Kolumne von Andreas Rüttenauer

Macht sich nicht gut mit zu vielen Weißwürsten auf den Hüften: der Reifen. Bild: dpa
Es war die schlimmste Wettpleite seines Lebens. Der Berger-Sepp war sich sicher gewesen, dass er in der Lage ist, einen halben Meter Weißwürste zu essen. Das können ja nicht viel mehr sein als fünf Stück. Die 50 Euro, um die er gegen den Ascher-Peter gewettet hatte, haben ihm nicht wehgetan, aber es wird ihm immer noch schlecht, wenn er an die 16 Weißwürste denkt, die ihm am Wettessvormittag fein säuberlich aneinandergelegt auf einem riesigen Teller serviert worden waren.
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Nach der 13. Wurst konnte er nicht mehr. Abbruchniederlage durch Brechen. Er hatte die Regeln fürs Meteressen, die der Wirt vom Alten Wirt vor Jahrzehnten festgelegt hatte, nicht genau studiert. Aber so schlecht vorbereitet wollte er nie mehr in einen Wettkampf gehen, das hat sich der Berger-Sepp fest vorgenommen – und sich ein neues Ziel gesetzt.
Seit vier Wochen trainiert er nun schon. Eigentlich sollte niemand etwas davon erfahren, doch dann hat ihn der Ascher-Peter gesehen, als er einmal unangekündigt vorbeigekommen ist, um den Zapfhahn abzuholen, den er sich vom Sepp für ein Gartenfest ausleihen wollte. Schwul oder was, hat der Ascher-Peter gleich gesagt, als er den Berger-Sepp mit einem Hula-Hoop-Reifen im Garten üben hat sehen.

Andreas Rüttenauer
ist taz-Sportredakteur. Er berichtet während der Olympischen Spiele aus London.
Foto: tazJa und, hat der geantwortet. Aber was der Berger-Sepp für schwule Sachen macht, wusste schon am selben Abend jeder im Alten Wirt. Reifen, das war nun wirklich Weibersache. Der Stuber-Peter hat zwar gehört, dass es bei den Japanern auch Männer gibt, die Rhythmische Sportgymnastik machen, was aber irgendwie wie eine Kampfsportart ist. In den USA soll es auch Gymnasten geben, aber das seien lauter Schwule.
Seit diesem Abend galt der Berger-Sepp als schwul, worüber zwar alle gelacht haben, was aber keinen wirklich gestört hat. Den Sepp selber auch nicht. Seit der im Fernsehen einen Bericht über den Ami Aaron Hibbs gesehen hat, der 75 Stunden einen Reifen um seine Hüften hat kreisen lassen und damit einen neuen Weltrekord markiert hat, trainiert er.
Nach den Regeln! Der Reifen darf nicht über Schulterhöhe kommen und nur 30 Sekunden unter Hüftniveau kreisen. So etwas wie mit den Weißwürsten sollte ihm nie mehr passieren. Jeder solle sich im Leben etwas ganz Spezielles vornehmen, hatte dieser Hibbs im Fernsehen gesagt. Der Sepp hatte sich gedacht, dass das ja nur ein bisschen mehr als drei Tage sind, und hat sich einen Reifen gekauft. Zehnmal kann er ihn schon kreisen lassen.
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