Kolumne von Frauke Böger
So viele Mannschaften gibt es nicht, die das Unmögliche möglich gemacht und gezeigt haben, wie das aktuelle spanische Nationalteam zu schlagen ist. In Freundschaftsspielen haben die Spanier zwar in letzter Zeit oft verloren, aber das zählt nicht. Genauso wenig zählt es, auf eine Formschwäche zu hoffen, wenn es darum geht, auf das spanische Spiel vorbereitet zu sein.
Ist Ihnen dieser Artikel etwas wert?
Um etwas mehr Material zu haben, ziehen wir den FC Barcelona hinzu und betrachten deren Niederlagen als Niederlagen der Spanier. Wie so oft gibt es nicht die eine Antwort. Aber es gibt Möglichkeiten. Im Spiel gegen Real Madrid, als Real die Meisterschaft klarmachte, sorgten die Madrilenen dafür, dass sich das gesamte Spiel Barças eine Ebene tiefer als gewöhnlich abspielte.
Die beiden Innenverteidiger waren gedeckt, das Tikitaka hier schon unterbunden. Die gesamte Abwehr stand auf einer Linie, und Barça tappte in die Abseitsfalle.

FRAUKE BÖGER
ist Redakteurin bei taz.de und Mitglied des EM-Teams der taz.
Foto: tazEs war Bewegung im Spiel, die offensiven Spieler Reals konnten nach hinten nachrücken, sich den Ball holen und nach vorne Druck machen. Das Mittelfeld als solches war also quasi nicht vorhanden.
Auch der FC Chelsea verschob das eigene Mittelfeld im Rückspiel des Halbfinales der Champions League Richtung Abwehr beziehungsweise mit dem Ball. Passwege waren blockiert, der Ball verfolgt. Es war ein flüssiges Spielen, das Barça die Möglichkeiten und Räume nahm.
In der zweiten Halbzeit standen sämtliche Chelsea-Spieler nur noch vor dem eigenen Tor. Aber es war keine klassische Mauer, kein Beton. Beton muss hart werden, wenn er etwas taugen soll. Wird er in Bewegung gehalten, wie durch Tikitaka, kann er nicht hart werden. Es braucht etwas anderes, etwas, das sich anpasst: Sand.
Sand bleibt am Ball hängen, rieselt in alle Ritzen und Räume und verhindert saubere Pässe. Sand ist der neue Beton. Dafür braucht man aber Spieler, die das können. Und noch etwas müssen sie können: Perfektion im Abschluss und das Ergreifen einer Kontermöglichkeit in einem konterfreien Spiel. Auf viele solcher Chancen und glückliche Treffer jedoch sollte niemand hoffen.
Ach so, es gibt noch eine Möglichkeit, die die Holländer im WM-Finale 2010 gezeigt haben: Immer ordentlich druff. Aber Sand ist schöner.
Bayern München holt sich in Wimbley Europas Fußball-Krone. Borussia Dortmund konnte den Druck der Bayern-Elf nicht standhalten. von Andreas Rüttenauer

Unser Programm: taz.de begleitet die Fußball-EM 2012 in den Schwerpunkten „Aufm Platz“ mit allen Spielberichten und Analysen, „Mixed Zone“ mit allem, was in Sachen Fußball eben nicht auf dem Spielfeld passiert und „Tribüne“, der die Perspektive von außen aufs Geschehen einnimmt.
***
Exklusiv auf taz.de: Lesen, was Sie verpasst haben - verstehen, was Sie gesehen haben: Alle Spielberichte kurz nach Abpfiff auf taz.de/em. Mit dem entscheidenden Moment, dem Spieler und der Pfeife des Spiels und der Schlussfolgerung.
***
Facebook: Leibesübungen – taz.sport ist jetzt auch hier.
***
Das Team: Aus den Stadien und dem Quartier der deutschen Mannschaft berichten die taz-Sport-Redakteure Andreas Rüttenauer und Markus Völker. In Warschau beobachten Gabriele Lesser und Uli Räther das Geschehen, in Kiew Juri Durkot. In Berlin sind dabei: Svenja Bednarczyk, Frauke Böger, Michael Brake, Jan Feddersen, Enrico Ippolito, Johannes Kopp, Katerina Mishchenko, Barbara Oertel, Erik Peter, Jan Scheper und Deniz Yücel.
Der heißeste Ort der Welt, ein Tiger macht Kopfstand und Bäume in Käfigen. Unsere Bilder der Woche.

Bond-Schurkin, Stil-Ikone, Musikerin: Das Gesamtkunstwerk Grace Jones hat Geburtstag.

David Beckham beendet seine Fußballer-Karriere. Wird er jetzt etwa Vollzeitpapa, Model oder Frührentner? Ach, uns fallen da noch ein paar andere Sachen ein...

Ein echt fieser Augapfel, ein Harley-Davidson-Skelett, Buddha hat Geburtstag und jede Menge Quallen. Unsere Bilder der Woche.


Leserkommentare