Kolumne von Deniz Yücel
Experten-Check beweist: Tommys ohne Chance. Besser: gleich bedingungslose Kapitulation!
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DIE KEEPER: Tommy-Keeper David James (39, mit Portsmouth Tabellenletzter) gilt als Elfmeter-Spezialist. Grund: Hält im Tommy-Training alle Elfer. Unser Manuel Neuer (24) hat auch schon viele Elfer gehalten – in der Champions League und gegen echte Gegner. Außerdem weiß er, wie’s geht: Bei der Junioren-EM stand er im Tor, als unsere Jungs die Tommys mit 4:0 wegputzten.
DIE AUSSENBAHN: Ashley Cole (29) wurde bekannt, weil er Zeitungen verklagte, die mit gepixeltem Foto von einer Homo-Orgie mit Premier-League-Fußballern berichtet hatten. Anfang 2010 trennte sich Girls-Aloud-Sängerin Cheryl Ann Cole von ihm. Warum bloß...? Claudia Schattenberg (25) denkt überhaupt nicht an Trennung. Sie ist in Südafrika, unterstützt ihren (unseren!) Philipp Lahm (26) mit Liebes-Doping. Drei Tage nach dem WM-Finale wird geheiratet. Und wir wissen schon, welches Geschenk unser Kapitän für seine Claudia hat. Ein goldenes…

Deniz Yücel ist Redakteur im WM-Team der taz.
Foto: tazDIE ABWEHRRECKEN: Tommy-Terry John (29) ist der Stinkstiefel: Spannt bestem Freund und Teamkollegen (29) Model-Frau (33) aus, zettelt bei der WM Meuterei gegen Coach Capello an, fordert nach peinlichem 0:0 gegen Algerien Bier, mosert, wenn er nicht stinkstiefeln kann: „Mir war im Leben noch nie so langweilig wie bei dieser WM.“ Unser Arne Friedrich (31) macht nichts davon. Dafür macht er seinen Job. Und das verdammt gut (taz.de-Note 1+). Kein Wunder, dass jetzt die Tommy-Clubs (gehören alle Ausländern) scharf sind auf Arne con Carne!
DIE LINKSKRACHER: Tommy-Kapitän Steven Gerrard (30) kannte nur Linksverkehr, nicht linkes Mittelfeld, bis Coach Capello ihn nach links schickte. Seitdem verschollen. Auch Lukas Podolski (25) wurde nach links befohlen. Clever: Poldi kannte den Daumen-Trick, seitdem Super-Zauber mit links!
DIE MITTE: Gareth Barry (29) hat fast 400 Premier-League-Spiele gemacht, trotzdem kennt ihn kein Schwein. Mesut Özil (21) hat 3 WM-Spiele gemacht, schon liebt ihn die ganze Welt. Gaucho-Coach Maradona (49) nennt seinen Spielmacher „Lionel Mesut“, um ihn stark zu reden. Süper!
DIE ZENTRALEN: Frank Lampard (32) gilt als wichtigster Tommy. Grund: Verwandelte mal einen Elfer – bei der 2:3-Heim-Schlappe gegen Kroatien, mit der die Tommys die EM 2008 verpassten. Trotzdem wählten sie „Fat Frank“ zum „Man oft the Match“ („Tommy des Spiels“). Unser Wichtigster ist Bastian Schweinsteiger (25). Und der kann alles, nicht nur Elfer: Kämpfen, Dribbeln, Treffen. Kein Wunder, dass Real Madrid für unseren Basti-Fantasti Übersteiger-Schweinsteiger 55 Millionen Euro hinblättern will – mehr als Staatshaushalte von Tuvalu, Nauru, Anguilla und Niue (alle jenseits von Afrika) zusammen.
