geborenen u. ab den sechziger Jahren dort sozialisierten Menschen ging u. geht es mir um die bekannten oder zugänglichen zeitgenössischen Protagonisten (Metz) und nicht die "Alten Kirchenväter":



            www.gbv.de/dms/spk.../toc/024875325.pdf



            /



            Leonardo Boff:



            "Nicht immer war das Verhältnis zu Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt, derart schlecht. Sie kannten sich mehr als 45 Jahre, seit Boff während seiner Studienzeit in Deutschland Ratzingers Vorlesungen besuchte und der deutsche Theologe Zweit-Gutachter der Promotion des Brasilianers war.



            Später jedoch zitierte Ratzinger seinen alten Weggefährten mehrfach nach Rom, warf ihm Nähe zum Marxismus vor. 1985 wird Boff mit einem einjährigen Lehrverbot („Bußschweigen“) belegt. Als er sich 1991 in mehreren Artikeln kritisch mit dem Zölibat sowie der Hierarchie und der Machtausübung der katholischen Kirche auseinandersetzt, wird er zum fünften Mal gemaßregelt und bekommt eine Disziplinarstrafe auferlegt.



            Als Konsequenz aus dem zermürbenden Kampf tritt Boff 1992 aus dem Franziskanerorden aus und lässt sich in den Laienstand versetzen. Er habe die Schützengräben gewechselt, aber nicht die Schlacht"



            evangelische-zeitung.de

            • Bernardo Januar

              @Martin Rees:

              Und was zeigt uns das anderes, als dass der bedauernswerte Herr Boff trotz aller intellektuellen Tapferkeit nie wirklich aus dem dogmatischen Gefängnis der eigenen Tradition ausbrechen konnte? Er hat die Schützengräben gewechselt, aber nicht den Horizont.

              • Bernardo Januar

                @Bernardo Januar:

                @Martin Rees:



                Vielen Dank jedenfalls für den Link – ein sehr schönes Beispiel für stilvoll überladenes, semantisch hypertrophes Theologen‑Barock:

                Der Hinweis auf «die Wahrheit, dass der ‹Geist› des Christentums bleibend eingestiftet ist in das ‹Fleisch› der Weltgeschichte und in deren irreversiblem Gang sich durchsetzen und bewähren muss», steht aber vor allem auch quer zu Hans Blumenbergs prominenter Gegenthese, die frühe Neuzeit habe sich in einem Akt humaner Selbstbehauptung vom theologischen Absolutismus des Spätmittelalters emanzipieren müssen. Blumenberg behauptet zwischen Spätmittelalter und Neuzeit eine epochale Zäsur. Anders als Metz, der mit der epochenübergreifenden Logik der Freisetzung eine Kontinuität unterstellt, geht Blumenberg von einer Diskontinuität aus. Er unterstreicht die Abwendung vom Willkürgott des späten Nominalismus und die fällige Emanzipation des neuzeitlichen Menschen von religiösen Vorgaben. Die Kategorie der Säkularisierung lehnt Blumenberg zur Deutung der Genese der Neuzeit ab, da ihr, vom juristischen Hintergrund her, die Semantik ...

  • Moon

    Versteht man in der AfD eigtl.was Christentum ist? In der AfD darf Christentum nur volksgläubige Tradition sein. Von der eine irgendwie selig machende Wirkung auszugehen scheint, deren Reichweite über die einer Wiesenfestseligkeit hinaus reicht. Politisch umgedeutet als gut benutzbarer Kleister des gesellschaftlichen Zusammenhalts, weil es dann vordergründig wieder ums Volk im Sinne der Partei gehen kann. Mehr lässt die der AfD eigene Vorstellung vom Völkischen auch gar nicht zu. Denn die bleibt fixiert auf die tausendjährige Grablege des Kaisers im „Dom zu…“. Auf sowas allein kommt es an. Gerade noch, dass man formell weiß, wo man sich befindet, ist man doch unfähig, eine Vorstellung über diese Fixierung hinaus zu entwickeln. Deshalb ist es für die AfD irritierend, wenn diese „guten Christen“ nicht in ihrem „Kirchlein im Dorf“ bleiben sondern öffentlich sind. Da kann die AfD gar nicht anders, als Kirche nur als eine vom verrotteten Staat subventionierte NGO verstehen zu wollen, nicht als eine Stimme im Pluralismus der Demokratie. Weil für die AfD Pluralismus nicht sein darf u. deshalb die Kirche samt Christentum Folklore im gesellschaftlichen Dorf sein muss.

    • Nachtsonne

      @Moon:

      "Versteht man in der AfD eigtl.was Christentum ist? ". Nein, warum auch, die neue "Religion" bekämpft die alte



      Das gilt für rechtsaußen so wie für linksaußen.

  • Brückentechnik1058

    Die katholische Kirche hat sich eindeutig und klar gegen das Böse (völkisches Gedankengut, Verletzung der Menschenwürde) gestellt, auf die Seite des Friedens und der Magnifica Humanitas. Sie benennt das Böse und leugnet seine Existenz nicht. Die evangelische Kirche ist ambivalent und immer noch der Meinung, man müsse doch mit dem Feind, (der AgD und ihren Wählern und Wählerinnen) reden. Der Feind will aber nicht reden, sondern Hass säen, zerstören und sich an Schwächeren abreagieren. Das geht mit der Nachfolge Christi, zu der alle Christen aufgerufen sind, wohl kaum zusammen.

