Kolumne von Matthias Lohre
Jungs sind doof. Das ist, nur geringfügig verkürzt, die These eines Zeit-Artikels über kussunwillige junge Herren. Unter dem Titel "Die Schmerzensmänner" schrieb die Autorin Nina Pauer, Jahrgang 1982, vor wenigen Wochen über mild gewordene Kerle, die Frauen durch lauter Verständnis das Leben vermiesen.
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Anstatt die Frau vor ihnen einfach zu küssen, fragten sie sich: "Vielleicht möchte die junge Frau gar nicht geküsst werden? Vielleicht würde sie sonst selber gerne den ersten Schritt tun?" Mit fatalen Folgen: "Auf die junge Frau wirkt die neue männliche Innerlichkeit, das subtile Nachhorchen in die tiefsten Windungen der Gefühlsregungen schrecklich kompliziert. Und auf die Dauer furchtbar unsexy."
Was Pauer beschreibt, ist weniger originell, als die medialen Reaktionen von Spiegel über Jungle World bis Welt andeuten. Darin steckt die altbekannte Kritik an dem, was man in den Achtzigern "Softie" nannte. Der Softie versuchte, den Forderungen von Feministinnen an einen Mann nachzukommen.

MATTHIAS LOHRE
ist Parlamentskorrespondent der taz.
Foto: privatDoch indem er tat, wie ihm geheißen, erntete er allseitige Verachtung. Auch ein Schmerzensmann versucht, weiblichen Ansprüchen gerecht zu werden. Nur hat er, um dabei nicht erwischt zu werden, seine Tarnung perfektioniert. Er kleidet sich gut, trägt Bart und hat einen erlesenen Musikgeschmack.
Pauers Kritik ist widersprüchlich: Männer sollen einerseits tun, was sie wollen, ohne groß nachzudenken. Andererseits erwartet Pauer das Gegenteil: Männer sollen die Sehnsüchte von Frauen erfüllen. Aber, bitte, ohne zu zeigen, dass sie dafür nachgedacht haben. Denken wirkt nämlich "furchtbar unsexy". In beiden Fällen aber geht es um Forderungen von Frauen ans Verhalten von Männern. Und sie sind unvereinbar, wie Protestantismus und Karneval.
Nun könnte ich sagen: Hier zeigt sich die Überforderung der durchreflektierten Generation um die 30, die permanent fürchtet, angesichts einer Fülle von Wahlmöglichkeiten falsche Entscheidungen zu treffen. Und dass Pauer die eigene Verängstigung aufs begehrte Geschlecht projiziert. Das klänge abgewogen: Mal wieder wäre die Gesellschaft schuld, also keiner.
Was aber würde passieren, wenn ein Mann klagte, an Frauen sei dies "furchtbar unsexy" und jenes "schrecklich kompliziert"? Richtig: Er käme in Teufels Küche. Also los.
1. Es schmälert zeitweise meine große Zuneigung zu Frauen, wenn sie beim Kaffee über Menstruation plaudern. Diese interessiert Männer erst, wenn sie ausbleibt. 2. Frauen machen Knutschen schrecklich kompliziert. Will eine Frau geküsst werden, kann sie simple Signale senden: auf den Mund des Mannes gucken. Sie kann verschwörerisch sagen: "Ich sollte nichts mehr trinken." Oder sie selbst kann den Kerl küssen. Furchtbar unsexy jedoch ist es, zu beklagen, dass Männer ihr diese Drecksarbeit nicht abnehmen. Was, wenn das Gegenüber nicht will? Dann ist das halt so, Herrgott. Männer nennen so was nicht "Weltuntergang", sondern "Wochenende".
Die Frau kann dann trauern. Oder sagen: "Ich sollte dringend noch was trinken." Oder sie kann mich treffen. Ich werde auch versuchen, dabei nichts zu denken.
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Leserkommentare
14.03.2012 22:40 | telePhono sexO
Unser musikalischer Beitrag zur Debatte:
04.03.2012 16:36 | M.Mühlenahupt
Zu 02.02.2012 09:44 Uhr ...
05.02.2012 10:31 | Funnyboy
Ach wie niedlich! Jetzt versuchen die kleinen Softies im Internet den starken Mann zu markieren. Ei Ei Ei! ...