Kommentar von Heide Oestreich
Das überrascht dann doch. Gerade ist das Zeitfenster für eine gesetzliche Frauenquote für die Wirtschaft sperrangelweit geöffnet, da kommt diese Minderheit einiger Frauen in der Splitterpartei FDP und haut es zu – ganz ohne Not.
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Die FDP-Fraktion, so steht es in ihrem Brief an CDU-Frauenministerin Kristina Schröder, will keine Quote. Keine 30-Prozent-Quote wie Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), eine überfraktionelle Gruppe und sogar ihre eigene FDP-Frauenorganisation, die Liberalen Frauen. Und noch nicht mal diesen Hauch von Nichts, den Kristina Schröder als „Flexiquote“ verkauft. Die wäre nichts weiter als eine Selbstverpflichtung der Wirtschaft in Gesetzesform.
Dabei sieht es im Moment extrem gut aus für so eine Regelung: Andere Länder wie Norwegen und Frankreich machen es gerade vor. Eine Allparteienkoalition mit der Wortführerin von der Leyen will 30 Prozent. Am Montag wird EU-Kommissarin Reding eine Regelung für Frauen in der Wirtschaft vorschlagen. Und sogar die Frauen aus der FDP sind dafür. Alle bewegen sich auf der Quotenstraße, nur die FDP-Fraktion bleibt in Ignorantenhausen stehen – sehr allein. Zu allein, denn der Postfeminismus der Neunziger („Wir schaffen alles allein“), der aus ihrer Haltung spricht, ist offenkundig von gestern.
Spannend wird also in den nächsten Wochen, wie die Union mit der Außenseiterposition der FDP umgeht. Von Kristina Schröder ist nichts zu erwarten, sie knickte bereits am Sonntag ein. Aber es gibt eine überfraktionelle Mehrheit für eine feste Quote – mit den Unionsfrauen. Und es wird eine Ansage aus Brüssel geben. Die wird tragen, wenn Ignorantenhausen gar nicht mehr auf der Landkarte der nächsten Regierung zu finden ist.
Es trifftt zwar die Richtigen – aber mit ihren Schnüffelaktionen haben die Briten Misstrauen und Zwietracht in der internationalen Politik gefördert. von Malte Kreutzfeldt

Die taz-Sonderausgabe zum Internationalen Frauen am 8. März 2012 widmet sich dem Thema „Das riskante Spiel mit der Unterwerfung“. Worum geht es?
Ist es weibliche Unterwerfung, wenn Mädchen dem gängigen Schönheitsideal folgen, wie Natasha Walters meint? Ist es weibliche Unterwerfung, wenn Frauen sich auf die Mutterrolle zurückziehen, wie Bascha Mika behauptet?
Hat sich etwas verändert? Muss man neue Namen dafür finden, wie Frauen sich ins System einpassen? Wir wollen uns diese merkwürdigen Formen weiblicher Unterwerfung genauer ansehen: Wer lügt sich etwas in die Tasche? Wer ignoriert seine unterlegene Position? Es gilt komplexe Fragen zu klären.
Essay: Charlotte Roche ist Masochistin. Bascha Mika wittert feige Frauen überall. Und die Mädels von heute zeigen sich nur noch als Sexobjekt. Die Renaissance der weiblichen Unterwerfung.
Bericht: Eine Frau, die sich trennt, verliert nicht nur den Mann. Auch Freundinnen distanzieren sich. Ein Paartherapeut gibt Auskunft über Unterwerfung aus weiblicher Verlustangst.
Protokoll: Eine Ingenieurin spricht über merkwürdige Rituale am Arbeitsplatz. Eine Geschichte über starke Nerven.
Streitgespäch: Markiert die Quote weibliche Schwäche oder weiblichen Kampfgeist? Die Unternehmensberaterinnen Marianne Heiß und Monika Schulz-Strelow über Frauen in der Komfortzone und Männerrituale in der Chefetage.
Interview: Sexualität und Ungleichheit: Das Spiel mit der Unterwerfung. Sexpertin Laura Meritt über die Kunst des Masochismus, feministische Pornos und offene Beziehungen.
Vignetten: Sind Mädchen mit Highheels Schlampen? Und wer will eine Freundin auf Augenhöhe? Vier Jugendliche geben Auskunft über emanzipierte Mädchen und Jungen.
Feature: Eine Frau aus Vietnam. Müssen Importbräute sich ihren deutschen Männern unterwerfen? Nicht unbedingt, wie unser Beispiel zeigt.
Betrachtung: Strategisches Schweigen oder kleinlaute Feigheit? Katja Kullmann denkt über den merkwürdig schweigsamen Feminismus der berufstätigen Frau Ende dreißig nach.
Report: Komissarinnen, Agentinnen, Chefinnen: Sind die Superweiber im Film die Krone der Emanzipation? Über eine besondere Art der Unterwerfung.
Ein Pferd beim Plantschen, jede Menge Mangos und Herr Müller-Lüdenscheidts Alptraum. Unsere Bilder der Woche.

Körperfülle, Farben, Bärte oder Buchstaben. Gehörlose haben eindeutige Bezeichungen für Politiker.

Die Demonstranten in Istanbul sind hartnäckig. Trotz harter Polizeieinsätze verharren sie auf dem Taksim-Platz.

Demonstranten auf dem Taksim-Platz, Wasser auf dem Autobahnkreuz, Nadeln auf dem Tiger. Unsere Bilder der Woche.


Leserkommentare
06.03.2012 09:03 | Horsti
Wie verlogen sind die Parteien eigentlich? Da wird ein, angeblicher Lohnrückstand von Frauen scharf kritisiert, aber für ke ...
06.03.2012 01:42 | Dipl-Soz Frank Wolfram Wagner
Es gibt so Themen ,da muss man den Kommentar der Redakteurin gar nicht lesen ,man weiss schon was drin steht.Hätte Oskar La ...
05.03.2012 23:44 | Steffi
Na gegen Quoten aller Art zu sein gehört halt zum liberalen Markenkern und mit dem schmeißt sie jetzt um sich weil man bei ...