Kolumne von Andreas Rüttenauer

Machen den Fußball kaputt: Frankreich und Franck Ribéry. Bild: dapd
Linke Backe, rechte Backe. Die jungen Frauen, die den Fans vor den Stadien und Fan-Zonen die Nationalfarben auf die Wange pinseln, sind gut beschäftigt. Blau-gelb wird gerne genommen in der Ukraine. Und weiß-rot-blau. Für Frankreich? Von wegen, die Russen, die immer noch einen großen Teil der EM-Touristen stellen, wollen zeigen, wo sie herkommen.
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Nein, Frankreich will wirklich niemand an der Backe haben. Nicht einmal die Franzosen. Die wollen schon lange nichts mehr von ihrem Team wissen. 800 Menschen aus Frankreich sollen in Donezk gewesen sein, um zuzusehen, wie ihre Mannschaft nicht Fußball spielt. Eine überschaubare Masochistengruppe. Würde sich San Marino (32.000 Einwohner) mal für eine EM qualifizieren, dann würden selbst aus dem Zwergstaat mehr Anhänger zu einer EM anreisen als aus dem Land des Weltmeisters von 1998.
Kein Wunder: Frankreich ist wieder einmal nur peinlich gewesen. Wozu taugen die Franzosen eigentlich noch? Warum hat man sie nicht schon längst von der Qualifikation ausgeschlossen? Weil Michel Platini Franzose ist? Viel mehr Gründe fallen einem da schon nicht ein. Immer weniger Menschen haben etwas von den französischen Turnierauftritten.

Andreas Rüttenauer
ist Sportredakteur der taz und während der EM in der Ukraine.
Foto: tazEin paar unverbesserliche Fußballromantiker vielleicht, die immer noch glauben, der Fußball der 70er Jahre sei der beste gewesen, der je gespielt wurde. Wenn die sich Spiele der Franzosen von heute ansehen, können sie sogar behaupten, dass ihre alten Helden schneller gelaufen sind als die aktuellen Spieler.
Warum wird eigentlich bei der Uefa keine Mindestgeschwindigkeit für das Spiel eingeführt? Man hat doch ein Produkt, das sich nur dann vermarkten lässt, wenn es halbwegs sehenswert ist. Liegt es daran, dass man zur Messung technische Hilfsmittel benötigen würde? Daran darf es nicht scheitern. Nein, Standfußball, wie ihn die Franzosen praktizieren, gehört verboten.
Wer einfach stehen bleibt, obwohl es um den Einzug ins Halbfinale des Turniers geht, macht den Fußball kaputt. Um das zu erkennen, braucht es keine elektronischen Geräte zur Geschwindigkeitsmessung. Das schaffen auch Menschen, die sich sonst vielleicht schwer tun, zu erkennen, ob ein Ball hinter der Linie ist oder nicht.
Klar, sie können auch unterhaltsam sein. In der Kabine, wenn sie sich wieder einmal gegenseitig anschreien, beleidigen und den Trainer lächerlich machen. Vielleicht sollte den Franzosen mal jemand sagen, dass das gar nicht zum Wettbewerb gehört. Ein Getränkesponsor des Turniers verteilt überdimensionale, gekrümmte Bierdosen nach jeder Partie an den jeweiligen Spieler des Spiels.
Vielleicht glauben die Franzosen ja, dass irgendwann der deutsche Reifensponsor dieses Continental-Wettbewerbs mit einem Preis in die Kabine kommt für den geistigen Platten des Abends (Hatem Ben Arfa). Und haben die Franzosen noch nicht gemerkt, dass die Uefa keinen Metzgereisponsor hat, der an beleidigte Spieler Leberwürste verteilt (Samir Nasri)? Uli Hoeneß, bitte übernehmen Sie!
Die Fifa hofft sich, des Problems auf sportlichem Wege entledigen zu können, und hat die Franzosen mit den Spaniern in eine WM-Qualifikationsgruppe gelost. Die Uefa hat es da nicht ganz so leicht. Frankreich ist Gastgeber der nächsten Europameisterschaft. Vielleicht sollte der Kontinentalverband darüber nachdenken, die Gastgeber von der Teilnahme auszuschließen. Die traurigen Geschichten über das frühe Ausscheiden der Gastgeber, blieben den Fußballkonsumenten dann auch erspart. Nur Mut, Uefa!
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Das Team: Aus den Stadien und dem Quartier der deutschen Mannschaft berichten die taz-Sport-Redakteure Andreas Rüttenauer und Markus Völker. In Warschau beobachten Gabriele Lesser und Uli Räther das Geschehen, in Kiew Juri Durkot. In Berlin sind dabei: Svenja Bednarczyk, Frauke Böger, Michael Brake, Jan Feddersen, Enrico Ippolito, Johannes Kopp, Katerina Mishchenko, Barbara Oertel, Erik Peter, Jan Scheper und Deniz Yücel.
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Leserkommentare
25.06.2012 01:20 | tommy
"kalauernder Rassismus in der TAZ... Wahnsinn... echt krass" ...
25.06.2012 00:32 | kalheinz
Also, so schlecht wie im Artikel waren sie nicht. Wenn man z.B. Ribery anschaut, wie er geackert und sich reingeworfen hat, ...
24.06.2012 19:21 | Thomas
Willkommen auf dem Niveau der ZEITUNG... ...