Kommentar von Kristina Pezzei
Nach vielen Diskussionen, Protesten und Klagen stehen die Flugrouten für Schönefeld jetzt fest. Verlierer sind die Menschen im Osten der Stadt. Doch die Debatte der letzten eineinhalb Jahre hat auch Tausende Gewinner hervorgebracht: Der Südwesten mit Potsdam darf ruhiger schlafen, als es mit dem ursprünglichen Vorschlag möglich gewesen wäre. Die Köpfe dieses erfolgreichen Aufstands stehen für eine neue Demo-Generation: Sie sind unideologisch, effizient, medienaffin - und damit erfolgreich.
Beispiel Marela Bone-Winkel: Sie war eine der Ersten, die die Dimension dessen begriffen, was die Deutsche Flugsicherung am 6. September 2010 vorstellte: Statt vom Flughafen geradeaus über Brandenburger Dörfer zu düsen, sollten Flugzeuge auf einmal quer über Südwestberliner Villengebiet fliegen. Innerhalb weniger Tage hatte die promovierte Unternehmensberaterin eine Initiative aus dem Boden gestampft und Kontakte zu Politikern geknüpft. Sie forderte nicht, den Flughafenbau einzustellen: Bone-Winkel kommt aus der Wirtschaft und kann einschätzen, was machbar ist. Als sie ihr Ziel erreicht wähnte, verschwand sie aus der Öffentlichkeit so schnell, wie sie dort erschienen war. Sie hat vier Kinder, sie arbeitet an einer neuen beruflichen Perspektive. Projektarbeit ist für sie Alltag.
Beispiel Markus Peichl: Der Medienprofi, Exchefredakteur der Zeitschrift Tempo, organisierte den Potsdamer Protest. Er brüllte sich auf Demos heiser, gegenüber Flughafenvertretern verpackte er seine Botschaft in bärbeißigen Charme. Auch Peichl ist aus der Öffentlichkeit verschwunden, seit sein Ziel erreicht ist. Er kümmert sich um eine Galerie - ein neues Projekt.
Die "Altbetroffenen", wie sie im Protestiererjargon genannt wurden, sehen dagegen tatsächlich alt aus: jene Brandenburger, die sich schon gegen die Standortentscheidung für Schönefeld vergeblich wehrten. Viele sind verbittert, weil sie einst bei den Medien kaum Gehör fanden, haben sich in Verschwörungstheorien und Ost-West-Konflikte hineingesteigert oder halten an unrealistischen Maximalforderungen fest ("Flughafen verlegen").
Eigentlich haben sie alles richtig gemacht: protestiert, Briefe geschrieben, sich informiert. Aber sie waren zu früh dran und irgendwann zu spät, sie haben nicht verstanden, die Medien für sich zu instrumentalisieren, und sie haben sich mehr der Ideologie verschrieben als der Effizienz. In Blankenfelde, Mahlow und Zossen spielen sich die wahren Tragödien um den neuen Flughafen ab.
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Es ist ein echtes großes Drama, das sich da in Griechenland abspielt. Ein Drama über die Demokratie, die Unregierbarkeit. Dieses Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das Drama genießen.

Leserkommentare
26.01.2012 12:03 | Generation Projekt
Eben, was ProjektlerInnen darstellen: kein Zusammnehang herstellend, mal hier und mal da einen 'Fußabdruck' setzen. 'Genera ...
26.01.2012 10:40 | Stefan
Ich hätte es den Villenvierteln gegönnt!
26.01.2012 10:04 | Enzo Aduro
Und die Taz hat mitgemacht. ...