Kommentar Parteitag der Piraten : Die Stärke ist die Schwäche
Eine Partei wie die anderen auch werden die Piraten vorerst nicht sein. Denn ihr Programmparteitag zeigt, dass die Partei inhaltlich sehr schnell an ihre Grenzen stößt.
D ie Piraten können ihre Selbstbezogenheit im Zaum halten, Personalquerelen weitgehend außen vorlassen und sich auf Inhalte konzentrieren. Das ist die Botschaft ihres Programmparteitags. Das Problem: Ihr Entscheidungsfindungsprozess ist bislang quälend langsam.
Die Piraten haben dabei Schwierigkeiten grundsätzlicher Natur. Ihre größte Stärke ist zugleich ihre größte Schwäche. Die Piraten sind offener als andere, inhaltlich und auf formaler Ebene. Das macht sie für viele interessant, die sich sonst nicht parteipolitisch engagieren würden.
Das Problem dabei: Einzelne Piraten-Mitglieder können wie in Bochum leicht den ganzen Ablauf durcheinanderbringen – auch wenn die Masse sichtlich bemüht ist, die größten Spinner in die Schranken zu weisen.
Auch inhaltlich gerät die Partei an ihre Grenzen. Denn bei den Piraten ist innerhalb grober Linien programmatisch fast alles möglich. Es gibt zwar Einigkeit bei Kernthemen der Freiheit im Internet. Wenn die Vorschläge aber zu konkret werden, ist die nötige Zweidrittelmehrheit schwer erreichbar.
Sebastian Erb ist Redakteur im Inlandsressort der taz.
Das zeigte sich beim verabschiedeten Grundsatzprogramm Wirtschaftspolitik. Es ist eine holprige Kombination zweier Vorschläge; in zentralen Fragen wie der Steuerpolitik enthält es nur Leerstellen.
Die Piraten werden daher auf absehbare Zeit nicht die Kriterien erfüllen, die man an andere Parteien anlegt. Sie können sich nicht über Nacht professionalisieren, viele Mitglieder wollen das gar nicht.
Nur wenn die Bürger dies akzeptieren und trotzdem Piraten wählen, kann die Partei ihre Ideale der Politikgestaltung im Bundestag vertreten – und langsam ihre Positionen festigen. Ansonsten wird es zumindest auf Bundesebene bald sehr still um sie.
Umverteilung gegen rechts
Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert