Für Muslimfeinde sind die Bilder ein Erfolg

Der Mechanismus der Gewalt

Erschreckend ist, wie Muslimfeinde mit wenig Geld ein Flächenbrand auslösen können. Es gibt leider keinen Weg das zu verhindern. Denn Zensur ist keine Lösung.

Der Mechanismus, mit dem radikale Muslime zu heftigen Protesten provoziert werden können, ist bekannt. Durch beleidigende Bilder oder Karikaturen über den Propheten Mohammed fühlen sich viele Menschen gedemütigt. Sie stürmen die Botschaften und verbrennen Flaggen der vermeintlich schuldigen Staaten aus dem Westen. Im Zweifel reagiert die Polizei. Blut, Tote und Verletzte sind die Folgen. Oder die Staatsmacht tut nichts. Dann beginnt eine Menschenjagd.

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Es sind keine positiven Bilder der Anhänger einer Weltreligion, die in diesen Tagen um die Welt gehen. Sie laden dazu ein, Ressentiments gegen den Islam als eine vorgeblich gewalttätige Religion zu bestätigen. Genau darum scheint es aber den Urhebern jenes unsäglichen Videos namens „Unschuld der Muslime“ gegangen zu sein. Randalierende Salafisten sollen die These von der „Schuld der Muslime“ beweisen. Die Bilder dieser Tage sind für diese christlichen Fundamentalisten ein voller Erfolg.

Als Kurt Westergaard vor sieben Jahren seine umstrittenen Karikaturen Mohammeds zeichnete, da war sein Motiv gewiss nicht, damit einen Proteststurm in der islamischen Welt auszulösen. Heute aber scheinen die Urheber des Videos genau dies von Beginn an verfolgt zu haben. Um ihre Wirkmächtigkeit zu erhöhen, logen sie gar noch, der Filmemacher sei Israeli, seine Finanziers Juden und ein Unterstützer ägyptischer Christ – also im Weltbild radikaler Muslime gefährliche Gegner.

Es ist leider so: Muslimfeinde können heute mit dem Einsatz von ein paar Dollars, Wüstenwandtapeten und drittklassigen Schauspielern für gefährlichen Krawall in der islamischen Welt sorgen.

Das Furchtbare aber ist: Es gibt keinen einfachen Weg, um genau dies zu verhindern. Es ist nicht zu erwarten, dass in naher Zukunft von ihrer Religion motivierte Terroristen im arabischen Raum davon ablassen, Botschaften anzugreifen und Menschen zu ermorden.

Von der Säkularisierung ist diese Region noch weit entfernt. Genauso wenig können wir auf Einsicht unter muslimhassenden geistigen Brandstiftern im Westen hoffen. Sie werden weiter ihr Spiel treiben. Fatal aber wäre es, wegen der muslimischen Proteste eine Einschränkung der Meinungsfreiheit im Westen auch nur zu diskutieren. Denn auch die Publikation von Hassvideos gehört zur Freiheit.

 
14. 09. 2012

Jahrgang 1957, ist Leiter von taz.eins, dem Ressort, das die Seite eins und die Schwerpunktseiten plant und produziert. Er ist schon seit Ewigkeiten bei der taz und war u.a. Chef vom Dienst und Ressortleiter im Inand. Seine Themenschwerpunkte sind Zeitgeschichte und der Nahe Osten.

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