Touristischer Humbug

Drei Mal reicht

Eine Seilbahn in einer Hafenstadt ist weder touristisch notwendig noch entlastet sie den Nahverkehr. Sie ist nur bezugloser Quatsch.

Dass der Musicalkonzern Stage Entertainment bei seinem Seilbahn-Projekt nicht gerade von dem Motiv angetrieben wird, Nahverkehrs-Anbindung zu bescheren, dürfte klar sein. Eher schon durfte der vielzitierte „Sprung über die Elbe“ dafür herhalten, mehr Zuspruch für ein ansonsten unbeliebtes Touristenprojekt zu ernten. Das tourismuswirtschaftliche Ansinnen wurde hier mit der tatsächlich wichtigen Frage der öffentlichen Verkehrsanbindung Wilhelmsburgs vermischt.

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Dass so eine für Touristen gebaute private Seilbahn, die zeitlich begrenzt für fünf Jahre Gewinn erwirtschaften will, eine Alternative zur S-Bahn sein kann, ist schon absurd genug. Noch absurder wird das Argument nur noch dadurch, dass der südliche Streckenabschnitt über das Hafengelände mitsamt seinen Gefahrengütern führen sollte. Wen wundert es, dass der Wirtschaftssenator Horch kein Freund des südlichen Streckenabschnitts ist.

Wer nun leidenschaftlich für die Seilbahn in die Bresche springt, hat entweder ganz schlichte wirtschaftliche Interessen oder er stellt seine Provinzialität unter Beweis. Drei Mal aus der Schublade rausholen reicht.

Wozu braucht eine Stadt wie Hamburg eigentlich noch mal eine Seilbahn? Die Gondeln im Flachland sind ein völlig bezugloser touristischer Gag.

 
12. 10. 2012

Jahrgang 1981, seit 2012 bei der taz in Hamburg. Politikwissenschaftlerin und Ethnologin. Sie befasst sich vor allem mit Politik und sozialen Bewegungen, Stadtentwicklung und ihren sozialen Folgen, Kulturpolitik.

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