Kommentar von Deniz Yücel
Bravo, Deutschland! Unsere Zauberjungs spielen so südländisch wie nie, verzaubern die Welt. Auch Deutschland wird immer südländischer: Plätze, Biergärten, Kneipen – überall Leinwände, Groß-Leinwände und Ganz-Groß-Leinwände, alle sind draußen, gucken und fiebern zusammen, friedlich, freundlich, feierlich – Riesen-Party!
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Aber: Da geht mehr! (Noch) sind die Public-Viewing-Plätze nicht voll gefüllt. Jetzt fragen alle: Ist das Mies-Macher-TV schuld?
Denn fest steht: An der weltmeisterlichsten Weltmeisterschaft der Welt kann es nicht liegen, dass die Party (noch) nicht überschäumt: Knackige US-Boys vernaschen Tommy-Trottel, süße Nokos halten Brasi-Bräsigs (fast) stand, Kiwis und Slowis haben zusammen Spaß, Elfen-Didi (32) und die elf Elfen aus der Elfenbeinküste sowieso.

Deniz Yücel ist Redakteur im taz WM-Team.
Foto: taz
Aber das Event-Fernsehen findet alles langweilig. Keine Freude mit den Kleinen, kein Respekt, nur blöde Sprüche: "Die sind keine Laufkundschaft mehr." Auch sonst nur schlechte Laune: Erst Hetz-Berichte über Südafrika, dann Genöle über Vuvuzelas, schlechtes Wetter, zu wenig Zuschauer, schwache Torhüter, schwache Stürmer. Doch die Wahrheit ist: Der einzige Grund zum Nölen ist das Nöl-Nöl-Fernsehen.
Am schlimmsten wieder: Der Hitler-Sender ZDF mit Katrin Müller-Hohenstein (44, "innerer Reichsparteitag"), Béla Réthy (53, "Sturmführer") und Oliver Schmidt (38, "Belgien hat Probleme"). Am besten noch RTL: Moderiert hitlerfrei, bringt danach Super-Recherche-Infos über Spieler-Frauen.
Gut, die WM ist auch die Zeit des Miesmachens, Scheiße-Findens, Andere-Probleme-für wichtiger-Haltens und Überall-Reichsparteitag-Sehens. Und, ganz ehrlich: Mit ein paar Miesmachern macht das Super-Finden mehr Spaß. Aber: Warum gehen die nicht ins Mit- und Miesmach-Medium Internet? Warum müssen wir die im Fernsehen ertragen?
Genug genölt. Auf zum Public Viewing!
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Für seine Kolumnen-Reihe "Vuvuzela", die er anlässlich der Fußball-WM 2010 auf taz.de schrieb, ist der taz-Autor DENIZ YÜCEL geehrt worden. Am 23. Oktober erhält er den mit 3.000 Euro dotierten Kurt-Tucholsky-Preis 2011. Die Jury betonte: "Dabei übersteigerte er bewusst das nationalistische Element, riskierte lustige Wortspiele sowie einen überdeutlichen Stimmungsumschwung nach der deutschen Niederlage (‚Gurkentruppe‘).! Dabei habe er sich Tucholskys Maxime zu eigen gemacht: Die Satire muss übertreiben. Gratulation!
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Leserkommentare
18.06.2010 14:45 | Dr. Lothar Köhler
Oh jeh, dieses substanz- und richtungslose Gelaber ist einfach nur peinlich!!!
17.06.2010 23:26 | undwichtig
Wer hier die Ironie nicht mitkriegt, ist am falschen Ort. Gewohnt ernst und kritisch nähert sich der gewöhnliche taz Leser ...
17.06.2010 18:26 | Eugen
Die WM läuft gerade mal eine Woche und diese Kolumne hat in Ihrer Iteration und Substanzlosigkeit schon mühelos jedes bishe ...