DIE KNIPSER: Wayne Rooney (24) lässt sich von fieser Tommy-Nazi-Propaganda anstecken, tönt: „Ich will Deutschland aus dem Turnier werfen.“ Typisches Tommy-Großmaul! Denn der „Pitbull“ bellt, beißt aber nicht, steht in der WM-Statistik auf peinlichem letzten Platz (3 Spiele/0 Tore). Wir fahren gegen Engeland, hieß es am Samstag, als sich unsere Jungs auf den Weg nach Bloemfontein machten. Als erster im Flieger: Miro Klose (31). Kein Wunder, unser Knipser darf nach fieser FIFA-Sperre wieder mitspielen, ist heiß. Aber: Er macht seine Tore, überlässt die Sprüche anderen. Und, Englischmann: Wer zuletzt lacht, lacht am besten.
DIE ALTLASTEN: Dank Kevin-Prince Boateng (23, für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen) sind wir Michael Ballast (33) los. Der macht sich jetzt sogar nützlich, geht mit seinem Schreib-Schreib im Tommy-Blatt „The Times“ den Tommy-Fans mächtig auf den Keks („Ich hoffe, Deutschland schlägt England“). Tommy-Altlast David Beckham (35) sitzt in Südafrika auf der Bank (Achillessehne!), geht mit seinen Styling-Tipps den Tommy-Spielern mächtig auf den Keks. („Ich empfehle Pure Instinct – eine warme, sanfte Mischung aus Tabakblättern, Eichenbaummoos und Zedernholz geben dem Duft Lederaromen“).
DIE COACHS: Tommy-Coach Fabio Capello (64) ist zwar kein Tommy, aber der Ober-Raffke unter den Nationaltrainern (4 Millionen Euro Jahresgehalt, offizieller Wohnsitz in Steueroase!) und Kumpel von Ober-Paten Berlusconi (73). Peinliche Capello-Analyse nach peinlicher Tommy-Vorrunde: „Wenn du unter großem Druck stehst, arbeiten die Beine manchmal nicht normal.“ Unser Trainer Joachim Löw (50) ist bisschen spröde, aber Sportsmann: „Wer uns kennt, der weiß, dass wir keine Macht- oder Geldgier haben, es geht uns um die Entwicklung der Mannschaft.“ Auch Jogi ist Pate – aber von zwei Kindern in Ghana und einem Fußballplatz in Ruanda (alles Afrika). Tolle Jogi-Analyse nach toller Vorrunde: „Gut, durch so ein Stahlbad zu gehen.“
DIE LEHRMEISTER: „Bester“ Tommy aller Zeiten, Bobby Charlton (72, Wembley-Schummeltor 1966!) ist bloß „Sir“, aber völlig senil, brabbelt nur wirres Zeug: „Fußball auf Malta ist wie in der Sahara.“ Franz Beckenbauer (64), unser bester aller Zeiten, ist Kaiser und topfit, gibt unseren Jungs tolle Tipps: „Wir haben mehr Power als die Engländer. Es wird wieder eine Schlacht.“ Und wir schlachten sie!
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Für seine Kolumnen-Reihe "Vuvuzela", die er anlässlich der Fußball-WM 2010 auf taz.de schrieb, ist der taz-Autor DENIZ YÜCEL geehrt worden. Am 23. Oktober erhält er den mit 3.000 Euro dotierten Kurt-Tucholsky-Preis 2011. Die Jury betonte: "Dabei übersteigerte er bewusst das nationalistische Element, riskierte lustige Wortspiele sowie einen überdeutlichen Stimmungsumschwung nach der deutschen Niederlage (‚Gurkentruppe‘).! Dabei habe er sich Tucholskys Maxime zu eigen gemacht: Die Satire muss übertreiben. Gratulation!
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Leserkommentare
29.06.2010 17:24 | Alexandra
@ vic: genau, recht haste!
28.06.2010 18:25 | vic
Liebe taz-Abo Kündiger und Kündigungsandroher, beinahe und nun doch nicht Abonnenten. ...
28.06.2010 11:11 | Nikolay
Habe gestern das Spiel gesehen und mich in Petersburg riesig fuer die junge deutsche Mannschsft gefreut. Tut mir leid fuer ...