Kommentar von Malte Kreutzfeldt

Halbherzig wie die Gaderobe ist das, was Grüne (hier Trittin und Özdemir) und SPD bei den Verhandlungen rausgeholt haben. Bild: dapd
Die Opposition gibt sich mächtig stolz. Ein paar Milliarden mehr für Wachstumsprogramme in Europa und ein nun klareres Bekenntnis zur Finanztransaktionsteuer – das haben SPD und Grüne für ihre Zustimmung zum Fiskalpakt rausgeholt. Das sind zwar richtige Schritte.
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Aber im Vergleich zum Verhandlungsstand von vor zwei Wochen hat sich kaum etwas verändert. Das ist vor allem deswegen so ernüchternd, weil die Dramatik der Krise in dieser Zeit immer deutlicher geworden ist – und zwar trotz des eurofreundlichen Wahlergebnisses in Griechenland.
Die Zinsen in Spanien steigen auf ein Rekordniveau, das alle Konsolidierungsbemühungen zunichtemacht. Die Wirtschaft im Euroraum bricht ein, die Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa erreicht dramatische Ausmaße. Dagegen helfen keine Wachstumsimpulse, die um ein Vielfaches geringer sind als die vorherigen Kürzungen. Und dagegen hilft kurzfristig auch keine Finanztransaktionsteuer, mag sie aus anderen Gründen auch noch so wünschenswert sein.

Malte Kreutzfeldt
ist Parlamentskorrespondent der taz mit Schwerpunkt Ökologie und Wirtschaft.
Foto: tazNötig ist stattdessen neben einer Steigerung der staatlichen Einnahmen ein Mechanismus der gegenseitigen Haftung für europäische Schulden, der die Wucherzinsen für Staatsanleihen beenden und gleiche Bedingungen für alle Staaten herstellen würde. Während Europa sich in dieser Frage weitgehend einig ist, stellt die Bundesregierung sich aus nationalem Eigennutz und Angst vor den Wählern quer.
Und SPD und Grüne verzichten – ebenfalls mit Blick auf die öffentliche Meinung – in diesem Punkt auf den Konflikt. Diese Feigheit ist als solches schon bedauerlich. Dass Rot-Grün nun aber sogar noch vor dem nächsten EU-Gipfel zugestimmt hat und damit den anderen Europäern in den Rücken fällt, ist schlicht unbegreiflich.
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Leserkommentare
23.06.2012 05:13 | gustav
Die alles entscheidende Frage ist: ...
22.06.2012 13:59 | Humbug
Ein geeintes Europa heißt, gemeinsam auf-oder absteigen. Was wir jetzt haben, ist ein "Lego-System", wo die Bausteine nicht ...
22.06.2012 12:10 | Malte Kreutzfeldt
Eine Reihe von Kommentaren geht offenbar von falschen Vorstellungen aus. Das von SPD und Grünen geforderte Modell, um das a ...