piwik no script img

Kommentar Imam-Ausbildung Schritt in die richtige Richtung

Gernot Knödler

Kommentar von

Gernot Knödler

Nicht-fundamentalistischen Muslimen wird so gegenüber den von Saudi-Arabien geförderten Radikalen der Rücken gestärkt.

D ie Weiterbildung für Imame in Osnabrück ist keine große Sache. Es handelt es sich um einen Integrationskurs für Imame. Dahinter steht die Idee, dass diese einerseits ihre Gemeindemitglieder besser unterstützen können; andererseits die Hoffnung, dass sie in die Gemeinden hinein als Multiplikatoren wirken können. Außerdem - und das ist das Wichtigste - positioniert sich die Universität im Wettlauf um die Einrichtung von Islam-Instituten an deutschen Universitäten.

Dieser Vorgang zeigt, dass der Islam tatsächlich dabei ist, in Deutschland anzukommen. Den geplanten Lehrstühlen wächst dabei eine Schlüsselfunktion zu: Die Religion großer Einwanderergruppen wird damit ernst genommen, ihre Vertreter werden zu Gesprächspartnern auf Augenhöhe. Für den Islam bedeutet das umgekehrt, dass er sich der Diskussion stellen muss.

Nicht-fundamentalistischen Muslimen wird so gegenüber den von Saudi-Arabien geförderten Radikalen der Rücken gestärkt. In Europa könnte ein Raum entstehen, sich angstfrei über theologische Fragen auseinanderzusetzen. An vielen arabischen Hochschulen ist das derzeit nicht möglich.

Mit Eurozentrismus hat das nichts zu tun. Die Muslime könnten vielmehr an eine islamische Tradition der Aufklärung anknüpfen. Davon, dass diese zur Zeit unseres Mittelalters zu verkümmern begann, hat sich der Islam bis heute nicht erholt.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Gernot Knödler

Gernot Knödler Hamburg-Redakteur

Mehr zum Thema

0 Kommentare