Kommentar von Bernd Kramer
Erkundigt man sich bei einer Universität danach, welche Firmen ihr so alles Geld überweisen, erhält man fast ausnahmslos keine Antwort. Aus Rücksicht auf die Geschäftsinteressen der Partner aus der Wirtschaft, wie es dann heißt.
Ist Ihnen dieser Artikel etwas wert?
Zu viel Einblick mag diese Interessen zwar tatsächlich gefährden – aber das Argument darf eben nicht gelten, wenn private Unternehmen sich als Kooperationspartner an den Staat wenden. Wer etwas zu verbergen hat, soll bitte woanders sein Geld verdienen. Egal ob es eine Behörde ist, ein Staatsbetrieb oder eben eine Hochschule: Verträge zwischen privater und öffentlicher Seite haben grundsätzlich öffentlich zu sein. Transparenz ist hier ein Gebot der Demokratie.
Bei Hochschulen kommt ein Punkt hinzu, der die Sache besonders brisant macht: Diese Institutionen sind keine bloßen Funktionsstellen; sie sind von jeher mit Freiheiten ausgestattet, ohne das dafür klare Gegenleistungen festgelegt wären. Das gilt insbesondere für die Riege der Professoren.
Bernd Kramer ist Bildungsredakteur der taz.
Wer einen Lehrstuhl sein Eigen nennt, muss keinen Vorgesetzten fürchten, genießt den Vorzug der freien Zeiteinteilung und kann weitgehend lehren und forschen, was das Herz begehrt. Nicht zu vergessen die mehr als auskömmliche Bezahlung bis ans Lebensende.
Es gibt gute Gründe für diese Privilegien. Sie sollen eine Wissenschaft gedeihen lassen, die einzig der Forschung verpflichtet ist und die – so pathetisch diese Hoffnung klingt – vielleicht sogar eine bessere Zukunft für alle verheißt. Dieser Luxus verlangt von denen, die ihn genießen, aber auch ein besonderes Maß an Verantwortungsgefühl.
Die Geheimniskrämerei verrät daher ein erschreckendes Selbstverständnis der Hochschulen: Sie scheinen sich nicht als Institutionen zu betrachten, die der Gesellschaft noch etwas schuldig wären. Das ist der eigentliche Skandal.
Veronica Ferres ist Lottofee, Peer Steinbrück friert und das Oberlandesgericht macht einen auf Merchandise. von Friedrich Küppersbusch

Was die Berliner Technische Universität und die Humboldt Universität im Jahre 2006 mit der Deutschen Bank aushandelten, ging über das übliche Maß der Auftragsforschung weit hinaus. Und die Öffentlichkeit bekam davon wenig mit.
Bei der Gründung eines Instituts für Angewandte Finanzmathematik sicherte sich die Deutsche Bank damals weitreichende Mitbestimmungsrechte. Laut Sponsoren- und Kooperationsvertrag wurde die Bank an der Auswahl der Professoren beteiligt und durfte über die Forschungs- und Lehrinhalte des Instituts gleichberechtigt mitbestimmen. Das letzte Wort sollte aber ein Manager der Bank haben. Die Universitäten stimmten auch zu, alle Forschungsergebnisse mindestens 60 Tage vor Veröffentlichung der Bank vorzulegen.
Die Hochschulen erlaubten der Bank außerdem, zu Zwecken der Personalrekrutierung Infomaterialien über die Hauspost zu versenden und willigten ein, Unternehmenspräsentationen auf dem Campus zu ermöglichen. Und zwar gratis. Ein Einzelfall? Oder die Regel?
Wie weit gehen Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft? Wo sind Grenzen überschritten? Die taz will weiter aufklären. Hinweise und Dokumente bitte an: unileaks@taz.de oder per Post an: taz - die tageszeitung, z.Hd. Anna Lehmann, Stichwort "Uni-Leaks", Rudi-Dutschke-Straße 23, 10696 Berlin.
Alle Hinweise werden streng vertraulich behandelt.
Von Stierhörnern in Stierkämpfern, Zombies und menschlichen Engeln. Unsere Bilder der Woche.

Das Handy hat Geburtstag: Eine kurze Geschichte der ebenso erfolgreichen wie nervtötenden Erfindung.

Was der nordkoreanische Führerkult mit Raketen und Rammlern aus Brandenburg zu tun hat.

Schnee verpiss dich, keiner vermisst dich. Der Frühling muss kommen. Jetzt, sofort. Hau rein, Lenz!


Leserkommentare
24.01.2013 13:40 | anke
Kann es sein, dass der "eigentliche Skandal", von dem hier die Rede ist, Ursachen hat, sehr geehrter Herr Bildungsredakteur ...