Kolumne von Enrico Ippolito
Skandalfreudig, skandalträchtig, skandalumwoben: Wieder einmal machen Wettskandale und Spielmanipulationen bei der Squadra Azzurra die Runde. Und was tun die Italiener? Sie schämen sich nicht, nein, ganz im Gegenteil.
Ist Ihnen dieser Artikel etwas wert?
Für sie ist der Skandal ein gutes Omen. Denn vor den Weltmeisterschaften 1982 und 2006 gab es auch Skandale, und die Italiener holten trotzdem den Titel. So viele palle muss man erst mal in der Hose haben: Ruhe bewahren, Espresso trinken, gewinnen.
2006 wischte sich noch der damalige Nationaltrainer Marcello Lippi öffentlich bei einer Pressekonferenz die Tränen aus dem Gesicht. 2012 geht es ganz ohne Emotionen. Der Nationalverteidiger Domenico Criscito wurde nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts von Spielmanipulationen aus dem Kader gestrichen. Einfach so. Eine schnelle Entscheidung, ohne großen Wirbel. Keine Emotionen, sondern Sachlichkeit. Geht’s noch?

ENRICO IPPOLITO
ist Volontär der taz und Mitglied des EM-Teams.
Foto: tazDie Polizisten haben auch das Trainingslager der italienischen Mannschaft durchsucht. Das wirkt sich auf die Azzurri aus, heißt es in der Presse. Es ist kein Spaß mehr. Man greift sich nicht gegenseitig an, schiebt sich nicht die Schuld zu, und weinen ist auch nicht. Langweilig!
Auch die politische Seite ist seriöser denn je. „Man muss darüber nachdenken und abwägen, ob es nicht besser wäre, den Spielbetrieb für zwei bis drei Jahre ganz auszusetzen“, sagt Ministerpräsident Mario Monti.
So ernst ist also die Lage? Was ist mit dem Land passiert, in dem halbnackte Frauen im Nachmittagsprogramm tanzen, man sich streitet und wieder in den Arm nimmt, sich fast in die Fresse haut bei unterschiedlichen Meinungen? Wird der Calcio jetzt tugendhaft? Das Schlimmste am Wettskandal ist nicht die Tatsache an sich, sondern der Umgang damit. So seriös, kaum Drama, keine tränenreichen Entschuldigungen. Enttäuschend!
Der FC Augsburg kann sich mit einem Sieg über Fürth in den Klassenerhalt retten. Werder Bremen verliert sein erstes Spiel ohne Thomas Schaaf.

Unser Programm: taz.de begleitet die Fußball-EM 2012 in den Schwerpunkten „Aufm Platz“ mit allen Spielberichten und Analysen, „Mixed Zone“ mit allem, was in Sachen Fußball eben nicht auf dem Spielfeld passiert und „Tribüne“, der die Perspektive von außen aufs Geschehen einnimmt.
***
Exklusiv auf taz.de: Lesen, was Sie verpasst haben - verstehen, was Sie gesehen haben: Alle Spielberichte kurz nach Abpfiff auf taz.de/em. Mit dem entscheidenden Moment, dem Spieler und der Pfeife des Spiels und der Schlussfolgerung.
***
Facebook: Leibesübungen – taz.sport ist jetzt auch hier.
***
Das Team: Aus den Stadien und dem Quartier der deutschen Mannschaft berichten die taz-Sport-Redakteure Andreas Rüttenauer und Markus Völker. In Warschau beobachten Gabriele Lesser und Uli Räther das Geschehen, in Kiew Juri Durkot. In Berlin sind dabei: Svenja Bednarczyk, Frauke Böger, Michael Brake, Jan Feddersen, Enrico Ippolito, Johannes Kopp, Katerina Mishchenko, Barbara Oertel, Erik Peter, Jan Scheper und Deniz Yücel.
David Beckham beendet seine Fußballer-Karriere. Wird er jetzt etwa Vollzeitpapa, Model oder Frührentner? Ach, uns fallen da noch ein paar andere Sachen ein...

Ein echt fieser Augapfel, ein Harley-Davidson-Skelett, Buddha hat Geburtstag und jede Menge Quallen. Unsere Bilder der Woche.

14 Jahre war Thomas Schaaf Trainer bei Werder Bremen – genug Zeit, seinen trockenen Humor in vielen Interviewantworten unter Beweis zu stellen.

Am Samstag ist es wieder so weit: Im schwedischen Malmö kämpfen 39 Länder um den ersten Platz beim ESC. Wir wissen, auf welche Teilnehmer Sie besonders achten können.

Leserkommentare