Kommentar von Georg Blume
Es ist die alte indische Krankheit: gute Vorsätze, gute Gesetze, doch eine katastrophale staatliche und behördliche Praxis. Dabei hatten sich Regierung und Behörden in Delhi durchaus etwas vorgenommen.
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Nach der brutalen Vergewaltigung einer 23-jährigen Medizinstudentin im vergangenen Dezember war der Zorn der Hauptstadtbevölkerung groß genug.
Und er galt nicht nur den Vergewaltigern, sondern auch Staat und Behörden. Weil sich die Polizei nicht beeilt hatte, das Vergewaltigungsopfer zu retten. Weil die Regierung zu dem Vorfall lange Zeit schwieg. Weil Politiker und Gurus Macho-Sprüche klopften.

Georg Blume
berichtet seit 2009 für die taz und die Zeit aus Indien und Pakistan. Davor arbeitete er von 1990 bis 1997 als Korrespondent in Tokio und danach 12 Jahre in Peking, wofür ihm 2007 der Liberty Award verliehen wurde.
Foto: Nicole SturzAber dann schien die indische Demokratie doch zu funktionieren: Die Delhier Polizei bekam auf allen Stationen rund um die Uhr Frauenpersonal. Das Justizministerium schuf neue Schnellgerichte, um mit Tausenden aufgestauter Vergewaltigungsprozesse fertig zu werden. Und die Regierung verabschiedete eine Verordnung, die Vergewaltigungen strenger bestraft.
Jetzt sieht das alles wie politischer Aktionismus aus. Es zeigt sich erneut: Indien ist nur auf der Oberfläche demokratisch, in Wirklichkeit herrscht ein zutiefst undemokratischer bürokratischer Apparat. Justiz und Polizei sind ein Teil davon. Im Alltag dienen sie nicht dem Volk, sondern gängeln und misshandeln es – in alter britischer Kolonialtradition. Etwas anderes kennt man in Indien gar nicht.
Symbolisch für dieses unberechenbare System steht jetzt auch der Zellentod des Hauptangeklagten im Delhier Vergewaltigungsprozess. Egal ob der von allen verhasste Angeklagte nun von seinen Mitinsassen oder Wächtern getötet wurde oder sich selbst das Leben nahm: Die indischen Behörden haben es wieder mal nicht geschafft, ein anständiges Verfahren zu gewährleisten. Auf den Staat ist in Indien einfach kein Verlass.
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Leserkommentare
12.03.2013 07:58 | Jörn
Statt Strafverfolgung der Täter gibt es noch viel zu oft eine Ächtung der Opfer. Dies muss sich ändern. ...
12.03.2013 01:54 | Daniel
"Etwas anderes kennt man in Indien gar nicht." ...
11.03.2013 21:58 | Jotha
Aber hallo Herr Blume, ...