Kommentar von STEFFEN GRIMBERG
Es war ein guter Tag für den MDR. Doch die Bedeutung der verkorksten Intendantenwahl von Leipzig geht weit über den gern mal belächelten ARD-Sender für Mitteldeutschland hinaus. Der MDR-Rundfunkrat hat das getan, wozu er da ist, er hat im Interesse der Menschen gehandelt, für die der öffentlich-rechtliche Rundfunk sendet.
Das bedeutet zum einen, keinen fragwürdigen Kandidaten wie Bernd Hilder ins Amt zu lassen. An dessen Qualifikation, als Regionalzeitungschef eine nicht ganz kleine, aber dafür durch mehrere Skandale schwer angeschlagene ARD-Anstalt erfolgreich zu führen, gab es mehr als berechtigte Zweifel. Und die hat Hilder durch sein Verhalten und seine Geheimniskrämerei der letzten Zeit - vor der Presse tauchte er ab, für den Rundfunkrat gab es kein Konzept - noch munter bestärkt. Ein klassisches Eigentor.
Viel wichtiger aber ist: Ausgerechnet der angeblich so politisch vereinnahmte Rundfunkrat des MDR hat der Politik gezeigt, was eine Harke ist. Eine solche Klatsche wie das Wahlergebnis von Leipzig hat Seltenheitswert. Es kommt zur rechten Zeit in einem Jahr, in dem das Bundesverfassungsgericht auch über mangelnde Staatsferne beim ZDF zu urteilen hat.

Steffen Grimberg ist Autor der taz. Foto: taz
Zudem bedeutet es die Bruchlandung der CDU-Medienpolitik und ihres Majordomus, des sächsischen Staatskanzleichefs Johannes Beermann. Der zog beim MDR mit der ihm eigenen medienpolitischen Grobmotorik hinter den Kulissen die Strippen und meinte, mal eben einen Intendanten küren zu können. Sein Großprojekt, gleich ARD und ZDF komplett zu reformieren und sie in der Union genehme Schranken zu verweisen, kann er nun erst mal vergessen.
Die Öffentlichen-Rechtlichen haben manchen Reformbedarf, vor allem der MDR braucht einen echten Neuanfang. Je politikferner sie dabei werden, desto besser. Und der MDR tut jetzt schlicht gut daran, sich Zeit zu nehmen und in Ruhe nach neuen KandidatInnen zu suchen.
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