Kommentar von Rafael Seligmann
Wie hältst du’s mit Israel? Diese Frage lässt nicht allein den Moralprediger von eigenen Gnaden, Günter Grass, „mit letzter Tinte“ kritzeln, „Was gesagt werden muss“: dass gemäß seinem Urteil die „Atommacht Israel […] den Weltfrieden“ gefährdet. Das entscheidende Wort aber hat die Politik.
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Angela Merkel, seit ihrem Röttgen-Rausschmiss als eiskalte Machtpolitikerin verschrien, hegt gegenüber dem Judenstaat eine idealistische Haltung. In ihrer Rede vor der Knesset 2008 ließ sie sich von historischer Verantwortung leiten und betonte, Israels Sicherheit sei für Deutschland Staatsräson und für Berlin „niemals verhandelbar“.
Bei seinem Besuch in Israel dagegen vermied es Joachim Gauck, die Merkel’sche Formel von der Sicherheit Zions als deutsche Staatsräson zu verwenden. Das ist realistisch, denn im Kriegsfall – mit dem in der Region angesichts der iranischen Proklamation, Israel zu vernichten, und Teherans Anstrengungen, Kernwaffen zu entwickeln, jederzeit zu rechnen ist – wäre ein militärisches Eingreifen Berlins zugunsten Zions unwahrscheinlich.
ist Autor der taz.
Andererseits war das Abrücken des Bundespräsidentenneulings Gauck realpolitisch unklug. Denn durch den atmosphärischen Rückzieher des Präsidenten nimmt der Druck auf Iran ab. Gerade jetzt aber sollte politisch alles getan werden, um den Ausbruch eines Krieges zu verhindern.
Gauck ist ein Freund Israels. Als solcher kritisiert er dessen Siedlungspolitik. Das ist in Deutschland populär, wo 59 Prozent der Menschen Zion für aggressiv und mehr noch für „rücksichtslos“ halten. Doch einer Friedenslösung hat Gauck nicht gedient. Da wäre ein verbales Festhalten an Merkels Aussage bei gleichzeitigem Zureden zum Ausgleich mit den Palästinensern wirksamer gewesen.
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Leserkommentare
03.06.2012 17:09 | Julius
@Richard da Cunha
03.06.2012 15:46 | Richard da Cunha
@Julius - "Du unterstützt Israel nicht /bedingungslos/, also bist du gegen Israel. Du bist gegen Israel, also hasst du Jude ...
03.06.2012 13:01 | Julius
An den Kommentaren zu Herrn Seligmanns Beitrag sieht man, wie die Deutschen ihrer über 1500 Jahre langen „Traditionen“ pfle ...