Kolumne von Markus Völker
Es ist an der Zeit, etwas über das Wetter zu sagen. Der Wetterbericht gehört zu jedem großen Turnier. Bei der Weltmeisterschaft 2006 war das Wetter so toll, dass es die Erzählung vom Sommermärchen begünstigte. Bei der Europameisterschaft 2012 ist das Wetter überhaupt nicht toll. Es regnet ständig, jedenfalls an der Ostseeküste. Es hat wie aus Eimern gegossen, und gewittert wie am Äquator hat es auch.
Ist Ihnen dieser Artikel etwas wert?
Einmal habe ich mich für eine Stunde unter einen Baldachin retten müssen, um nicht fortzuschwimmen in der Sintflut. Ich studierte spektakuläre Blitze und hörte tiefes Grollen über dem Meer. Ich redete mir ein, der Baldachin funktioniere auch als faradayscher Käfig und ich wäre gegen Blitzeinschlag geschützt. Aber sicher war ich mir nicht.
Die seltenen Regenpausen nutzt man hier nur zu einem Zweck: Endlich mal trocken von A nach B kommen. Die Touristen können einem echt leidtun. Die Ostsee ist viel zu kalt, um hineinzusteigen (was natürlich ein paar Verwegene nicht davon abhält, es trotzdem zu tun). Warum ich eine Badehose und Sonnencreme dabei habe, weiß ich nicht. Ich hätte mich vorher näher mit den Zoppoter Wetterkapriolen beschäftigen sollen.

MARKUS VÖLKER
ist Sport-Redakteur der taz und während der EM in Polen unterwegs sowie bei den Spielen der deutschen Mannschaft dabei.
Foto: tazNeidisch lese ich die Berichte des Kollegen Rüttenauer, der anscheinend täglich an den Kiewer Dnjepr-Strand geht und sich die Sonne auf die Plautze scheinen lässt. Keine Frage, die Ukraine ist ein Supersommerland. Das habe ich selbst erleben dürfen in Charkow und Lemberg. Während an der Ostsee 18 Grad gemessen wurden, erwarteten mich in Charkow 35 Grad. Ein Temperaturschock.
Diese EM hat nicht nur zwei verschiedene Gastgeber, sie hat auch zwei Klimazonen. Die Wetterscheide verläuft ziemlich parallel zu den Landesgrenzen. Wenn Oceana ihren EM-Hit „Endless Summer“ anstimmt, dann singt mindestens ein Kollege mit – allerdings wird das „Endless Summer“ zu einem „Endless Winter“. Das ist gar nicht so weit hergeholt, denn wenn man abends am Meer ein EM-Spiel am Fernseher verfolgen will, muss man viele Schichten anziehen.
Meinen Schirm habe ich letzte Woche in Danzig leider liegen lassen, weswegen ich noch nasser werde als vorher. Für die DFB-Elf ist das polnische Wetter von Vorteil. Sie schwitzen nicht so wie in der Ukraine. Das spart Kräfte. Das Viertelfinale fand in Danzig statt, und das Halbfinale steigt am Donnerstag in Warschau. Vielleicht liegt hier das Geheimnis des deutschen Erfolges begründet. Petrus scheint ein Fan der DFB-Elf zu sein.
Weder der Triumph gegen Real, noch die Gala gegen Barca: Das bevorstehende Endspiel in Wembley hat nur eine passende Referenzgröße. von Jan Scheper

Unser Programm: taz.de begleitet die Fußball-EM 2012 in den Schwerpunkten „Aufm Platz“ mit allen Spielberichten und Analysen, „Mixed Zone“ mit allem, was in Sachen Fußball eben nicht auf dem Spielfeld passiert und „Tribüne“, der die Perspektive von außen aufs Geschehen einnimmt.
***
Exklusiv auf taz.de: Lesen, was Sie verpasst haben - verstehen, was Sie gesehen haben: Alle Spielberichte kurz nach Abpfiff auf taz.de/em. Mit dem entscheidenden Moment, dem Spieler und der Pfeife des Spiels und der Schlussfolgerung.
***
Facebook: Leibesübungen – taz.sport ist jetzt auch hier.
***
Das Team: Aus den Stadien und dem Quartier der deutschen Mannschaft berichten die taz-Sport-Redakteure Andreas Rüttenauer und Markus Völker. In Warschau beobachten Gabriele Lesser und Uli Räther das Geschehen, in Kiew Juri Durkot. In Berlin sind dabei: Svenja Bednarczyk, Frauke Böger, Michael Brake, Jan Feddersen, Enrico Ippolito, Johannes Kopp, Katerina Mishchenko, Barbara Oertel, Erik Peter, Jan Scheper und Deniz Yücel.
Der heißeste Ort der Welt, ein Tiger macht Kopfstand und Bäume in Käfigen. Unsere Bilder der Woche.

Bond-Schurkin, Stil-Ikone, Musikerin: Das Gesamtkunstwerk Grace Jones hat Geburtstag.

David Beckham beendet seine Fußballer-Karriere. Wird er jetzt etwa Vollzeitpapa, Model oder Frührentner? Ach, uns fallen da noch ein paar andere Sachen ein...

Ein echt fieser Augapfel, ein Harley-Davidson-Skelett, Buddha hat Geburtstag und jede Menge Quallen. Unsere Bilder der Woche.


Leserkommentare