Kolumne von Markus Völker

Rickie Fowler beim Putten. Bild: dpa
Der Sonntagsanzug von Rickie Fowler ist nicht schwarz oder grau. Er ist quietschorange. Damit sieht der Profigolfer, der – Achtung Kalauer! – nicht auf dem Jupiter, sondern in Jupiter (Florida) wohnt, aus wie ein hipper Müllmann der Berliner Abfallbeseitigung. Am vierten Tag eines Golfturniers, für gewöhnlich ein Sonntag, pflegt Fowler, 23, seine orangefarbenen Klamotten rauszukramen und „angezogen wie ein Warndreieck“ (Welt am Sonntag) auf die Grüns zu gehen.
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Bei der auffälligen Kostümierung geht es Fowler nicht nur darum aufzufallen, sondern auch an sein College, die Oklahoma State University, zu erinnern. Dessen Farben sind Orange, Schwarz und Weiß. Im Fowler’schen Sonntagsstaat hat er am Wochenende sein erstes großes Golfturnier gewonnen, eines aus der PGA-Serie in Charlotte (North Carolina). Es wurde auch Zeit.
Einerseits wurde der Druck auf den jungen Hochbegabten des Golfsports von Turnier zu Turnier größer, andererseits haben zwei seiner Kumpels von den Golf Boys in diesem Jahr bereits mit Turniersiegen vorgelegt. Das Quartett der Golf Boys besteht neben Fowler aus Hunter Mahan 29, Ben Crane, 36, und Bubba Watson, 34. Watson hat kürzlich die Masters in Augusta gewonnen; er sah dabei auch sehr merkwürdig aus.
Bubba, der eigentlich Gerry Lester Watson junior heißt, spielte ganz in Weiß und hätte auch als Zahnarzthelfer durchgehen können. Die Golf Boys putten nicht nur, einmal haben sie sich auch als Sänger versucht. Ihren Song („Oh, oh, oh“) schauten sich auf YouTube über 4,7 Millionen Leute an. Pro 100.000 Views spendet eine Versicherung 1.000 Dollar für wohltätige Zwecke.

MARKUS VÖLKER
ist Redakteur im Sportressort der taz.
Foto: tazEs verwundert nicht, dass die vier Möchtegern-Sänger in dem Video-Clip sehr skurril gekleidet sind: Watson trägt eine blaue Latzhose im Look eines Südstaaten-Farmers und sonst nichts. Mahan gibt den Hippie, Crane trägt zum roten Wet-Suit einen schwarzen Motorradhelm. Nur Fowler scheint sich nicht verkleidet zu haben, mit Lederjacke und Hütchen würde er in keiner Großstadt auffallen.
Das Quartett singt davon, dass jeder abschlagen könne wie ein „Boomerang-outang“, also tierisch stark, was vor allem für Watson zutrifft, der die Bälle regelmäßig am weitesten wegdrischt. Die Produktion des Videos war selbstverständlich nichts anderes als eine PR-Aktion in eigener Sache.
Da der Großmeister des Golfs, Tiger Woods, nach seiner Affäre nicht mehr die Szene dominiert, gilt es eine Lücke zu füllen. Fowler und Co. wollen zu gern in die Bresche springen. Ein anderer junger Golfprofi, Rory McIlroy, 23, kommt dafür auch in Frage. Aber der kommt aus Nordirland.
Und die Rivalität zwischen den US-Golfern und den Europäern ist von jeher groß, auch das US-Publikum sieht lieber die eigenen Profis vorn als McIlroy oder das italienische Wunderkind Matteo Manassero, 19. „Wir hatten die Tiger-Ära, seine totale Dominanz für 15 Jahre, jetzt befinden wir uns in einer neuen Ära“, sagt die britische Golf-Ikone Nick Faldo.
Die Erben von Woods profitieren von der Popularität des Golfsports. Die Preisgelder haben sich, verglichen mit den 90er Jahren, vervielfacht. Fowler hat in diesem Jahr bereits 2,2 Millionen Dollar Preisgeld gewonnen, Watson über drei Millionen und Rory McIlroy fast drei Millionen. Hinzu kommen gut dotierte Werbeverträge.
Einer wie Rickie Fowler lässt sich prima vermarkten. Seine Familiengeschichte ist so bunt wie sein Outfit. Sein Großvater stammt aus Japan, seine Großmutter ist Navajo-Indianerin. Sports Illustrated schreibt: Fowler, das „Teen-Idol“, spiele genauso Golf, wie er Motorrad fahre: „schnell und angstfrei“. Seine Sponsoren, Puma, Titleist und Rolex, sehen das genauso.
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