Kommentar von Ines Kappert
Ich mag sie, unsere Frauen- und Familienministerin. Sie möchte so gern anders sein als alle ihre Vorgängerinnen und wenigstens ein bisschen Geschichte schreiben. Am Weltfrauentag, hat sie sich daher überlegt, stelle ich mich nicht hin und bete nach, was die Frauenbewegung alles erreicht hat und was noch vor "uns" liegt. Kommt nicht infrage, das machen ja alle. Ich bleibe standhafte Männerversteherin, und am Frauentag kriegen zwei engagierte Väter 5.000 Euro. Zwei werden sich finden, das schafft mein Büro schon, das klappt. Ich übernehme die Schirmherrschaft.
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Hat sie recht behalten? Ja, hat sie. Zwei Männer haben die Kinderbetreuung übernommen, ihre Frauen machen indessen Karriere. Jetzt kriegen diese Spitzenväter noch ein bisschen Taschengeld und kaufen ihrer Familie lebenslang ein Eis aus eigener Tasche. Sie sind jetzt Vorbild und werden all die Banker und Unternehmer mit ihren 50, 60, 70 Stundenwochen (oder waren es hundert?) beeindrucken.
Die Spitzenväter werden bei den Spitzenverdienern eine Sehnsucht nach dem einfachen Leben wecken, nach dem, um was es eigentlich geht, nämlich das Leben wieder mit Kinderaugen zu sehen. Alsbald werden sie das Berufsleben so umgestalten, dass keine Karriere mehr zwischen Kind und Eltern steht, alles wird gut.

INES KAPPERT
ist Leiterin des Meinungsressorts der taz.
Foto: Wolfgang BorrsIm Moment sieht es ja auch wieder ganz gut mit der Koalition aus, also dürfte uns Frau Schröder noch mindestens zwei Jahre erhalten bleiben. Womit wir beim 11. November wären. Weltweit, fast, wird an diesem Tag der Männertag begangen: in Trinidad und Tobago hat es 1999 begonnen, und inzwischen sind Jamaika, Australien, Indien, die USA, Singapur, Malta, Südafrika, Ungarn, Irland, Ghana, Kanada und Dänemark mit von Partie. Deutschland fehlt.
Aber nicht mehr lange, Frau Schröder, oder? Es wäre die Gelegenheit, an dem Gedenktag für die Benachteiligung von Männern und Jungen zwei Frauen mit sieben Kindern in Spitzenpositionen auszuzeichnen. Frau von der Leyen mögen Sie zwar nicht, aber sie kennen Sie immerhin schon. Der Rest findet sich.
Die linke Regierung hat bei der Wahl noch einmal gesiegt. Sie verliert aber in der Bevölkerung und bei ihren Bündnispartnern an Unterstützung. von Jürgen Vogt

Die taz-Sonderausgabe zum Internationalen Frauen am 8. März 2012 widmet sich dem Thema „Das riskante Spiel mit der Unterwerfung“. Worum geht es?
Ist es weibliche Unterwerfung, wenn Mädchen dem gängigen Schönheitsideal folgen, wie Natasha Walters meint? Ist es weibliche Unterwerfung, wenn Frauen sich auf die Mutterrolle zurückziehen, wie Bascha Mika behauptet?
Hat sich etwas verändert? Muss man neue Namen dafür finden, wie Frauen sich ins System einpassen? Wir wollen uns diese merkwürdigen Formen weiblicher Unterwerfung genauer ansehen: Wer lügt sich etwas in die Tasche? Wer ignoriert seine unterlegene Position? Es gilt komplexe Fragen zu klären.
Essay: Charlotte Roche ist Masochistin. Bascha Mika wittert feige Frauen überall. Und die Mädels von heute zeigen sich nur noch als Sexobjekt. Die Renaissance der weiblichen Unterwerfung.
Bericht: Eine Frau, die sich trennt, verliert nicht nur den Mann. Auch Freundinnen distanzieren sich. Ein Paartherapeut gibt Auskunft über Unterwerfung aus weiblicher Verlustangst.
Protokoll: Eine Ingenieurin spricht über merkwürdige Rituale am Arbeitsplatz. Eine Geschichte über starke Nerven.
Streitgespäch: Markiert die Quote weibliche Schwäche oder weiblichen Kampfgeist? Die Unternehmensberaterinnen Marianne Heiß und Monika Schulz-Strelow über Frauen in der Komfortzone und Männerrituale in der Chefetage.
Interview: Sexualität und Ungleichheit: Das Spiel mit der Unterwerfung. Sexpertin Laura Meritt über die Kunst des Masochismus, feministische Pornos und offene Beziehungen.
Vignetten: Sind Mädchen mit Highheels Schlampen? Und wer will eine Freundin auf Augenhöhe? Vier Jugendliche geben Auskunft über emanzipierte Mädchen und Jungen.
Feature: Eine Frau aus Vietnam. Müssen Importbräute sich ihren deutschen Männern unterwerfen? Nicht unbedingt, wie unser Beispiel zeigt.
Betrachtung: Strategisches Schweigen oder kleinlaute Feigheit? Katja Kullmann denkt über den merkwürdig schweigsamen Feminismus der berufstätigen Frau Ende dreißig nach.
Report: Komissarinnen, Agentinnen, Chefinnen: Sind die Superweiber im Film die Krone der Emanzipation? Über eine besondere Art der Unterwerfung.
Bond-Schurkin, Stil-Ikone, Musikerin: Das Gesamtkunstwerk Grace Jones hat Geburtstag.

David Beckham beendet seine Fußballer-Karriere. Wird er jetzt etwa Vollzeitpapa, Model oder Frührentner? Ach, uns fallen da noch ein paar andere Sachen ein...

Ein echt fieser Augapfel, ein Harley-Davidson-Skelett, Buddha hat Geburtstag und jede Menge Quallen. Unsere Bilder der Woche.

14 Jahre war Thomas Schaaf Trainer bei Werder Bremen – genug Zeit, seinen trockenen Humor in vielen Interviewantworten unter Beweis zu stellen.


Leserkommentare
09.03.2012 19:22 | Donna Donnerhall
@Siegfried Bosch ...
09.03.2012 13:19 | Siegfried Bosch
Diese Ministerin ist -- entgegen aller Beteuerungen -- auch nicht anders als ihre feministischen Vorgängerinnen. Auch hier ...
09.03.2012 09:20 | Frauke Unterdrückte
Toll! Wir haben eine Frauenministerin, die es normal findet, dass die Bedingungen für Frauen langsam, gaaanz langsam, an di ...