Nebensachen aus Paris

Böse Hornissen aus Asien

Vespa velutina lautet der Fachname der Bienenkiller. Es handelt sich um eine asiatische Hornisse, die sich in Südwestfrankreich angesiedelt hat und sich rasch ausbreitet.

"Wenn die Biene von der Erde verschwindet, dann hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben; keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr …", soll Albert Einstein gesagt haben. Ob die Prophezeiung tatsächlich von ihm stammt, ist umstritten. Keine Frage aber ist es, dass seine Mahnung höchst aktuell ist und darum auch immer wieder zitiert wird. Denn jedes Jahr wird eindringlicher vor diesem Phänomen des Bienensterbens gewarnt, von dem Frankreich stärker betroffen ist als die Nachbarn. Das lässt sich mit Zahlen eindeutig belegen.

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Völlig umstritten ist dagegen die Erklärung der Ursache(n). Ist die Klimaerwärmung schuld? Ist die Bienentragödie ganz generell ein Indikator für eine total gestörte Beziehung zwischen Mensch und Umwelt?

Die meisten Imker haben viel präzisere Antworten. Als Schuldige nennen sie bestimmte Insektizide mit Namen wie "Cruiser" oder "Gaucho". Die Agrochemie verteidigt ihre Gifte mit dem Hinweis, dass dieselben Produkte in anderen Ländern in der Landwirtschaft als Pflanzenschutzmittel verwendet würden, die keine mit Frankreich vergleichbare Sterblichkeit der Bienen aufweisen. Die Polemik dauert an, man hat aber verstanden, dass für den Agrarexporteur Frankreich große Wirtschaftsinteressen tangiert sind.

Während Bienenzüchter und Naturschützer noch mit Konzernen wie Syngenta oder Bayer streiten, taucht in Frankreich eine neue Gefahr für die so nützlichen Insekten auf: Vespa velutina lautet der Fachname dieser Bienenkiller. Es handelt sich um eine asiatische Hornisse, die sich seit wenigen Jahren in Südwestfrankreich angesiedelt hat und sich rasch ausbreitet. Ihre Lieblingsspeise sind vorzugsweise die heimischen Honigbienen! Eingeschleppt wurden sie angeblich mit einem Frachtschiff mit Billigprodukten aus dem fernen Osten. Mit der Velutina-Hornisse hat Frankreich ein echtes Invasionsproblem mit klandestinen "Immigranten".

Nachdem zwei Menschen in diesem Sommer an allergischen Reaktionen nach Stichen dieser Hornissen gestorben sind, mobilisieren die Behörden und Imkerverbände zum Kampf gegen diese Gefahr aus dem Osten. Was tun, wenn diesen Räuberhornissen mit den zunächst benutzten Fallen nicht beizukommen ist? Bleibt nur der Griff zum Gift gegen die bösen Insekten?

 

Jahrgang 1951, ist Frankreich-Korrespondent der taz seit 2009. Er hat Germanistik, Philosophie und Publizistik studiert und ist seit 1987 als Journalist für deutschsprachige Medien in Paris tätig. Er schreibt über Politik, Wirtschaft, Umweltfragen und Geschichten aus dem französischen Alltag auch für „Die Presse“ (Wien), die „Basler Zeitung“ und die „Neue Zürcher Zeitung“. Er ist verheiratet und hat eine Tochter. Andere Interessen und Aktivitäten: Linux-Opensource, Fotografieren und Reisen (am liebsten nach Zentralamerika oder in die Karibik)

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