Kolumne von Stefan Osterhaus

Vermisstes Ausnahmetalent: Der Ex-Gladbacher Marco Reus kann sogar fliegen. Bild: dapd
Als Analytiker des Fußballs genießt Lucien Favre einen beinahe schon legendären Ruf. Schwächen im System des Gegners bleiben dem scharfsichtigen Mann aus dem Waadtland nicht verborgen, doch auch dem eigenen Team erspart Favre die Wahrheiten, die sich ihm erschließen, nicht.
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So kam er schon nach dem zweiten Spieltag zu dem Ergebnis, dass es sehr schwer werden würde in dieser Saison. Das erwies sich jetzt, nach dem sechsten Spieltag, als geradezu hellsichtig. Nach einem 0:5 in Dortmund ist Gladbach im Begriff, die Ziele neu zu definieren. Platz acht bis elf ist laut Manager Max Eberl nun das, was realistisch erscheint, vermutlich hat er recht.
Die Demontage im Westfalenstadion verdeutliche allerhand Defizite, das Team wirkte hilflos, verloren, überfordert. Ärgerlich genug, dass der Weggang von Marco Reus nicht zu kompensieren ist, seine Fähigkeiten konnte er ohne Anlaufschwierigkeiten im Team des Gegners präsentieren.
ist freier Journalist und gehört seit fünf Jahren zum taz-Sportteam.
Zwei Tore von Reus hatten ihren Anteil am Debakel, und der Wechsel des gegenwärtig wohl besten deutschen Offensiv-Allrounders verdeutlicht, dass auch in Favres System eine Stütze nicht zu ersetzen ist, ja mehr noch: An der Seite von Reus präsentierten sich Spieler wie Herrmann auf deutlich höherem Niveau, sie profitierten maßgeblich vom Spielverständnis des Neo-Dortmunders.
Gladbach hat viel investiert, um genau jene Situation zu vermeiden, in der der Klub nun steckt. Nicht nur Reus ging, auch Dante und Roman Neustädter. Favre kommentierte dies mit einem drastischen Vergleich: „Das ist so, als wenn der FC Barcelona Messi, Iniesta und Piqué gleichzeitig verloren hätte.“ Dieses Zitat lässt sich in einem einzigen Wort zusammenfassen: unersetzlich.
Ersatz sollte her. Gut und teuer. Angeblich Spieler, die halb Europa haben wollte. Am Ende gingen sie nach Gladbach: Luuk de Jong, der im Vergleich zu Reus den Aktionsradius einer Stehlampe hat, wurde für mehr als 12 Millionen geholt. Gegen Dortmund fehlte er, doch der Erfolg der Gladbacher Integrationshelfer ist bisher bescheiden.
Gleiches gilt für den Schweizer Granit Xhaka und den Spanier Alvaro Dominguez, der als Nachfolger von Dante gekommen ist. Als Innenverteidiger wirkt er nicht sonderlich souverän. In einem Konzept wie dem von Favre sind fünf Gegentore eigentlich unvorstellbar.
30 Millionen Euro hat Gladbach in den Transfermarkt gepumpt, eine Summe, die noch vor wenigen Jahren utopisch gewesen und wohl allein den Bayern vorbehalten gewesen wäre. Doch anders als der Rekordchampion kann sich Gladbach keine Fehlplanungen leisten, Manager Eberl ist angewiesen darauf, dass die Transfers funktionieren. Doch der wirkt nach dem letzten Fehlschlag gar nicht mal überrascht. So ist das Dilemma der Gladbacher, diese Saison voller Fehltritte, vor allem die Chronik eine angekündigten Sturzes.
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Leserkommentare
30.09.2012 21:20 | Hans-Gerd Mohr
Da haben Sie doch die ganze Zeit drauf gewartet ...