Nullen und Einsen

Piraten oder Ninjas?

Pünktlich zum „International Talk Like a Pirate Day“ scheint eine der ältesten Fragen des Internets endlich geklärt.

"Arrr, arrr, ahoy! Savvy?"  Bild: dpa

Avast! Vergangenen Montag wurde die deutsche Piratenpartei sechs Jahre alt. Das ist schön für sie, sie wäre dann jetzt bereit für die Einschulung. Und an diesem Mittwoch steht gleich der nächste piratenrelatierte Feiertag an: der International Talk Like a Pirate Day, 1995 in der Piratenhochburg (Geheimwissen!) Oregon erfunden.

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An diesem Tag sollen alle Menschen Piratisch reden, englisches Piratisch natürlich, deutsches Piratisch kann man ja nicht ernst nehmen (na gut, englisches auch nicht, aber das versteht man jedenfalls nicht so gut, das ist wie mit peinlichen Songtexten). Und es ist auch ganz einfach: man muss einfach nur irgendwo in jeden Satz ein Avast, Arrr, Aye oder Savvy einbauen und mit „Ahoy, Matey“ grüßen. Feinheiten wie die Frage, ob man „Arrrr“ vor, hinter oder vor und hinter einer adverbialen Bestimmung des Ortes verwenden sollte, regeln sich automatisch nach dem dritten Rum.

Um sich warmzulesen, lassen sich auch Google und Facebook auf Piratenenglisch einstellen. „Gefällt mir“ heißt dann „Arrr, This be pleasin‘ to me eye“, aus „Teilen“ wird „Blabber t’ yer mates“ und aus „Profilbild bearbeiten“ „Mend the Jolly Rogger“, überm Chat steht „Parley, Thar’ be“, der „August“ heißt „Arrrgust“ und so weiter. Damit kann man schon mal einen Tag Spaß haben, und danach noch die Sprachoptionen Leetspeak und Upside Down ausprobieren. ʇɥǝıssnɐ ƃıʇsnl ǝıʍpuǝƃɹı ɥɔnɐ ɥɔılɹüʇɐu sɐʍ

Google, Facebook, die deutschen Wähler – auf einmal lieben alle die Piraten, in der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters gehören sie sogar zu den zentralen Glaubensinhalten, hier wurde International Talk Like a Pirate Day zum Feiertag erhoben. Es scheint fast so, als wäre eine der ältesten und beinah in Vergessenheit geratenen Fragen der Internetgeschichte unbemerkt entschieden worden, und das mit einem komplett überraschenden Ausgang. Die Frage nämlich, wer besser ist: Piraten oder Ninjas?

Dabei ist es doch eigentlich einfach. Piraten mögen Musketen besitzen, aber was bringt ihnen das, wenn sie von den praktisch unsichtbaren Ninjas enthauptet werden, noch bevor sie den ersten Schuss abgeben können?

Und auch sonst: Piraten sind laut, reden und singen gerne. Ninjas sind superleise, reden nur das Nötigste und töten Leute, die singen. Piraten tragen alberne bunte Kostüme. Ninjas tragen schwarz mit Kapuze, können Kung Fu und coole andere Moves. Piraten sind wie Hunde. Ninjas sind wie Katzen. Die einzigen Pluspunkte fürs Team Pirat sind Monkey Island und Captain Jack Sparrow, aber das ist sicher auch nur irgendein Irrtum.

Doch trotz dieser für jeden offensichtlichen Überlegenheit ist es tatsächlich still geworden um die Ninjas. In den Achtzigern waren sie noch die Stars von Kinofilmen (American Ninja), Comics (Ninja Turtles) und Computerspielen (Ninja Gaiden), jetzt haben sie den Piraten die Medienöffentlichkeit überlassen, und was die daraus machen, sieht man ja gerade ganz gut .

Sogar die Website der Ninjapartei (ja, die gibt es, also die Seite) ist inzwischen nur noch eine Umleitung zur Piratenpartei. Aber man muss deshalb nicht glauben, dass die Piraten gewonnen hätten. Die Ninjas sind nicht verschwunden. Ihr könnt sie nur nicht sehen.

 

Michael Brake lebt in Berlin und arbeitet als freier Journalist, Redakteur und Lektor, unter anderem für die taz, zeit.de und fluter.de. Er schreibt Kolumnen, Rezensionen und Alltagsbeobachtungen im Feld zwischen Popkultur, Medien, Internet, Berlin, Sport und Tieren.

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