Kommentar von Jan Kahlcke
Die Flüchtlings-Sammelunterkunft im Bremer „Viertel“ ist genau das richtige Signal – sogar in Zeiten, in denen Sammelunterkünfte eigentlich nicht mehr sein sollten. Denn anders als die meisten anderen Immobilien, die auf diesen Namen hören, entspricht sie eben nicht dem Klischee, das man damit verbindet: Es ist keine heruntergekommene Kaserne, in die Hunderte von Flüchtlinge gepfercht werden, irgendwo am Ende der Stadt, isoliert vom Rest der Bevölkerung und mit zwei Linienbussen am Tag.
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Im Gegenteil: Sie ist verhältnismäßig klein, hat einen relativ guten baulichen Standard, liegt fußläufig zur Innenstadt und ihrer Infrastruktur – und mitten in einem funktionierenden Gemeinwesen. In einem Stadtteil, der von seiner Struktur her bürgerlich ist, in dem Nichtdeutsche aber dennoch ganz selbstverständlich zum Straßenbild gehören. Und in der Nähe von antirassistischen Initiativen und Treffpunkten.
Dass just jenes links-bürgerliche Milieu, in dem man immer stolz auf die eigene Liberalität gewesen ist, nun gegen die Flüchtlingsunterbringung vor der eigenen Haustür mobil macht, zeigt, wie weit diese Liberalität reicht: Bis zur eigenen Komfortzone. Es setzt der Verlogenheit die Krone auf, wenn sich dieser Widerstand unter dem Deckmäntelchen der Fürsorge für die Flüchtlinge tarnt. Wer je eine Flüchtlingsunterkunft gesehen hat, muss wissen, dass diese geeignet ist.
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Leserkommentare
21.11.2012 10:43 | Nachdenker
100% Zustimmung zu diesem Kommentar. Aber trotzdem eine Frage: Wie nah wohnt der Autor selbst an der nächsten Flüchtlingsun ...