Kolumne von Gabriele Lesser

Sehen harmlos aus, sorgen aber für Zündstoff. Bild: reuters
Die Polen raufen sich die Haare, rufen Zeter und Mordio und können doch nichts ändern. In gut zwei Monaten beginnt die Fußball-Europameisterschaft. Dann werden „Slavek und Slavko“ aufs Spielfeld des Nationalstadions in Warschau rennen, die Maskottchen der EM 2012, ein paar Purzelbäume schlagen und das Turnier eröffnen.
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Schon jetzt bieten Kioske und Souvenirläden die Maskottchen in Plastik, Stoff und Plüsch an. Doch die Ware liegt wie Blei in den Regalen. Denn die Puppen tragen zwar Trikots in den Nationalfarben Polens und der Ukraine, und sogar die Punkfrisuren der Zwillinge leuchten rot-weiß und blau-gelb. Doch: Kein Pole heißt Slavek und kein Ukrainer Slavko. Slavek ist ein tschechischer Vorname und Slavko ein serbischer oder kroatischer.
„Ooops“ sollte das amerikanische Maskottchen heißen, wenn irgendwann einmal die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA stattfinden sollte, ätzen polnische Fußballfans in den Internetforen. Denn es war die amerikanische Firma Warner Brothers, die sich im Auftrag der Uefa die Figuren mit den riesigen Kulleraugen, dem breiten Zahnpastalachen und den „slavischen“ Namen ausgedacht hat. „Warum nicht gleich ’Bida und Nedza‘ – ’Armut und Elend‘?“, schlägt ein enttäuschter Fußballfan vor. Ein anderer hält es für typisch, dass Ausländer sich immer nur das Schlechteste für Polen und die Ukraine ausdenken. „Slavek und Slavko oder SS.“

Gabriele Lesser
ist Polen-Korrespondentin der taz.
Foto: privatAngeblich sollen auch die Kunden von McDonald’s über die Namen der Maskottchen abgestimmt haben, kursiert im Internet. Die Konzernleitung sei sicher „heppi“ über das Ergebnis. Zu hoffen sei nur, dass die Fußballfans nicht auch „Wir treffen uns im McDonald’s“ als EM-Hymne anstimmen müssten.
Ein polnischer Anglist versucht, die Wogen zu glätten. Das Wort „slave – Sklave“ sei sicher nicht der Ausgangspunkt für die Namen Slavek i Slavko gewesen. Wahrscheinlicher seien ’Slav – Slawe‘ und ’Slavonic – slawisch‘. Dass die Amerikaner nicht unterscheiden könnten zwischen Polen und Tschechen oder Ukrainern und Serben sei noch verständlich. Aber dass der Polnische wie der Ukrainische Fußballverband die Vorschläge akzeptiert hätten, sei ein Skandal.
Eigentlich seien die Maskottchen doch ganz nett, versucht ein anderer zu besänftigen. „Lasst uns auf der EM ’Pivko und Vodko‘ skandieren (mit V statt W), wenn die Maskottchen auftauchen: ’Bierchen und Wässerchen‘!“
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Unser Programm: taz.de begleitet die Fußball-EM 2012 in den Schwerpunkten „Aufm Platz“ mit allen Spielberichten und Analysen, „Mixed Zone“ mit allem, was in Sachen Fußball eben nicht auf dem Spielfeld passiert und „Tribüne“, der die Perspektive von außen aufs Geschehen einnimmt.
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Das Team: Aus den Stadien und dem Quartier der deutschen Mannschaft berichten die taz-Sport-Redakteure Andreas Rüttenauer und Markus Völker. In Warschau beobachten Gabriele Lesser und Uli Räther das Geschehen, in Kiew Juri Durkot. In Berlin sind dabei: Svenja Bednarczyk, Frauke Böger, Michael Brake, Jan Feddersen, Enrico Ippolito, Johannes Kopp, Katerina Mishchenko, Barbara Oertel, Erik Peter, Jan Scheper und Deniz Yücel.
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Leserkommentare
02.04.2012 17:02 | Dmytro
Einfach Blödsinn. Ich weiß nicht, wie es mit Slawek in Polen ist, aber Slawko ist ein durchaus normaler Name in der Ukraine ...
02.04.2012 16:30 | Alexander S.
"„Ooops“ sollte das amerikanische Maskottchen heißen, wenn irgendwann einmal die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA statt ...
02.04.2012 14:23 | Heilige Magdalena
DOOOOOOCH! Sławek ist ein typisch Polnischer Vorname. Man hat in dem Fall auf die typischen Schreibweisen verzichtet, weil ...