  • Axel Schäfer

    Vielleicht mal "katholisch" bei Oberoberhirte ergänzen, nicht jeder kennt die Herrschaften alle persönlich.

  • David Lejdar

    Meiner Ansicht nach hat "Wahrheit" viel mit universeller Logik zu tun. Und wenn eine "Unlogik" vorherrscht, da kann nicht logisches bei rauskommen. Im Beispiel Behauptung, dass Kriminalität kulturell bedingt ist (und deswegen alle anderer Kultur weg) - da bleiben dann Typen wie Mengele übrig, mit deutscher Kultur. Und da zu sagen, dass es deswegen gilt, alle deutschen Männer zu entsorgen - im Rahmen der Unlogik hat es seine Logik, aber universell eben nicht logisch.

    Ähnlich auch in anderen Kontexten, wenn auch nicht so krass. Z.B. Behauptung, dass mit Vergesellschaftung das Leben für alle gut wird - was meiner Ansicht nach eher aus der Luft gegriffen (mit Wunschdenken), statt es "mathematisch" zu belegen. Oder Behauptung, dass wenn 500 Milliarden Euro ausgegeben, dass damit Krieg schon gewonnen. Und so weiter, wo man auf solche Art eben zu keinem schlüssigem Ergebnis kommt, und mit Rumzanken keine ordentliche bzw. bodenständige Politik geschaffen.

  • Lich Biso

    Der deutsche Staat zahlt den großen christlichen Kirchen jährlich rund 600 bis 660 Millionen Euro an sogenannten Staatsleistungen. Diese Zahlungen stammen direkt aus den Haushalten der Bundesländer (außer Bremen und Hamburg). Sie fließen völlig unabhängig von der Kirchensteuer und werden von allen Steuerzahlern gemeinsam finanziert. Es sind Wiedergutmachungen aus Enteignung aus der Napoleonzeit (!).



    Obwohl bereits in der Weimarer Reichsverfassung von 1919 (und später im Grundgesetz) festgelegt wurde, dass diese Zahlungen durch eine einmalige Entschädigungssumme beendet ("abgelöst") werden sollen, ist dies bis heute nicht geschehen.



    Welcher Partei ist wohl am ehesten zuzutrauen, dieses Thema zum Abschluss zu bringen? Wenn man sich diese Frage beantwortet, wird klar warum die Kirchen so stark gegen die AfD wettern. Politik ist so einfach, wenn man einige Hintergründe kennt.

    • Brückentechnik1058

      @Lich Biso:

      Die Hintergründe sollte man kennen, da gebe ich Ihnen recht. Deshalb hier zum Nachlesen, warum das bisher nicht geschehen ist, obwohl die Kirchen verhandlungsbereit sind, und auch die Partei, die Sie in dieser Angelegenheit, und vielleicht nicht nur in dieser, für am fähigsten halten es nicht zum Abschluss führen wird, sondern wie immer allen das Blaue vom Himmel verspricht: www.deutschlandfun...g-politik-100.html

  • Don Geraldo

    Die katholische Kirche hat nur einen Oberhirten oder meinetwegen Oberoberhirten, aber der ist in Rom.



    Natürlich gibt es noch den Primas Germaniae , aber auch damit hat dieser Herr Wilmer nichts zu tun.



    Der Primas Germaniae sitzt nämlich in Salzburg.

  • Thomas O´Connolly

    Ich war ja früher nie ein Freund der Kirche, aber die Kirche hat in den letzten 10 Jahren mit die besten Stellungnahmen veröffentlicht und die Dinge gut eingeordnet.



    Mit seiner Enzyklika „Magnifica Humanitas“ hat Papst Leo XIV. den besten politischen Text zu den Fragen unserer Zeit verfasst. Ein absolutes Meisterwerk!

    Ehrlich gesagt hat die Kirche nicht nur mehr getan als man von ihr erwarten würde, sie ist zu einem wichtigen Pfeiler des Widerstands gegen die Reaktion geworden.

    Wenn ihr es noch nicht getan habt, lest unbedingt die Enzyklia.



    Alle Atheist*innen die ich kenne waren inhaltlich hin und weg. Selbst die "Hexen" und Typen mit den Baphomet-Shirts.



    Das will schon was heißen.

  • Gerald Müller

    Erinnert mich an Bayern, früher, als die Priester der katholischen Kirche Wahlempfgehlungen für die CSU bzw gegen SPD ausgesprochen haben. Heute mit umgekehrtem Vorzeichen, und natürlich wie damals auch für das Beste für das Land. Kein Wunder dass die Leute der KK und auch der Ev. Kirche in Scharen davonlaufen.

    • Bernardo Januar

      @Gerald Müller:

      Wie immer durch all die Jahrhunderte: vor jeder Form von Macht auf dem Bauch.