Kolumne von Andreas Rüttenauer
Vicente del Bosque wusste, was da auf sein Team zukommen würde. Das eingespielte portugiesische Dreiermittelfeld mit Joao Moutinho, Miguel Veloso und Raul Meireles ist es gewohnt, die gegnerischen Offensivbemühungen früh zu unterbinden.
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Gegen so eine Mannschaft ist es selbst für den Weltmeister schwer, die gewohnte Dominanz im Mittelfeld aufzubauen, wird sich del Bosque gedacht haben, als er einen gewissen Alvaro Negredo vom FC Sevilla, einen Stürmer mit Gardemaß (1,86 Meter), aufgeboten hat. Vielleicht keine schlechte Idee.
In der Tat kam es so, dass den Spaniern nicht gelang, was normalerweise eines der Hauptziele ihres Spiels ist: den Ball flach zu halten. Aus der portugiesischen Bedrängnis flogen so viele hohe Bälle nach vorne wie selten. Ein großer Stürmer, der diese prellen lassen kann, der zumindest die Luftkämpfe derart beeinflusst, dass der sogenannte zweite Ball von den nachrückenden Mittelfeldspielern erkämpft werden kann, macht sich da nicht schlecht.

ANDREAS RÜTTENAUER
ist Sportredakteur der taz und während der EM in der Ukraine.
Foto: tazDoch Alvaro Negredo war mit seiner Rolle überfordert. Er wird so schnell nicht vergessen, wie es ist, wenn von hinten immer wieder ein Verteidigungsmonster vom Schlage eines Bruno Alves herangeflogen kommt. Der war meistens in der Lage, die Kopfballabwehr gezielt an den eigenen Mann zu bringen. Wenn Alves allzu ungestüm herangeflogen kam, gab es immerhin Freistoß für Spanien. Das wenigstens kann sich Negredo zugute halten: die Freistöße hat er – wie heißt es aufm Platz? – rausgeholt.
Für del Bosque war das zu wenig, Nach 54 Minuten erlöste er Negredo und wechselte Cesc Fabregas ein. Dem spanischen Spiel hat das nicht weitergeholfen. Die Portugiesen behielten die Kontrolle über das Halbfinale, auch nachdem die Spanier eine auf dem Boden sichere Anspielstation mehr in der Offensive hatten. Eine neue Idee musste her. Und sie kam. Die eingewechselten Jesus Navas und vor allem Pedro sorgten für Tempospiel auf den Flügeln. Endlich war Spanien schnell, in der Verlängerung dominierten sie das Spiel und hatten ihre beste Torchance.
Mit Negredo war’s nichts, Fabregas allein hat die Spanier auch nicht besser gemacht. Doch del Bosque hatte eine dritte Option. Ein Fingerzeig fürs Finale.
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Das Team: Aus den Stadien und dem Quartier der deutschen Mannschaft berichten die taz-Sport-Redakteure Andreas Rüttenauer und Markus Völker. In Warschau beobachten Gabriele Lesser und Uli Räther das Geschehen, in Kiew Juri Durkot. In Berlin sind dabei: Svenja Bednarczyk, Frauke Böger, Michael Brake, Jan Feddersen, Enrico Ippolito, Johannes Kopp, Katerina Mishchenko, Barbara Oertel, Erik Peter, Jan Scheper und Deniz Yücel.
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