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Kommentar Jugendberufsagentur Fehlen nur noch Angebote

Kaija Kutter

Kommentar von

Kaija Kutter

Es ist gut, wenn der Hamburger Senat jedem Jugendlichen eine Ausbildung verspricht. Nur darf es kein Alibi-Angebot sein, nach dem Motto: Wir haben’s ja versucht.

D er Anspruch, den die Hamburger SPD-Regierung mit der Jugendberufsagentur formuliert, ist zu loben. Es ist gut, wenn die Stadt ehrliche Zahlen darüber hat, welche Schulabgänger tatsächlich einen Ausbildungsplatz haben. Und es ist gut, wenn sie den Anspruch hat, wirklich allen ein Ausbildungsplatz-Angebot zu machen.

Doch durch die Zusammenlegung von Mitarbeitern der Arbeitsagentur und der Jobcenter ist das noch nicht getan. Man braucht darüber hinaus ausreichend gute Angebote, wie überbetriebliche Ausbildungsplätze und Produktionsschulen, die diese jungen Leute auffangen. Hier zeichnet sich noch nicht ab, wie ernst der Senat sein Versprechen meint.

Ob Druck und fehlende Freiwilligkeit ein Problem werden, wird der Alltag zeigen. Vielleicht wäre eine Ombudsstelle nicht schlecht, an die Jugendliche sich wenden können, die sich nicht unterstützt, sondern gegängelt fühlen.

Hier ist die Kritik sehr heftig. Es stimmt, dass jungen Leuten heute wenig Freiraum zugebilligt wird. Es ist aber auch ein großer Fehler, ihnen kein Angebot zu machen. Nur darf es kein Alibi-Angebot sein, nach dem Motto: Wir haben’s ja versucht.

Will man von Ausgrenzung bedrohten jungen Menschen helfen, ist der Blick der Kinder- und Jugendhilfe wichtig. Hier hat das Konzept eine Schwäche: Eine Jugendberufsagentur kann nicht der einzige Anlaufpunkt für junge Menschen sein.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Kaija Kutter

Kaija Kutter Redakteurin taz-Hamburg

Jahrgang 1964, seit 1992 Redakteurin der taz am Standort Hamburg für Bildung und Soziales. Schwerpunkte Schulpolitik, Jugendhilfe, Familienpolitik und Alltagsthemen.
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1 Kommentar

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  • V
    Verstehnix

    Ist das Leben eines Jugendlichen mit mehr Freiraum zur Entscheidung und Selbstfindung, aber dafür ohne Arbeit und Ausbildung und abhängig von staatlicher Unterstützung denn wirklich würdevoller?!

     

    Sicherlich, das Angebot muss gut sein. Aber wenigstens wird hier mal hin- und nicht weggeschaut.