Kolumne Besser

Was jetzt, Quatsch- oder Sachbuch?

Die Fehler im alten Buch sind noch nicht korrigiert, da hat Frank Schirrmacher schon ein neues veröffentlicht. Eine Nachfrage beim Blessing-Verlag.

Börsencomputer steuern zwar die Welt, können aber nicht verhindern, dass Schirrmachers „Ego“ die Bestsellerliste anführt. Oder haben sie dafür gesorgt? Bild: reuters

Die Fehler im alten Buch sind noch nicht korrigiert, da hat Frank Schirrmacher schon ein neues veröffentlicht. Eine Nachfrage beim Blessing-Verlag.

Guten Tag, ich hab da mal ’ne Frage zum neuen Buch von Herrn Schirrmacher. Ich hab da verschiedene Sachen gelesen, und jetzt wollte ich Sie mal fragen: Taugt das was?

Klar taugt das Buch was! Sie haben wahrscheinlich schlechte Besprechungen und gute Besprechungen gelesen. Das ist ganz normal bei einem Buch, vor allem bei einem Debattenbuch.

Nach dem, was ich gelesen hab – da ging’s um das Buch davor: „Payback“ –, lässt Herr Schirrmacher gerne mal fünfe grade sein und schreibt einfach so drauflos, voller Fehler und falsch wiedergegebener Zitate.

Fehler lassen sich nie vermeiden. Es gibt kein Buch ohne Fehler. Das, was Sie ansprechen … ähm … das ist vielleicht auch ein bisschen eine private Geschichte. Das ist so, es gibt tatsächlich Fehler in dem Buch, so wie es in jedem Buch Fehler gibt. Aber Herr Schirrmacher ist ein seriöser Journalist, und selbstverständlich hat er recherchiert.

Im Merkur hat jemand nachgezählt: „Payback“ hat demnach mehr Fehler als Seiten. Wie kann das sein?

Das ist äh … die Meinung von Herrn Rohloff vom Merkur.

Wenn Herr Schirrmacher „Tweets“, also die Kurznachrichten, mit „Tweeds“, also dem Anzugstoff, verwechselt, dann ist das Ansichtssache?

Sie sollten sich selbst ein Urteil bilden.

Offenbar werden auch viele Sachverhalte falsch wiedergegeben. Wenn Herr Schirrmacher zum Beispiel schreibt, da seien soundso viele Datenmengen im Internet unterwegs, die könne niemand mehr lesen, wo es sich in Wirklichkeit bei einem Großteil dieser Daten um Bilder und Videos handelt.

Sie sollten auch positive Besprechungen lesen. Das ist ein Debattenbuch. Herr Schirrmacher hat ein wichtiges Thema angesprochen, das viele bewegt.

Wenn ich die These des neuen Buches „Ego“ richtig verstanden habe, werden wir alle ferngesteuert. Ich frag mich: Wenn „Ego“ auf Platz eins der Bestsellerliste ist, sind die Käufer dann alle ferngesteuert? Und wenn ja: von wem? Herrn Schirrmacher?

Ich hab die alle ferngesteuert. Hahaha, nee, Scherz. Also, ich nehm Ihre Frage schon ernst. Aber Sie müssen sich selbst ein Urteil bilden. Und Sie sollten es lesen und sich nicht beirren lassen von schlechten Meinungen.

Ist Herr Schirrmacher eigentlich ein Linker? Das hab’ ich nämlich auch gelesen.

Sie stellen sehr persönliche Fragen, die ich nicht beantworten kann.

Hm. Aber ist „Ego“ jetzt ein Quatschbuch oder ein Sachbuch?

Ein seriöses Sachbuch. Herr Schirrmacher ist Herausgeber und Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und hat ein seriöses Sachbuch geschrieben, über das man streiten kann.

Wieder so ein seriöses Sachbuch voller seriöser Sachfehler?

Das hab ich schon gesagt: Jedes Buch hat Fehler, und die werden korrigiert bei jeder Auflage.

Falsch wiedergegebene Quellen werden auch korrigiert? Wenn zum Beispiel Herr Dawkins falsch wiedergegeben wird?

Selbstverständlich.

Es wird korrigiert, bis nichts mehr vom Buch übrig bleibt?

Ich weiß nicht, wie Sie zu dieser Meinung kommen. Aber wenn Sie so negativ eingestellt sind, dann sollten Sie das Buch vielleicht doch nicht kaufen. Es kann Sie ja niemand dazu zwingen, ein Buch zu kaufen.

Ah, so gut funktioniert das noch nicht mit der Fernsteuerung? Da bin ich ja beruhigt.

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Besser: Auf die Fernsteuerung achten.

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Von Juli 2007 bis April 2015 bei der taz. Autor und Besonderer Redakteur für Aufgaben (Sonderprojekte, Seite Eins u.a.). Kurt-Tucholsky-Preis für literarische Publizistik 2011. „Journalist des Jahres“ (Sonderpreis) 2014 mit „Hate Poetry“. Autor des Buches „Taksim ist überall“ (Edition Nautilus, 2014). Wechselte danach zur Tageszeitung Die Welt.

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