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Kommentar IntegrationsgipfelSymbolische Gesten reichen nicht aus

Daniel Bax

Kommentar von

Daniel Bax

Der Integrationsgipfel droht zur Karikatur seiner selbst zu werden. Damit er keine bloße Showveranstaltung wird, muss die Bundesregierung konkreter werden.

F ast sechs Jahre ist es her, dass Angela Merkel den ersten Integrationsgipfel im Kanzleramt einberief. Das war damals ein großer Schritt, denn er besiegelte die Abkehr von der Vorstellung, dass Deutschland kein Einwanderungsland sei. Unter Helmut Kohl hatte vor allem die Union diese Illusion über Jahrzehnte hinweg hingebungsvoll gepflegt.

Von Anfang an war klar, dass die Versäumnisse nicht auf die Schnelle aufzuholen waren. Trotzdem ist es enttäuschend, wie wenig in den vergangenen Jahren passiert ist. Wenn die Bundesregierung jetzt versucht, mit einer bloßen Anzeigenkampagne um mehr Migranten im öffentlichen Dienst zu werben, dann ist das fast schon ein Offenbarungseid. Denn dieses Ziel hatte sie schon vor fünf Jahren ausgegeben. Dass sie seither fast nichts erreicht hat, zeigt, dass ihre Politik bislang nicht einmal den eigenen Ansprüchen genügt.

Für die Bundesregierung erschöpft sich Integration vor allem darin, Einwanderern und deren Kindern das Erlernen der deutschen Sprache zu erleichtern. Darum ist sie so stolz auf ihre kleinen Erfolge bei der frühkindlichen Sprachförderung und auf ihre "Integrationskurse", in denen erwachsene Einwanderer ihre Deutschkenntnisse verbessern. Im Bildungswesen, auf dem Arbeitsmarkt aber hat sich die Situation für Migranten kaum verbessert. Im Gegenteil: Von populistischen Debatten getrieben, kam Merkel ihren eigenen Bemühungen immer wieder in die Quere. Mal beschloss die Bundesregierung über die Köpfe der Betroffenen hinweg, die Gesetze zum Ehegattennachzug zu verschärfen, was vor allem Einwanderer aus der Türkei diskriminierte. Ein anderes Mal erklärte Merkel kurzerhand "Multikulti" für gescheitert.

DANIEL BAX

ist Redakteur für Integration und Migration bei der taz.

Um den Integrationsgipfel zu retten, muss sich die Bundesregierung von dem Paternalismus verabschieden, der bisher ihre Vorstellung von Integration prägt. Niemand muss Migranten "an die Hand nehmen". Weit mehr wäre gewonnen, würden Strukturen und Vorurteile abgebaut, die eine echte Gleichberechtigung verhindern.

Symbolische Gesten des guten Willens reichen auf Dauer nicht. Der Integrationsgipfel muss sich ändern: in einen Teilhabe- und Partizipationsgipfel - oder er gehört abgeschafft. Eine Showveranstaltung, bei der jeder bloß seinen guten Willen bekundet, ohne dass etwas daraus folgt, braucht kein Mensch.

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Daniel Bax

Daniel Bax Redakteur

Daniel Bax ist Journalist und Autor und schreibt über Politik, Kultur und Gesellschaft in Deutschland. Er arbeitet als Themenchef im Regieressort der taz und hat mehrere Bücher veröffentlicht: “Angst ums Abendland” (2015) über antimuslimischen Rassismus und “Die Volksverführer“ (2018) über den grassierenden Rechtspopulismus. Sein aktuelles Buch "Die neue Lust auf Links" über das Comeback der Linkspartei ist Ende 2025 im Goldmann Verlag erschienen. Impressum: Daniel Bax c/o taz, die tageszeitung. taz Verlags- und Vertriebs GmbH, Friedrichstr. 21, 10969 Berlin
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3 Kommentare

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  • JK
    Johannes Kruyskamp

    Was ist kritikwürdig daran Migranten zum Erlernen der deutschen Sprache anzuhalten ? Wenn sie diese Hürde nicht nehmen wollen sind ihre Chancen auf dem Bildungs- und Arbeitsmarkt natürlich minimal.

    Von einwandernden Ehegatten ein Minimum an Sprachkenntnissen zu fordern ist ist nicht nur notwendig sondern lebensnotwendig. Wie sollen sonst z. B. Notrufe bei Gewalt, Feuer usw. erfolgen?

    Diskutiert werden sollte aber nicht über die "Migranten" sondern über die integrationsverweigernden Gruppen, in diesem Fall leider besonders viele mit türkischem Hintergrund - oder kennen sie Sprachboykotteure aus Polen, Ungarn, Italien oder Spanien ?

  • A
    antiantianti

    Sie denken links und schreiben rechts.

  • M
    Mardok

    Eine Kommentarveranstaltung, bei der der Redakteur bloß seinen Willen bekundet, ohne dass etwas daraus folgt, braucht kein Leser.