Kommentar Abschied von Amos Oz

Am Rande Israels

Mit Amos Oz geht auch ein Stück der israelischen Gründergeneration. Deren Spirit waren Gleichheit und Gerechtigkeit. Oz wird Israel fehlen.

Ein Mann Ein Mann im hellblauen Hemd guckt nach links

Amos Oz hatte immer den Frieden im Blick Foto: ap

Am Montag ist Amos Oz in seinem Kibbuz beigesetzt worden. Hunderte Menschen verabschiedeten sich zuvor in Tel Aviv von ihrem berühmten Schriftsteller und Friedensaktivisten. Amos Oz ist 79 Jahre alt geworden, und es ist nicht übertrieben, die Nachrufe auf ihn mit dem Abschied der linken Gründergeneration des Landes in Beziehung zu setzen. Denn das, was einmal den Staat geprägt hat, die Arbeitspartei und ihre linke Schwester Mapam, die Kibbuz-Bewegung und die Gewerkschaft Histadrut, ist fast bis zur Bedeutungslosigkeit marginalisiert.

Es droht in Vergessenheit zu geraten, dass die meisten unter Israels Gründungsvätern und -müttern nicht nur Zionisten waren, die den Juden ein eigenes Land geben wollten. Sie waren auch Linke, und das mit all ihren Irrtümern – Stalinisten, die Moskau bejubelten, Ethnozentristen, die die jüdischen Einwanderer aus arabischen Staaten missachteten und die die im Land lebenden Araber verachteten.

Aber diese aus Europa stammende Generation hat damals eben auch eine nach Gerechtigkeit und Gleichheit suchende Gesellschaft geprägt. Israel war auch einmal das Land, dessen jüdische Einwohner nicht nur den Gesetzen des Raubtier-Kapitalismus unterlagen und in dem keine Bettler auf den Straßen übernachten mussten.

Viele Linke haben sich später berichtigt. Es entstand eine mächtige Friedensbewegung. Doch es ist nie mehr gelungen, der Bevölkerung ein mehrheitsfähiges Projekt anzubieten. Der Likud versprach Stärke und Macht, und dagegen hatten Sozialdemokraten, Linke und Friedenssuchende nur mehr Fragen als Antworten anzubieten. Bei den vorgezogenen Neuwahlen im April droht das, was von Linken und Liberalen noch übriggeblieben ist, zermahlen zu werden von Nationalisten und Religiösen. Israel ist militärisch stark, wirtschaftlich potent, politisch aktiv. Aber von Gerechtigkeit und Frieden ist dieser kleine Staat heute weit entfernt. Amos Oz hat das gewusst. Er hat gegen die Müdigkeit der Aktivisten gekämpft, er war sein Leben lang ein Optimist. Er wird Israel fehlen.

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Jahrgang 1957, ist Leiter von taz.eins, dem Ressort, das die Seite eins und die Schwerpunktseiten plant und produziert. Er ist seit den 1980er Jahren bei der taz und war u.a. Chef vom Dienst und Ressortleiter im Inland. Seine Themenschwerpunkte sind Zeitgeschichte und der Nahe Osten. Hillenbrand ist Autor mehrerer Bücher zur NS-Geschichte. Zuletzt erschien von ihm herausgegeben: "Die letzten Tage des deutschen Judentums", Hentrich & Hentrich 2017

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