Kolumne von Andreas Rüttenauer

Gilt als eines der größten Talente im deutschen Basketball: Elias Harris. Bild: dpa
Spokane ist kein Kaff. Läge er in Deutschland, dürfte sich der Ort mit seinen gut 200.000 Einwohnern sogar Großstadt nennen und die meisten Deutschen wüssten etwas mit seinem Namen anzufangen. In den USA ist das anders. Da kannte lange kaum einer die Gemeinde im Westen des Bundesstaats Washington.
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Weil aber die Basketballer der in Spokane beheimateten katholischen Gonzaga University, die Gonzaga Bulldogs, seit 1999 immer dabei sind, wenn die Meisterschaft im College-Basketball ausgespielt wird, hat sich der Ort in den Staaten einen Namen gemacht.
Denn kaum einer, der sich in den USA für Sport interessiert, versäumt es, die alljährlich im März stattfindende Finalrunde der Uni-Mannschaften zu verfolgen. Die Amis sind in diesem Monat verrückt nach Amateur-Basketball. Es ist die Zeit der March Madness.
Einer der Zags, wie die Basketballer aus Spokane genannt werden, kennt das nun schon ganz gut. Elias Harris ist zum dritten Mal dabei, wenn es ernst wird im Kampf um den nationalen Titel. Der junge Mann, der im Juli 1989 in Speyer geboren wurde, gilt als eines der großen Talente des deutschen Basketballs. Viele sahen in ihm schon nach seiner ersten Saison in den Staaten den nächsten NBA-Star aus Deutschland.

ANDREAS RÜTTENAUER
ist Redakteur im Sportressort der taz.
Foto: tazDa war er der überragende Spieler seines Teams, machte pro Partie im Schnitt 14,9 Punkte. Nachdem er in einer Partie gegen die Saint Mary’s Gaels 31 Punkte erzielt hatte, wurden wahre Hymnen auf ihn verfasst. Es wurde fest damit gerechnet, dass er in der ersten Runde des NBA-Drafts von einem der Profiklubs geholt werden würde. Doch für Harris kam das noch zu früh.
Er wollte noch mindestens ein weiteres Jahr an einer Uni spielen. Er wusste, dass er mit seinen 2,01 Metern Körpergröße für seine Position, die des Power Forward, für NBA-Verhältnisse arg klein ist. Und so feilte er an seiner ohnehin schon beeindruckenden Athletik– und verkrampfte derart, dass ihm seine zweite College-Saison missriet. Von einer großen NBA-Karriere sprach keiner mehr.
In dieser Saison, das wusste Harris, würde sich entscheiden, wohin sein Weg gehen würde. „Mein Hauptziel bleibt ohne Wenn und Aber die NBA“, sagte er, als im November bereits klar war, dass er zurückgefunden hatte zu alter Stärke. Im Schatten eines spektakulären Neulings im Team konnte er zeigen, wie sehr er sich vor allem beim Rebound verbessert hat.
Während die Zeitungen vor allem über Kevin Pangos schreiben, der mit einer 40-Prozent-Quote von jenseits der Dreierlinie glänzte, schwärmen die Experten von Harris’ Konstanz. 13,1 Punkte machte er und holte im Schnitt 8,7 Rebounds. Am Donnerstag nun treffen die am Nummer sieben gesetzten Zags in der zweiten Runde des Finalturniers auf die West Virginia Mountaineers.
Sorgen bereitet Harris und seinem Trainer weniger der Gegner als die Anreise. Das Spiel findet 3.500 Kilometer von Spokane entfernt in Pittsburgh statt. Die Moutnaineers haben es nicht so weit. Sie müssen nur etwa 120 Kilometer fahren und werden jede Menge Fans mitbringen. Harris bleibt gelassen: „Es wird ein Auswärtsspiel, aber die Fans dürfen ja nicht aufs Feld.“
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Leserkommentare
14.03.2012 22:02 | Chastonie Chipman
Ich bin auch eine Deutsche die zur Gonzaga University geht und wir alle sind sehr stolz auf Elias Harris und all die andere ...
14.03.2012 00:16 | Slobo
Habe mich schon gefragt, was Harris mittlerweile eigentlich macht...danke für den aufschlussreichen Artikel :)