Kolumne von Deniz Yücel
Zu faul, zu klein, zu satt – und zu durchschaubar. Elf Gründe plus ein Extra-Grund, warum die Spanier schon verloren haben.
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Siegeswille: Bei peinlicher Vorrunden-Schlappe gegen Schweiz (0:1) hatten Spanockels 200-Prozent-Ballbesitz. Aber: Mit dem Ball ist es wie mit schönen Frauen und schnellen Autos: Besitzen reicht nicht, man muss auch etwas damit anfangen können! Unsere Zauber-Jungs haben gegen das unglückliche 0:1 gegen Serbien bis zuletzt gekämpft! In Unterzahl gegen elf Serben – und euren irren Spanockel-Schiri Mallenco (36)!
Teamgeist: Spanockels wollen gar keine Spanockels sein. „Es gibt Katalanen, Basken, Andalusier usw.“, sagt Spanien-Experte Antonio Marin Fernandez (37, Spanier). Wir aber kennen keine Bayern und Bremer, keine Alt- und Neudeutschen mehr! Wir sind ein Team!

Deniz Yücel ist Redakteur im WM-Team der taz.
Foto: tazTorgefahr: Spanockels brauchen 31 Anspielstationen, bis sie mal aufs Tor schießen („Tiki-Taka“-Taktik, Spanisch für: „Wozu schießen, wenn man noch mal passen kann?“) Unsere Zauber-Jungs hauen auch mal drauf: „Aus dem Hintergrund müsste Özil schießen… Özil schießt… Tooooor! Tooooor! Tooooor! Tooooor!“
Fitness: Siesta-Kicker zu faul! Lassen lieber Ball und Gegner laufen statt selbst zu ackern. Beweis: In der WM-Läufer-Top-Ten sind zwei unserer Zauber-Jungs (Khedira, 23, 56,69 Kilometer, 3. Platz, Schweinsteiger, 25, 56,43 Kilometer, 5. Platz), aber kein Spanockel.
Fairplay: Gegen Portugal (1:0) gab Gaucho-Skandal-Schiri Baldassi (44) klares Abseits-Tor, gegen Honduras übersah Schlitzaugen-Skandal-Schiri Nishimura (38) brutale Attacke von Gorilla-Villa (28) gegen Hondu-Spieler (24). Unsere Jungs dagegen super-fair: keine Provokationen gegen serbische Gelber-Kette, keine bösen Worte gegen Gegner, keine Tore durch Schiri-Begünstigung.
Erfolgshunger: Bueno, Spanockels (Spanisch für: „Ja, gut, Spanockels“), anders als Tommys und Gauchos habt ihr einen Torwart. Aber Casillas (29) hat schon als Teenie für Real und Spanien gespielt, ist längst träge und satt, streitet während des Spiels mit Freundin (Spanockel-Schnecke Sara Carbonero, 25, steht als „Journalistin“ hinterm Tor!) über neue Couch-Garnitur. Anders unser Keeper: Manuel Neuer (24), der hat Feuer - für die WM und für seine Katrin (20)!
Flexibilität: Tiki, Taka, Taka, Tiki, Tiki, Taka… was anderes kann der Spanockel nicht, spielt den Ball so lange hin und her, bis der Gegner eingelullt ist. Zauber-Kurz-Pässe spielen unsere Zauber-Jungs auch. Aber die können mehr, die können alles: lange Bälle, hohe Bälle, Kopf-Bälle, Distanz-Knaller… Und wenn’s sein muss, steht noch Opas Panzer im Keller!
Standards: Spanockels zu klein (Beispiel: Villa, 28, 175 cm). Darum kein Kopfball-Tor, kein Tor aus Standard-Situation, dazu zwei verschossene Elfer – einsamer WM-Rekord! Unsere Jungs haben Köpfchen, setzen das ein. 2 WM-Kopf-Knaller (und 33 Köpfer seit WM 1966 – einsamer WM-Rekord!).
Knipser: Knipser-Klose (32) knipst wieder (4 Spiele / 4 Tore!), ist wieder unser Salto-Miro. Spanockel-Stürmer Torres (26, 5 Spiele / 0 Tore) steht mit Versager-Tommy Rooney (24) und Gaucho-Enttäuschung Messi (23) auf peinlichem letzten Platz der WM-Knipser-Liste!
Selbstvertrauen: „Deutschland macht Angst“, zittert Spanockel-Blatt As. Letzte Hoffnung der Spanockels: dubioses Paella-Orakel... Wir hingegen brauchen keinen Hokuspokus, wir haben unsere Zauber-Jungs. Und unsere Medien analysieren: „Wir sind schon Weltmeister.“
Wetter: Vorhersage für Durban (Süd-Ost-Südafrika), Mittwoch, 20.30 Uhr: 17 Grad, bewölkt, Regen – kein Wetter für Schön-Wetter-Schwuchteln. Für uns aber noch nie Problem: 1954 Fritz-Walter-Wetter gegen Damals-Weltklasse-Ungarn, 1974 Wasserschlacht von Frankfurt gegen Damals-Weltklasse-Polen. Männer fürchten keinen Regen!
Zauber-Fans: In Spanien zählen nur Real und Barca, für „La Roja“ („Rioja“, so nennen die Spanockels ihre Nationalmannschaft) interessieren sich nur Franco-Anhänger (schlimmer Diktator 1939–75, danach tot) und Marokkaner (1,6 Prozent Einwanderer aus Marokko/Nord-Afrika). Wir hingegen sind 80 Millionen Zauber-Fans! Und: Wir lieben unsere Zauber-Jungs!
* Spanisch für: „Hallo“
Die Proteste in der Türkei vereinen Bänker, Anarchisten und Feministinnen. Das ist schöner und demokratischer als der Bürokratenverein namens EU. von Deniz Yücel

Für seine Kolumnen-Reihe "Vuvuzela", die er anlässlich der Fußball-WM 2010 auf taz.de schrieb, ist der taz-Autor DENIZ YÜCEL geehrt worden. Am 23. Oktober erhält er den mit 3.000 Euro dotierten Kurt-Tucholsky-Preis 2011. Die Jury betonte: "Dabei übersteigerte er bewusst das nationalistische Element, riskierte lustige Wortspiele sowie einen überdeutlichen Stimmungsumschwung nach der deutschen Niederlage (‚Gurkentruppe‘).! Dabei habe er sich Tucholskys Maxime zu eigen gemacht: Die Satire muss übertreiben. Gratulation!
Ein Pferd beim Plantschen, jede Menge Mangos und Herr Müller-Lüdenscheidts Alptraum. Unsere Bilder der Woche.

Körperfülle, Farben, Bärte oder Buchstaben. Gehörlose haben eindeutige Bezeichungen für Politiker.

Die Demonstranten in Istanbul sind hartnäckig. Trotz harter Polizeieinsätze verharren sie auf dem Taksim-Platz.

Demonstranten auf dem Taksim-Platz, Wasser auf dem Autobahnkreuz, Nadeln auf dem Tiger. Unsere Bilder der Woche.


Leserkommentare
09.07.2010 08:40 | Dennis
@ Olsen: ...
09.07.2010 08:07 | Thomas
Ich lese weder "Bild", "Gala", "In Touch" oder "Chatter". Bald kommt auch noch die "TAZ" hinzu, die mit ihren immer bouleva ...
08.07.2010 22:38 | Freddyk
Wo ist denn die Kolummne Vuvuzela 25 hin? Heute nachmittag war sie hier noch abrufbar. Jetzt nicht mehr :(