Kommentar Eritrea und Äthiopien

Unumkehrbarer Frieden

Eritrea und Äthiopien haben sich jahrzehntelang erbittert bekriegt. Jetzt ist eine politische Annäherung im Gang, die Hoffnung macht.

Die Präsidenten von Eritrea und Äthiopien stehen nebeinander, die jeweiligen Landesflaggen daneben

So viel Eintracht war nie: die Präsidenten von Eritrea und Äthiopien Foto: reuters

Der Versöhnungsprozess, der sich derzeit zwischen Äthiopien und Eritrea abspielt, ist ein positives Signal für die ganze Welt. Zwei Nationen, die sich mehrfach erbittert bekriegt haben – erst in Eritreas jahrzehntelangem Befreiungskampf gegen äthiopische Besatzung, danach in einem völlig sinnlosen Wüstenkrieg um den Grenzverlauf –, finden nun wieder zusammen, einfach so. Nicht nur haben sich die starken Männer der beiden Länder gegenseitig besucht und Frieden geschlossen. Viel wichtiger ist, dass die Bevölkerungen beider Länder sich die Verbrüderung der Mächtigen zu eigen machen.

Zu Hunderttausenden haben Eritreer dem äthiopischen Premierminister zugejubelt und Äthiopier dem eritreischen Präsidenten, und jede Möglichkeit, Kontakte über die Grenzen zu knüpfen, wird geradezu stürmisch genutzt. Die emotionale Betroffenheit der Menschen, mehr noch als feierliche Unterschriften und Bekenntnisse der Mächtigen, macht den neuen Frieden am Horn von Afrika unumkehrbar. Und das ist von unschätzbarer Bedeutung in einer der explosivsten Regionen der Welt, zwischen den schier unlösbaren Konflikten von Jemen, Somalia und Südsudan mit ihrem unermesslichen menschlichen Leid.

Eigentlich überhaupt nicht bemerkenswert, aber dennoch erwähnenswert ist, dass es dafür keinen äußeren Impuls gebraucht hat – es ist wohl sogar eher das Fehlen jeder äußeren Einflussnahme, die den beiden Machthabern Isaias und Abiy ermöglicht, ihren Friedensschluss als eigenen, souveränen Entschluss darzustellen und damit kein Gesicht zu verlieren.

Zwar waren zuvor die Mechanismen und Institutionen der Vereinten Nationen nötig, um den neutralen Rahmen zu setzen, in dem der Frieden entstehen konnte – aber es brauchte den Mut zweier Politiker, um diesen Rahmen zu nutzen, und es braucht die Begeisterung der Menschen, um ihn mit Leben zu erfüllen. Für ausweglos erscheinende ­Konflikte anderswo steckt darin ein wichtiges Hoffnungszeichen.

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Seit 2011 Co-Leiter des taz-Auslandsressorts und seit 1990 Afrikaredakteur der taz.

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